Integriertes Konfliktmanagement an der TU Ilmenau
Konfliktmanagement - Warum?
Gegensätze sind Bestandteil unseres gemeinsamen Lebens. Doch geht es Ihnen auch so, dass schon das Wort „Konflikt“ ein negatives Bauchgefühl in Ihnen auslöst und man am liebsten damit überhaupt nichts zu tun haben möchte?
Konflikte sind unangenehm, sowohl für die Beteiligten als auch für diejenigen, die Zeugen einer konflikthaften Auseinandersetzung werden. Häufig haben die Beteiligten das Gefühl, „sich jetzt wehren zu müssen“, fühlen sich einem Angreifer ausgeliefert, meinen, dass die gewohnte Form des Umgangs keinen Bestand mehr hat. Kommunikation findet nicht mehr statt oder wird auf ein Minimum beschränkt.
Nicht alle Meinungsverschiedenheiten sind Konflikte und haben destruktive Wirkungen. Erst die Art und Weise, wie die Betroffenen damit umgehen, macht aus, ob ein Konflikt konstruktiv bewältigt werden kann oder die Situation eskaliert. Der richtige Umgang mit Konflikten führt in der Regel zu Selbstvertrauen, Wertschätzung und Motivation bei den Beteiligten.
Differenzen und Widersprüche können auch Kräfte sein, die uns vorantreiben, und der Lebendigkeit und dem inneren Wachstum eines jeden Menschen dienen. Die Wissenschaft braucht den Diskurs und Disput. Und verschließen wir nicht die Augen, wenn wir davon ausgehen, dass eine harmonische Unternehmenskultur eine gute Unternehmenskultur ist?
Der Preis für ein vermeintlich harmonisches Miteinander kann sehr hoch sein, denn kritische Themen werden unter Umständen nicht mehr angesprochen und Konflikte nicht aufgegriffen und gelöst. Andererseits können offen ausgetragene Konflikte zu Verletzungen führen, Handlungsunfähigkeit bei den Beteiligten hervorrufen und eine gemeinsame Zusammenarbeit für die Zukunft unmöglich erscheinen lassen.
Ziele des Konfliktmanagements
Sensibilisiert durch den im Arbeitsprozess auftretenden Beratungs-und Konfliktlösungsbedarf und im Hinblick auf eine Streitkultur, die Vertrauen und Offenheit der Beteiligten voraussetzt und Bedürfnisse berücksichtigt, regte die Steuerungsgruppe Campus-Familie das Projekt „Integriertes Konfliktmanagement“ an. Dieses Vorhaben soll sich mit unserer Streitkultur auseinandersetzen, die Kompetenzen zur Konfliktlösung und -beratung vereinen und zu einer offenen Streitkultur beitragen. Auch hier soll der ganzheitliche Ansatz der Initiative zum Tragen kommen. Das heißt:
- universitätsweite Sensibilisierung für Konflikte als Chance,
- Prävention durch Aufklärung und Weiterbildung,
- Unterstützung durch Anwendung von verschiedenen Konfliktlösungsverfahren bei Konflikten und im Rahmen eines Change-Management bei Umstrukturierungsmaßnahmen,
- gewaltfreie Kommunikation als Kommunikationsmethode für ein gemeinsames Miteinander.
Ausblick
Die Konzeption zum Aufbau eines integrierten Systems zur Konfliktprävention, -erkennung und -lösung liegt der Universitätsleitung vor. Es integriert die Erfahrungen und Angebote der bereits an der Universität etablierten Beratungsstellen- und Interessenvertretungen. Die Mediation als neues Instrument der Konfliktlösung wurde ebenfalls bereits an der TU Ilmenau eingeführt und ist weiterer Bestandteil des Projekts. Zwei ausgebildete Mediatorinnen sowie ein Pool an externen Beraterinnen und Beratern, auch im interkulturellen Kontext, stehen zur Verfügung.
In den nächsten Monaten soll die Konzeption in den Fakultäten und zentralen Einrichtungen sowie den Studierenden vorgestellt, breit diskutiert und entsprechend der Bedürfnisse ergänzt werden. Neben der Bündelung von Kompetenzen ist auch ein bedarfsorientiertes Angebot für Fortbildung vorgesehen.
So bleibt am Schluss nicht die Frage, ob wir ein integriertes Konfliktmanagement brauchen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie wir mit uns und unseren Mitmenschen umgehen, und ob wir die Wirkungen unseres Tuns auch wahrnehmen. Vielleicht ist es eine Art Bestandsaufnahme und der Beginn eines Veränderungsprozesses, der uns besser miteinander studieren, arbeiten und leben lässt.

