Politikverdrossenheit
Projektstand: abgeschlossen / Anschlussprojekt geplant
Projektbeschreibung
In diesem Projekt wurde untersucht, ob die Berichterstattung der Medien einen Einfluss auf die Einstellungen der Bürger zur Politik hat und zur Politikverdrossenheit beiträgt.
Im Jahre 1999 wurde die erste Untersuchung in diesem Forschungsfeld abgeschlossen und als Dissertation veröffentlicht. Im Rahmen dieser Studie konnte durch die Kombination von Inhaltsanalysedaten und Befragungsdaten gezeigt werden, welche Effekte Medien(inhalte) auf die Einstellungen der Bürger zur Politik haben. Dabei konnten differentielle Effekte ermittelt werden: Je nachdem welche Indikatoren für Politikverdrossenheit untersucht und welche Medien(inhalte) berücksichtigt wurden. Eine Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen und der wichtigsten empirischen Befunde ist auch in Spanisch erschienen.
Im Rahmen einer Sekundäranalyse dieser Daten wurde der Frage nachgegangen, ob speziell die Skandalberichterstattung der Medien Effekte auf die Einstellungen der Bürger zur Legitimität des politischen Systems hat. Anhand der Analysen konnte verdeutlicht werden, dass die subjektive Wahrnehmung und Verarbeitung der Medieninhalte ein Faktor ist, der bei der Untersuchung von Medienwirkungen berücksichtigt werden muss.
Ein stärker methodenorientierten Beitrag legt die Anforderungen dar, die an Design und Erhebungsmethoden bei der Erforschung dieses Themenbereichs zu stellen sind. Die Notwendigkeit verschiedene Erhebungsmethoden zu kombinieren wird dort begründet.
Durch die wachsende Bedeutung des Internets für die politische Information und Kommunikation ist die Frage zu stellen, ob sich auch die Online-Kommunikation auf die Einstellungen zur Politik auswirkt. Um eine Antwort darauf zu finden, wurden Daten des DFG-Projekts zur Politischen Online-Kommunikation sekundäranalysiert. Es fanden sich keine Hinweise darauf, dass die Nutzung von Onlinekommunikation negativ auf die Einstellungen zur Politik wirkt.
Nicht hinreichend geklärt ist bislang, welche Eigenschaften des Medienangebots für die Entstehung von Politikverdrossenheit von Bedeutung sind. Die Untersuchungen fokussierten bislang vor allem den Negativismus und die Skandalberichterstattung. Vermutet wird aber auch, dass Politainment einen negativen Einfluss haben könnte. Eine Untersuchung zur Bestimmung der Rolle von Politainment für die Einstellungen zur Politik ist das nächste Forschungsvorhaben des Fachgebiets in diesem Forschungsfeld.
Publikationen
- Wolling, J. (2009): Onlinenutzung und Einstellungen zur Politik. Ergebnisse einer repräsentativen Panelstudie In F. Marcinkowski & B. Pfetsch (Hrsg.): Politik in der Mediendemokratie: Politische Vierteljahresschrift Sonderheft 42. (S. 447-467). Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
- Wolling, J. (2006): Zur Logik der Mediamalaise-Forschung. In W. Wirth, A. Fahr & E. Lauf (Hrsg.): Forschungslogik und -design in der Kommunikationswissenschaft. Band 2. Anwendungsfelder in der Kommunikationswissenschaft (S.243-263). Köln: Herbert von Halem.
- Wolling, J. (2001): Skandalberichterstattung in den Medien und die Folgen für die Demokratie. Die Bedeutung von Wahrnehmung und Bewertung der Berichterstattung für die Einstellungen zur Legitimität des politischen Systems. Publizistik, 46(1), S.20-36.
- Wolling, J. (2001): La influencia de los medios sobre la actitud ante la política. Contribuciones, 18(2), 19-41.
- Wolling, J. (1999): Politikverdrossenheit durch Massenmedien? Der Einfluss der Medien auf die Einstellungen der Bürger zur Politik. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. Kurzzusammenfassung (pdf)

