Kommunikation als Weltbezug
Projektbeschreibung
Im konstruktivistischen Zeitalter hat die Kommunikations- und Medienwissenschaft weitgehend aus dem Blick verloren, dass Kommunikation (neben Wahrnehmung, Emotionen, Kognitionen, Handeln und Verhalten) eine Form des Weltbezugs darstellt. Die Realität ist aus den Kommunikationsmodellen verschwunden, herrschende Paradigmen wie der dynamisch-transaktionale Ansatz reduzieren die Erforschung von Kommunikationsprozessen auf die relevanten "Medien- und Persönlichkeitsvariablen" und verbuchen die Komplexität der Realität unter dem "Inhalt" der Medien. Diesem theoretischen Desinteresse an der Realität korrespondiert ein methodisch bedenklicher Umgang mit der Kategorie "Thema" in der empirischen Forschung, wo regelmäßig verschiedenste Dimensionen der Realität vermengt werden.
Das Projekt unternimmt den Versuch, die Realität in die Theoriebildung der Kommunikationswissenschaft zurückzuholen. Im Gegensatz zum radikalen Konstruktivismus wird dabei der Alltagsrealismus der Kommunikationspartner fokussiert. Dabei geht es zentral um zwei Fragen:
- Welche Rolle spielen Merkmale der Realität neben Persönlichkeits- und Medienvariablen in Kommunikationsprozessen? Werden beispielsweise Sportübertragungen auch deshalb mit mehr Spannung rezipiert als Bundestagsübertragungen, weil im Sport die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Entscheidungen viel größer ist?
- Welche Beziehungen bestehen zwischen interpersonaler und massenmedialer Kommunikation sowie den übrigen Weltbezügen (Handeln, Kognitionen, Emotionen etc.)? Was verändert sich am Theoriebestand der Kommunikations- und Medienwissenschaft, wenn Motive, Inhalte und Wirkungen von Kommunikation als Weltbezüge verstanden werden?
Publikationen
- Kuhlmann, Christoph (2007): Die vieldimensionale Welt – Themenanalysen und das Problem der Kommunikationswissenschaft mit der Realität. In: Werner Wirth, Hans-Jörg Stiehler, Carsten Wünsch (Hrsg.): Dynamisch-transaktional denken. Theorie und Empirie der Kommunikationswissenschaft. Köln, S. 126-152

