Subjektive Qualitätsauswahl
Projektbeschreibung
Die in der Kommunikationswissenschaft etablierten Selektions- und Nutzungstheorien von Medienanageboten fokussieren primär auf die Nutzer: ihre Motive, ihre Emotionen, ihre Einstellungen usw. Implizit spielen jedoch bei den Erklärungen immer auch Medieneigenschaften eine Rolle. Allerdings werden diese Eigenschaften in den Ansätzen nicht weiter untersucht. Dieser Vernachlässigung der Medieneigenschaften tritt die Theorie der subjektiven Qualitätsauswahl entgegen. In verschiedenen theoretischen Ausarbeitungen und empirischen Untersuchungen wurden die Grundlagen für eine Theorie entwickelt und getestet, die darauf beruht, die subjektiven Erwartungen an Medienqualitäten und die Wahrnehmungen von entsprechenden Medieneigenschaften heranzuziehen, um die Nutzungsentscheidungen der Mediennutzer zu erklären.
Den Ausgangspunkt des Forschungsprogramms bildet eine lokale Studie zur Nutzung von Fernsehserien, in der eine Vielzahl von Qualitätsdimensionen, die für TV-Unterhaltungsangebote von Bedeutung sind, untersucht wurde.
Eine umfangreiche Untersuchung auf der Basis dieses Ansatzes, die mit Unterstützung von drei Landesmedienanstalten durchgeführt wurde, beschäftigt sich mit dem Radio. In einem ersten Untersuchungsschritt wurden mit Hilfe von qualitativen Experteninterviews und Gruppengesprächen relevante Qualitätskriterien für das Radio ermittelt und diese dann in einer repräsentativen Befragung in drei Bundesländern systematisch erhoben. Zusätzlich wurden eine Woche lang insgesamt 17 Radioprogramme inhaltsanalytisch untersucht, um die Qualitätsmerkmale der Programme zu bestimmen. Durch die Verknüpfung von Inhaltsanalysedaten und Befragungsdaten war es möglich zu prüfen, inwieweit die subjektive Qualitätsauswahl zu einer intersubjektiven Qualitätsauswahl weiterentwickelt werden kann. Parallel zu den Untersuchungen zum Radio wurden auch zwei Sekundäranalysen mit Qualitätseinschätzungen von TV-Nachrichtenanageboten durchgeführt.
Im Rahmen des DGF-Projekts zur Politischen Online-Kommunikation wurde erforscht, ob die Nutzung von politischen Informationsangeboten im Internet auf Grundlage der Theorie erklärt werden kann. Ein Kapitel der abschließenden Projektmonographie zu diesem umfangreichen DFG-Projekt ist ausschließlich dem Ansatz gewidmet.
Zurzeit entsteht die Dissertation von Christina Schumann, die auf der Grundlage des Ansatzes die Nutzungsentscheidungen für einzelne Computerspiele untersucht.
Ein Desiderat in diesem Forschungsfeld ist die systematische Prüfung des Zusammenhangs von Nutzungsmotiven und Qualitätserwartungen.
Publikationen
- Emmer, M., Vowe, G., & Wolling, J. (2011): Bürger online: Die Entwicklung der politischen Online-Kommunikation in Deutschland (S.269-294). Konstanz: UVK.
- Wolling, J. (2009): The Effect of Subjective Quality Assessments on Media Selection. In: T. Hartmann (Hrsg.): Media Choice: A Theoretical and Empirical Overview (S. 84-101). New York, London: Routledge.
- Wolling, J. (2006): Medienqualität aus Rezipientensicht. Test eines qualitätsbasierten Selektionsmodells im Rahmen eines Mehr-Methoden-Projekts. In: S. Weischenberg, W. Loosen & M. Beuthner (Hrsg.): Medien-Qualitäten. Öffentliche Kommunikation zwischen ökonomischem Kalkül und Sozialverantwortung (S. 457-475). Konstanz UVK.

