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Fachgebiet Empirische Medienforschung und politische Kommunikation


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Manuela Dienemann

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INHALTE

Theorieentwicklung

Projekte im Forschungfeld "Theorieentwicklung":

 

Die Theorie der subjektiven Qualitätsauswahl

Die in der Kommunikationswissenschaft etablierten Selektions- und Nutzungstheorien von Medienanageboten fokussieren primär auf die Nutzer: ihre Motive, ihre Emotionen, ihre Einstellungen usw. Implizit spielen jedoch bei den Erklärungen immer auch Medieneigenschaften eine Rolle. Allerdings werden diese Eigenschaften in den Ansätzen nicht weiter untersucht. Dieser Vernachlässigung der Medieneigenschaften tritt die Theorie der subjektiven Qualitätsauswahl (TSQA) entgegen. Im Gegensatz zu normativen Qualitätsansätzen ist Qualität in der TSQA als ein wertneutraler Begriff definiert, der diejenigen Eigenschaften eines Medienprodukts meint, die bei der Auswahl bzw. Nutzung für den Rezipienten von Bedeutung sind.

In verschiedenen theoretischen Ausarbeitungen und empirischen Untersuchungen wurden die Grundlagen für eine Theorie entwickelt und getestet, die darauf beruht, die subjektiven Erwartungen an Medienqualitäten und die Wahrnehmungen von entsprechenden Medieneigenschaften heranzuziehen, um die Nutzungsentscheidungen der Mediennutzer zu erklären.

Den Ausgangspunkt des Forschungsprogramms bildet eine lokale Studie zur Nutzung von Fernsehserien, in der eine Vielzahl von Qualitätsdimensionen, die für TV-Unterhaltungsangebote von Bedeutung sind, untersucht wurde.

Eine weitere Studie befasst sich mit Qualitätskriterien des Radios. In einem ersten Untersuchungsschritt wurden mit Hilfe von qualitativen Experteninterviews mit Radiomachern und Gruppengesprächen mit Vielhörern relevante Qualitätskriterien für das Radio ermittelt. In einem nächsten Analyseschritt wurde dann in einer repräsentativen Befragung in drei Bundesländern analysiert, welche Bedeutung diese Kriterien für die Hörer insgesamt haben. Zusätzlich wurden eine Woche lang insgesamt 17 Radioprogramme inhaltsanalytisch untersucht, um festzustellen, inwieweit die Radioprogramme die von den Hörern gewünschten Qualitätskriterien aufweisen. Durch die Verknüpfung von Inhaltsanalysedaten und Befragungsdaten war es darüber hinaus möglich zu prüfen, ob die inhaltsanalytisch ermittelten Eigenschaften die Auswahlentscheidungen der Rezipienten erklären können. Damit wurde ein erster Schritt unternommen, die Theorie der subjektiven Qualitätsauswahl zu einer Theorie der intersubjektiven Qualitätsauswahl weiterzuentwickeln.

Parallel zu den Untersuchungen zum Radio wurden auch zwei Sekundäranalysen mit Qualitätseinschätzungen von TV-Nachrichtenangeboten durchgeführt.

Im Rahmen des DGF-Projekts zur Politischen Online-Kommunikation wurde erforscht, ob die Nutzung von politischen Informationsangeboten im Internet auf Grundlage der Theorie erklärt werden kann. Ein Kapitel der abschließenden Projektmonographie zu diesem umfangreichen DFG-Projekt ist ausschließlich dem Ansatz gewidmet.

Die Dissertation von Christina Schumann untersucht auf Basis des Ansatzes den Publikumserfolg einzelner Computerspiele.

Ein Desiderat in diesem Forschungsfeld ist die systematische Prüfung des Zusammenhangs von Nutzungsmotiven und Qualitätserwartungen.

 

Kommunikation als Weltbezug

Im konstruktivistischen Zeitalter hat die Kommunikations- und Medienwissenschaft weitgehend aus dem Blick verloren, dass Kommunikation (neben Wahrnehmung, Emotionen, Kognitionen, Handeln und Verhalten) eine Form des Weltbezugs darstellt. Die Realität ist aus den Kommunikationsmodellen verschwunden, herrschende Paradigmen wie der dynamisch-transaktionale Ansatz reduzieren die Erforschung von Kommunikationsprozessen auf die relevanten "Medien- und Persönlichkeitsvariablen" und verbuchen die Komplexität der Realität unter dem "Inhalt" der Medien. Diesem theoretischen Desinteresse an der Realität korrespondiert ein methodisch bedenklicher Umgang mit der Kategorie "Thema" in der empirischen Forschung, wo regelmäßig verschiedenste Dimensionen der Realität vermengt werden.

Das Projekt basiert auf der zentralen Erkenntnis, dass sich der Inhalt von Kommunikation ebenso wie die (möglichen) Wirkungen von Kommunikation beschreiben lassen als Bezüge von Akteuren auf Realitätsausschnitte und/oder auf die Weltbezüge anderer Akteure. Darauf aufbauend wird ein Ansatz entwickelt, der unabhängige und abhängige Variablen in Wirkungsprozessen systematisch als Weltbezüge beschreibt und so geeignet ist, zu einer allgemeinen Theorie der Kommunikationswirkungen zu führen. Die existierenden Ansätze der Medienwirkungsforschung lassen sich darin verorten, differenzieren und weiterentwickeln.

Veröffentlichungen

Publikationen

Vorträge

  • Schumann, Christina/ Wolling, Jens (2014): Zwischen Realität & Fiktion oder Überraschung & Erwartbarkeit: Spannungsbögen als Design-Herausforderung in virtuellen Welten. Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft "Digitale Öffentlichkeit(en)", 28-30. Mai 2014
  • Schumann, Christina/ Bräuer, Marco (2014): Top or Flop? Quality as explication for e-word-of-mouth on the example of video games. 1st International Communication Science & Media Studies Congress, Kocaeli, Turkey, 12.-14. May 2014
  • Schumann, Christina/ Bowman, Nicholas David/ Schultheiss, Daniel (2013): Studying the Pleasures of the Discerning Gamer: Subjective Quality Judgments as Predictors of Good Video Game Experiences. International Communication Association, 63 rd annual conference, 17.-21. Juni 2013.
  • Schumann, Christina (2011): Player-Centered Game Design: Expectations and Perceptions of Social Interaction in RPGs and FPS as Predictors of Rich Game Experience. Multi.Player. International Conference on the Social Aspects of Digital Gaming, in Hohenheim, 21.-23 Juli 2011.