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Infrastrukturen journalistischer Qualitätssicherung
Dipl.-Medienwiss. J. Köster
Lerninhalte
Anything goes, if it sells Die Beobachtung von Russ-Mohl (2000:19), dass sich im Journalismus Qualitätsmaßstäbe in die Richtung verschieben, dass alles, was sich gut verkaufen lässt auch Qualität ist, wird dem komplexen Qualitätsbegriff im Journalismus nicht gerecht.
Trotzdem dominiert in der Medienindustrie vielfach diese Devise. Qualität im Journalismus definieren zu wollen, ist kein leichtes Unterfangen, da es keinen allgemeingültigen Maßstab für den Journalismus geben kann. So konnte eine Einigung über allgemein akzeptierte Kriterien zur Beurteilung journalistischer Qualität noch nicht erzielt werden es existieren jedoch zahlreiche Ansätze, die versuchen, journalistische Qualität zu beschreiben. Doch auch unabhängig vom gewählten Qualitätskonstrukt und der gewählten Perspektive stellt sich die Frage, wie journalistische Qualität in ihrem jeweiligen Sinne gesichert werden kann.
Journalistische Qualitätssicherung findet dabei immer als Teil eines komplexen Netzwerkes statt und ist dabei ein auf Dauer angelegter Vorgang, ein Prozess mit präventiven, den Produktionsprozess begleitenden und mit korrektiven Elementen. Sie vollzieht sich in einem Netzwerk von Institutionen, Initiativen und Infrastrukturen, deren Aktivitäten sich, ebenso wie die Ziele der Qualitätssicherung, teils doppeln, teils überschneiden, teils konterkarieren. Sicherungsinstrumente sind also nicht einzeln zu betrachten oder zu kritisieren, sondern immer als Teil eines Netzwerkes miteinander verknüpft. Der Netzwerk-Charakter stellt zugleich sicher, dass die Bewertung journalistischer Leistungen aus verschiedenen Blickwinkeln erfolgt.
Um den Kernbereich innerredaktioneller Sicherungsbemühungen (redaktionelles Qualitätsmanagement) herum existiert ein externes Netzwerk von Institutionen, welche den Journalismus begleiten. Das externe Netzwerk stellen die Infrastrukturen dar. Diese außerredaktionellen Infrastrukturen sind neben den innerredaktionellen Werkzeugen ein Teil des umfangreichen Qualitätssicherungs-Netzwerkes im Journalismus. Mit außerredaktionellen Infrastrukturen sind Institutionen und Initiativen gemeint, welche auf den Journalismus einwirken und ex ante / präventiv oder ex post / korrektiv zur Qualitätssicherung beitragen, beispielsweise die Journalistenaus- und weiterbildung, Presseräte und Ombudsleute, Journalistenpreise, Medienjournalismus oder die Medienforschung.
Im Forschungsseminar Infrastrukturen journalistischer Qualitätssicherung wird zunächst der Stand der medien- und der wirtschaftswissenschaftlichen Qualitätsdiskussion betrachtet und unterschiedliche Qualitätskriterien diskutiert. Diese können aus rechtlich-politischen Vorgaben abgeleitet sein, aus ökonomischen oder organisatorischen Zwängen erwachsen oder künstlerisch - ästhetischen Ansprüchen entlehnt sein. Anschließend soll erforscht werden, welchen Beitrag sowohl innerredaktionelle wie auch außerredaktionelle Instrumente zur journalistischen Qualitätssicherung leisten können.
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