http://www.tu-ilmenau.de

Logo TU Ilmenau


Ihre Position

INHALTE

Nachrichtenansicht

Alumni-Portrait Hannes Mehring

Im Rahmen des Alumni-Portraits berichten Absolventen des IfMK über ihren beruflichen Werdegang. In unserer Aprilausgabe plaudert Alumnus Hannes Mehring aus dem Nähkästchen.

Hannes Mehring

Im Jahr 2004 gründeten Sie die Agentur frischr, deren Schwerpunkt vor allem auf Social Networks liegt. Was motivierte Sie zur Gründung?

Der Drang, eigenständig und selbstgesteuert zu arbeiten, außerdem die Möglichkeit das Gelernte aus der Uni in der Praxis anzuwenden. Die Agentur diente neben der Durchführung von Webprojekten auch als Spielwiese und Reflexionsinstrument für eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich vor fünf Jahren bereits abzeichnete, aber noch keinen Einzug in die Wissenschaft gefunden hatte: Social Media.

Richtigerweise existiert die Agentur frischr auch erst seit 2007 – selbständig bin ich hingegen schon länger.

Sie haben Angewandte Medienwissenschaft an der TU Ilmenau studiert. Welche wichtigen Fähigkeiten und Erfahrungen haben Sie durch das Studium erworben bzw. gesammelt?

Zunächst vor allem methodische Fähigkeiten. Die des hypothetischen Denkens zum Beispiel, was nützlich ist, um die Medienwelt nicht als gegeben zu sehen, sondern um zu erkennen, wo Strukturen existieren und wie man diese möglicherweise verändern kann. Darüber hinaus ist AMW ein Studiengang für Generalisten. Das heißt, in Projektmanagementfunktionen ist man gut aufgehoben, weil man für viele unterschiedliche Disziplinen einen hohen Verständnisgrad mitbringt.

Fallen Ihnen konkrete Lehrveranstaltungen oder Projekte ein, die Ihnen bei Ihrer beruflichen Laufbahn weitergeholfen haben?

Die Multimedia-Tools bei Prof. Brandenburg waren super. Das Verständnis von Mediacodierung war mir schon häufiger von Nutzen. Außerdem die Medienrechtsvorlesung – ich hatte schon mehrere Situationen, in denen sich mein durch die Vorlesung geprägtes „Rechtsgefühl“ als hilfreich erwies. Selbstverständlich haben die medientheoretischen Fächer eine wichtige Grundlage für den allgemeinen Umgang mit Medien gebracht.

Sie haben frischr neben ihrem Studium geleitet. Wie haben Sie diese Doppelbelastung gemeistert und in welchen Bereichen hat es Ihnen geholfen?

Ich habe es nie als Doppelbelastung empfunden. Ich denke, durch die vielen praktischen Erfahrungen, die ich durch die Selbständigkeit gemacht habe, ist mir das Verstehen so mancher Lehrveranstaltungen leichter gefallen. Ansonsten ist etwas Disziplin natürlich hilfreich, was nicht heißt, dass ich nie Zeit zum Feiern hatte. J

Haben Sie neben ihrer Tätigkeit bei frischr weitere Praktika während Ihres Studiums absolviert?

Nein.

Die von Ihnen entwickelte Smartphone-App CrowdRadio erhielt 2012 den Deutschen Radiopreis. Was steckt hinter dieser App und wie kam es zu dieser Idee?

Die App entstand aus der Beobachtung heraus, dass die klassischen Massenmedien (Radio, Print, TV) offensichtliche Probleme beim Verständnis digitaler, insbesondere sozialer Medien haben. Facebook wird viel zu oft als eine Art Heiland des Social Webs angesehen, bringt aber eine Reihe von Problemen mit sich. Wir haben nach einer Lösung gesucht und zunächst mit Radio begonnen, weil der Markt vergleichsweise klein und schnell begreiflich ist. Die App ermöglicht die organisierte Interaktion mit den Hörern eines klassischen Radiosenders. Sie werden regelmäßig und organisiert in das Programm einbezogen, um dieses interessanter und relevanter zu gestalten.

Apps von heute sind morgen schon Schnee von gestern. Wo setzt frischr in den nächsten Jahren Akzente?

Wir haben sehr viele Ideen. Viel mehr, als wir umsetzen können. Die Apps werden zukünftig nicht nur mit dem User interagieren können, sie werden mehr über den User wissen und können somit relevanteres (Radio-)Programm ausstrahlen. Darüber hinaus wird es die klare Trennung zwischen Radio, Fernsehen und Print nicht mehr geben. Die Medien verschmelzen und die Apps werden einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

Welchen Tipp geben Sie derzeitigen AMW-Studierenden für die Zukunft?

Man sollte sich auf keinen Fall hetzen lassen. Der Druck, schnellstmöglich mit Bachelor und Master fertig zu werden, ist eine völlig verkehrte Botschaft der Politik. Mit Anfang 20 fehlt einem noch das Verständnis und der Weitblick für Veränderungen in der Medienwelt. Gut Ding will Weile haben. Dieser alt hergebrachte Spruch ist hierbei sehr zutreffend. Wenn wir nach Mitarbeitern suchen, achten wir darauf, dass sie nicht zu jung sind.

Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg!