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Ansprechpartnerin

Elfriede Thron

Koordinatorin ERASMUS-Praktika

Telefon 03677 69-2523

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INHALTE

Lettland

Ron Hellfritzsch, FSU Jena, Geschichte/Politikwissenschaft

Riga, Lettland

Museumsgebäude
Ausstellung im Museum
Im Museum

Mein ERASMUS-Praktikum 2012

Bereits im Wintersemester 2010/2011 und im Sommersemester 2011 habe ich über das ERASMUS-Programm an der Latvijas Universitāte in Riga studiert. In dieser Zeit konnte ich einige persönliche Beziehungen knüpfen, durch die ich die Möglichkeit erhielt, ein Praktikum zu absolvieren.

Die Praktikumsstelle

Die Praktikumsstelle beschäftigt sich mit den drei Okkupationen Lettlands im 20. Jahrhundert, gleichzeitig dient es auch als eine Art Gedenkort für die Opfer der Besatzungszeit, insbesondere für die Opfer der sowjetischen Massendeportationen. In allen drei baltischen Ländern besteht jeweils ein solches Museum, diese stellen, obwohl sie im Vergleich zu manchen Museen in Deutschland meist nicht groß sind, ein grundlegendes Element nationaler Erinnerungspolitik Litauens, Lettlands und Estlands dar. Jeder neue lettische Staatspräsident macht am Tag nach seiner Amtseinführung einen Besuch in diesem Museum, auch bei Staatsbesuchen zählt es immer mit zum Pflichtprogramm.

Die zweite Funktion des Museums ist, aus lettischer Sicht, eher nach außen gerichtet. Hierbei dient das Museum der Aufklärung der Welt über das besondere Schicksal der baltischen Völker und, man kann sagen, wohl auch der nationalen Selbstvergewisserung gegenüber anderen Ländern.

Eine weitere spannungsgeladene Thematik, über die das Museum aufzuklären versucht, sind die Lettischen SS-Legionäre. Das Museum zeigt, wie und warum die baltischen Völker 1941 die einrückenden deutschen Truppen als Befreier begrüßten und wie es dazu kam, das Letten und Esten, zumeist nicht ganz freiwillig, in den deutschen Streitkräften dienten. Jedes Jahr im März wird in Lettland ein inoffizieller Gedenktag für die lettischen Angehörigen der SS abgehalten, immer begleitet von lautstarken Gegenprotesten russischer Einwohner Lettlands. Auch im westlichen Ausland nimmt man diesen Gedenktag zumindest mit Befremden war. Das Museum versucht daher über die Ambivalenz dieser Vorgänge aufzuklären. Ein großer Teil der Besucher besteht aus Schulklassen und, besonders in den Sommermonaten, aus ausländischen Touristen, nicht zuletzt aus den deutschsprachigen Ländern.

Aufgaben/Projekte

Meine Aufgabe als Praktikant im bestand hauptsächlich aus der Führung von Studiengruppen und Einzelpersonen, in deutscher wie auch englischer Sprache, durch alle Bereiche der Ausstellungen.

Unabhängig von der besonderen Thematik des Museums war es eine für die Zukunft sicherlich nützliche Erfahrung sehen und daran mitzuwirken zu können, ein komplexes historisches Thema für Besucher mit geringen oder gar keinen Vorkenntnissen anschaulich aufzubereiten. In diesem Sinne musste ich mich z.B. auf die verschiedenen Arten von Besuchern einstellen.

Auch wenn ich mich natürlich an die Thematik halten musste und mir ein gewisser zeitlicher Rahmen vorgegeben wurde, oblag die Vorbereitung und Ausgestaltung der Führungen letztlich mir selbst. Ich habe mir zu diesem Zweck in den ersten Tagen den Ausstellungskatalog durchgelesen und einige Führungen meiner Kollegen angesehen und die Führungen dann frei und ohne Aufzeichnungen gehalten und mich nur an den einzelnen Ausstellungsbereichen und Exponaten orientiert.

Da ich durch mein Studium in Riga etwas Lettisch gelernt habe, konnte ich auch bei der Vorbereitung der neu zu gestaltenden Dauerausstellung behilflich sein, indem ich die dafür vorgesehenen Ausstellungstexte vom Lettischen ins Deutsche übersetzt habe.
Zu den anderen Mitarbeitern habe ich während meiner Zeit als Praktikant ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut, das in vielen Fällen über bloße Zusammenarbeit hinausging.

Erworbene Qualifikationen und Fähigkeiten

Ich konnte mich darin üben, vor größeren Gruppen zu sprechen und auf die verschiedenen Arten von Besuchern einzugehen.

Zweifellos konnte ich außerdem meine Kenntnisse der lettischen Sprache verbessern und bin der Meinung, dass ich nun fließender lettisch lesen, schreiben und insbesondere auch sprechen kann.

Fazit

Da ich mich im weiteren Verlauf meines Studiums und darüber hinaus gern mit der Geschichte des Baltikums beschäftigen will, hat mir die Arbeit viele nützliche Kenntnisse vermittelt. Insbesondere scheint mir die Erkenntnis wichtig, dass die Deutung der jüngeren Vergangenheit Lettlands immer noch zu Diskussionen und Konflikten innerhalb der Gesellschaft dieses Landes führt.

Die während des Praktikums geknüpften Kontakte zu lettischen Historikern und zur Stiftung, welche das Museum betreibt, können für mich sicherlich einmal nützlich sein. Nicht zuletzt konnte ich viele Kenntnisse praktischer Museumsarbeit, etwa bei der Gestaltung von Ausstellungen, erwerben, die ich, unabhängig vom Thema baltische Geschichte, auch in Deutschland anwenden kann.

Mein Praktikum in Riga war für mich auf jeden Fall eine schöne und interessante Zeit, die mir viele nützliche Erfahrungen vermittelt hat.