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Facebook-Euphorie verflogen – Deutsche Politiker setzen kaum auf Wähleransprache via Facebook

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01.02.2011

Facebook-Euphorie verflogen – Deutsche Politiker setzen kaum auf Wähleransprache via Facebook

Eine Untersuchung an der Technischen Universität Ilmenau zur Facebook-Kommunikation von Bundes- und Landtagsabgeordneten zeigt: Die Wähleransprache über soziale Netzwerke ist bisher die Ausnahme. Nur ein kleiner Teil der Politiker kommuniziert aktiv mit seinen Anhängern in Facebook. Man setzt auf klassische Informationsvermittlung, statt auf den Dialog mit dem Wähler. Das mobilisierende Potenzial des sozialen Netzwerks bleibt größtenteils ungenutzt.

Ilmenau/28. Januar 2011 – Angela Merkel tut es, Gregor Gysi tut es und Claudia Roth sowieso – sie alle nutzen Facebook, um ihre Wähler zu erreichen. Inspiriert vom Online-Wahlkampf Barack Obamas zog es auch deutsche Politiker im „Superwahljahr“ 2009 in die sozialen Netzwerke, mit der Hoffnung, gerade bei  der jungen Netz-Generation zu punkten.

Eine Untersuchung von Linette Heimrich am Fachgebiet für Public Relations & Technikkommunikation der Technischen Universität Ilmenau widmete sich der Frage, ob und wie deutsche  Abgeordnete im Netzwerk Facebook ein Jahr nach der Wahl mit ihren Wählern kommunizieren.

Analysiert wurden alle offiziellen Facebook-Seiten der Mitglieder des Deutschen Bundestags sowie der Abgeordneten des Bayerischen, des Schleswig-Holsteiner und des Thüringer Landtags. Mit 146 von 622 Mitgliedern des Bundestags besitzt knapp ein Viertel (23%) der Bundestagsabgeordneten ein offizielles Facebook-Profil. Landtagsmitglieder nutzen Facebook dagegen seltener, wobei der Bayerische Landtag mit 21 Parlamentariern (11%) im Vergleich zum Thüringer (7 Abgeordnete, 8%) und Schleswig-Holsteiner Parlament (6 Abgeordnete, 6%) am stärksten vertreten ist. Im Ganzen sind es vor allem Mitglieder der Grünen und der FDP sowie Abgeordnete unter 45 Jahren, die in Facebook aktiv sind.

Insgesamt zeigen sich die Politiker bei der Kommunikation in Facebook aber zurückhaltend. Nur ein Drittel (36%) der in Facebook vertretenen Bundes- und  Landtagsmitglieder kommuniziert aktuell und mehrmals pro Woche mit seinen Facebook-Anhängern. Dabei sind wieder grüne und liberale Politiker am aktivsten, wenn es um das Veröffentlichen von Meldungen geht.

Ein gutes Drittel der Abgeordneten (36%) hat das Netzwerk nach einer kurzen Probephase wieder verlassen. Die letzte Aktualisierung dieser Seiten liegt im Schnitt 250 Tage zurück. Jede zehnte der untersuchten Politiker-Seite (11%) enthielt gar keine Meldungen.

Zum Dialog zwischen Politikern und Bürgern kommt es auf den Facebook-Seiten selten. Zwar sind Besucher-Beiträge in Form von Texten, Fotos, Videos und Verlinkungen in den meisten Fällen willkommen, eine Antwort erhalten die Nutzer von ihren demokratischen Vertretern aber kaum. Gerade mal ein Fünftel (22%) der Politiker reagiert auf Beiträge von Besuchern. Der Einsatz von Facebook-Seiten konzentriert sich überwiegend auf die klassische einseitige Vermittlung von Informationen und weniger auf den Austausch mit den Wählern. Entsprechend gering ist das Feedback, das Politiker von ihren Anhängern in Facebook erhalten.

Die anfängliche Euphorie scheint damit verflogen. Anders als in den USA, in denen soziale Netzwerke wie Facebook sich als Bestandteil der Kommunikationsstrategie vieler Politiker etabliert haben, befindet sich die politische Facebook-Nutzung in Deutschland noch in den Anfängen. Parlamentarier orientieren sich hierzulande noch zu wenig an den neuen Leitwerten des Social Web, dessen Kommunikation vor allem durch die Interaktion und Partizipation der Nutzer geprägt ist. Eine Erfolgsstrategie für den Einsatz von Facebook in der politischen Public Relations scheint den Abgeordneten bis dato noch zu fehlen.

Das Fachgebiet für Public Relations & Technikkommunikation unter Professor Wolfgang Schweiger befasst sich derzeit in einer Reihe von Studien mit den Veränderungen, die soziale Medien im Internet für PR, Werbung und politische Kommunikation mit sich bringen.

Vollständige PDF-Version der Studie

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