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Renditeerwartung oder Helfersyndrom?

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11.05.2017

Renditeerwartung oder Helfersyndrom?

Neue Studie zu Motiven einer Beteiligung an Crowdfunding-Projekten

Foto: ari

Die Beschaffung finanzieller Mittel von mehreren kleineren Geldgebern über das Web 2.0 bzw. soziale Netzwerke gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere für Unternehmensgründer. Projektunterstützer geben in Befragungen häufig soziale Motive, wie beispielsweise Hilfsbereitschaft oder Glaube an den Produkterfolg, als Investitionsmotiv an. Eine aktuelle Studie des Fachgebiets Finanzwirtschaft/Investition hinterfragt diese Motive und kann zeigen, dass entgegen der Selbstwahrnehmung vieler Projektunterstützer Renditeerwartungen bzw. Risikoabschätzungen durchaus eine Rolle spielen. Die Ergebnisse geben wertvolle Impulse für die aktuelle betriebswirtschaftliche Forschung zur Erklärung menschlichen Entscheidungsverhaltens hinsichtlich finanzieller Entscheidungen.

Crowdfunding, d.h. die Beschaffung finanzieller Mittel über das Internet, gewinnt zunehmend an Bedeutung - für die Praxis ebenso wie für die betriebswirtschaftliche Forschung. Im Jahr 2015 wurden weltweit durch Privatpersonen und Organisationen zur Finanzierung innovativer Ideen über Crowdfunding-Plattformen etwa 34,4 Mrd. US-$ bereitgestellt. Die zu finanzierenden Projekte können sowohl kommerzieller als auch gemeinnütziger oder auch privater Natur sein. Geldgeber erhalten oft eine Gegenleistung, die entweder materiell oder auch immateriell sein kann.

Dies wirft unmittelbar die Frage nach Motiven auf, aus denen heraus Individuen bereit sind, für Projekte in frühen Entwicklungsstadien und daher mit unsicheren Erfolgsaussichten finanzielle Mittel bereitzustellen. Bisherige Forschungsarbeiten präsentieren häufig Befragungsergebnisse, nach denen Projektunterstützer aus Solidarität, Hilfsbereitschaft oder Sympathie für Innovatoren heraus agieren. Doch es besteht die Vermutung, dass daneben auch rationale Entscheidungskriterien, d.h. Renditeaussichten und Risikoabschätzungen, das Investitionsverhalten beeinflussen.

Das Team des Fachgebiets Finanzwirtschaft/Investition hat mittels umfangreicher Datenerhebung und -analyse diese Frage näher untersucht. Reale Daten des Marktführers kickstarter.com zum Verhalten von Projektinitiatoren und Projektunterstützern zeigen, dass sehr wohl rationale Kriterien für Investitionsentscheidungen herangezogen werden. Dabei betrachtet die Untersuchung so genannte belohnungsbasierte Crowdfunding-Modelle, die in bisherigen Forschungsarbeiten eher vernachlässigt wurden.

Für eine Renditeermittlung wurden verschiedene Belohnungen bzw. Gegenleistungen erfasst und nach objektiven Maßstäben monetär bewertet. Die Auswertung von mehr als 500 erfolgreich finanzierten Projekten im Bereich Technologie führt zu mehreren Schlussfolgerungen: Konkrete Gegenleistungen für eine Finanzierung spielen für Investoren eine wesentliche Rolle. Insbesondere geldwerte Vorteile in Form von Preisnachlässen bzw. den Erhalt der durch ein Projekt entwickelten Produkte und Dienstleistungen erweisen sich als besonders wichtig. Je höher der investierte Betrag ist, desto wichtiger ist auch die Rendite, die ein Unterstützer erwartet. Dabei können verschiedene Personen angebotenen Gegenleistungen durchaus unterschiedliche Werte zuordnen.

Der Beitrag wurde von der Zeitschrift "Betriebswirtschaftlichen Forschung und Praxis BFuP" zur Veröffentlichung angenommen. Die BFuP ist eine der traditionsreichsten deutschsprachigen wissenschaftlichen Zeitschriften auf dem Gebiet der Betriebswirtschaftslehre. Sie fungiert als Diskussionsforum für Wissenschaft und Praxis und übernimmt in ihren Schwerpunktthemen eine Vorreiterrolle bei der Behandlung neuer wissenschaftlicher oder praktisch bedeutsamer Fragestellungen. Die Publikation selbst untersetzt einen Schwerpunkt der Forschung des Fachgebiets Finanzwirtschaft/Investition - die Auseinandersetzung mit aktuellen Finanzierungsformen sowie theoretischer und empirischer Analysen zu relevanten Mechanismen und Wirkungsweisen.

Link zum Artikel: Trost, R.; Fox, A.; Heim, S. (2017): „Geldwerte Gegenleistungen im reward-based Crowdfunding – suchen die Geldgeber doch Rendite?“ Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis BFuP, 2/2017,
https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/692570/

Ansprechpartner: Univ.-Prof. Dr. habil. Ralf Trost, FG Finanzwirtschaft/Investition