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18.06.2018

TU Ilmenau: SYMPARTNER-Roboter unterstützt alleinlebende Senioren zu Hause

Foto: © Universität Siegen, Ubiquitous Design

Am 25.06.2018 findet ab 10 Uhr in der AWO Begegnungsstätte „Heckenrose“, Heckenrosenweg 2 in 99097 Erfurt, die Abschlusspräsentation des Verbundprojektes SYMPARTNER statt. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als 1,7 Millionen Euro im Programm „Sozial- und emotionssensitive Systeme für eine optimierte Mensch-Technik-Interaktion“ geförderten Projektes ist es, alleinlebende Senioren mit Hilfe eines autonomen, mobilen Companion-Roboters in ihrem Alltag zu unterstützen und so zu ihrem Wohlbefinden beizutragen. „Kann ein Roboter zu Hause die Lebensqualität allein lebender älterer Menschen erhöhen und vielleicht auch deren Einsamkeit kompensieren?“ waren wichtige Fragestellungen des Projektes.

Foto: © TU Ilmenau/Michael ReichelIn dem gut dreijährigen Forschungsprojekt (04/2015–06/2018) wurden die Gestaltung und die Hard- und Software für einen ganz neuen, für den häuslichen Einsatz geeigneten, sympathischen Companion-Roboter entwickelt und darauf basierend sozialwissenschaftliche Fragestellungen zur Wirksamkeit, Motivation, Gebrauchstauglichkeit und Akzeptanz evaluiert. Seit Dezember 2017 wurde der autonome Roboter in 20 Seniorenhaushalten in Erfurt eingesetzt. Nutzer konnten ihn jeweils eine Woche lang zuhause erproben. Dies ist sowohl aus technischer als auch sozialwissenschaftlicher Sicht ein großer Schritt in Richtung des Einsatzes von Robotern im privaten häuslichen Umfeld: Derartige, wirklich autonom agierende robotische Begleiter sind in den Haushalten älterer Menschen in Europa und auch weltweit auf Grund der bislang unzureichenden Autonomie der sonst eingesetzten Roboter bisher kaum erprobt. SYMPARTNER setzt mit einer Dauer der Feldtests von 20mal einer Woche auch international neue Maßstäbe.

Das Projekt wurde getragen von sieben Partnern: Die Firma MetraLabs GmbH (Ilmenau) war Koordinator des Vorhabens und entwickelte die Roboterplattform, die TU Ilmenau war für die autonome Navigation in der Wohnung und die Nutzerwahrnehmung des Roboters zuständig, die CIBEK GmbH (Limburgerhof) verantwortete die Softwareentwicklung für die Kommunikation des Roboters mit dem Nutzer und die Bereitstellung der Servicefunktionen, die Uni Siegen entwickelte die Robotergestalt und ein neuartiges Interaktionskonzept, das SIBIS Institut für Sozialforschung (Berlin) war zuständig für die Evaluation des Robotereinsatzes in der Häuslichkeit, und die AWO Thüringen sowie die ARTIS Servicewohnen GmbH (Erfurt) als assoziierter Partner organisierten den Feldversuch in ihren Servicewohnanlagen. Betreut wurde das Vorhaben vom Projektträger VDI/VDE Innovation und Technik GmbH Berlin.

Was kann SYMPARTNER, der freundliche Hausgenosse?

•    Er kommt, wenn er gerufen wird und steht mit seinen umfangreichen Serviceangeboten jederzeit zur Verfügung (Zeitung lesen, Musik hören, Videos gucken, einfacher Internetzugang, Videotelefonie).

•    Er spricht die Menschen persönlich an und erkundigt sich mehrmals am Tag nach ihrem Befinden („Guten Morgen Lotte, hast du gut geschlafen?“).

•    Er macht von sich aus Angebote, um den Alltag aufzulockern („Horst, darf ich dir einen Witz erzählen?“ „Huiii, ich habe Lust zu tanzen. Katrin, hast Du Lust mitzumachen?“)

•    Er erinnert an Termine, Medikamente und daran, regelmäßig zu trinken.

•    Er unterstützt kognitive Fähigkeiten und ist trotz altersbedingter motorischer oder kognitiver Einschränkungen intuitiv bedienbar.

•    Er verabschiedet sich, wenn sein Besitzer das Haus verlässt und begrüßt ihn, wenn er zurück kommt („Schön dass du wieder zurück bist, Evelyn“).

•    Er hat unbegrenzt Zeit und Geduld und trägt durch humorvolle Dialoge, Bewegungen (Ohren wackeln, Kopf nicken) und Geräusche zur Erheiterung und zur guten Laune bei.

•    Er bereichert den Alltag durch überraschende Effekte und unerwartete Anregungen und Aktionen  („Heute ist schönes Wetter, möchtest du nicht etwas spazieren gehen?“)

Die Erprobung in 20 Haushalten in der Altersgruppe 62 bis 94 Jahre (Durchschnittsalter 72) liefert aus technischer, sozialwissenschaftlicher und nutzerorientierter Sicht wichtige Erkenntnisse über die besonderen Herausforderungen in der Häuslichkeit. Die Ergebnisse der Langzeitstudie zeigen, wie Senioren ihren häuslichen Alltag mit einem Roboter-Companion gestalten und wie schnell sie sich an den neuen Hausgenossen gewöhnen. Die überwiegende Mehrheit der Befragten empfindet den Roboter als Bereicherung ihres Alltags: SYMPARTNER bringt Abwechslung in die tägliche Routine und fördert durch seine Anregungen das Wohlbefinden und letztlich die Lebensqualität. Dem sympathischen Roboter scheint es zu gelingen, die Gefahr der Einsamkeit ein wenig zu lindern.

Hintergrundinformationen zum Projekt:

Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Alleinlebenden zu: Während in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen der Anteil der Alleinlebenden 24% der Frauen und 19% der Männer alleinleben, sind es in der Altersgruppe 85 plus 74% der Frauen und 34% der Männer. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt das Gefühl der Einsamkeit für viele alleinlebende Menschen zu. Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass sich dies nicht nur negativ auf die Lebenszufriedenheit, sondern ebenfalls negativ auf die physische und die psychische Gesundheit und letztlich auf die Lebenserwartung auswirken kann. Das Problem der Einsamkeit im Alter ist ein wichtiges, aber häufig tabuisiertes Thema; es stellt sich die Frage, ob häusliche Roboter-Companions Abwechslung in den Alltag bringen und zur Lebensqualität im Alter beitragen können. Dass die Ablehnung gegenüber einem Zusammenleben mit einem Roboter seit der Jahrtausendwende abgenommen hat, zeigen die Zahlen einer vom BMBF in Auftrag gegebenen FORSA-Umfrage. Demzufolge können sich 83 Prozent aller Deutschen vorstellen, im Alter einen Service-Roboter zu nutzen. Drei von vier Befragten sind überzeugt, dass Roboter eine wichtige Rolle in der Pflege übernehmen werden.

Im Rahmen von SYMPARTNER wurden 120 Senioren intensiv danach befragt, ob und unter welchen Voraussetzungen sie einen Roboter als Unterstützung zuhause haben wollen. Die überwiegende Mehrzahl kann sich eine Unterstützung durch einen Roboter vorstellen, insbesondere Frauen über 75 Jahren votierten positiv. Fast alle Befragten (96%) wünschen sich einen Companion, der sie im Alltag unterstützt, vier Fünftel möchten regelmäßig an Termine erinnert werden (80%) und zwei Drittel können sich vorstellen, dass ein Roboter ihr alltägliches Gesundheitsverhalten unterstützt (z. B. Trinkerinnerung oder kognitive und motorische Anregungen). Über die Hälfte der Senioren kann sich vorstellen, mit diesem Alltagshelfer zu kommunizieren und mehr Freude im häuslichen Alltag zu haben.

Weitere Informationen über SYMPARTNER  im Internet: sympartner.de

Die Partner im SYMPARTNER-Projekt:

Die MetraLabs GmbH Neue Technologien und Systeme (Ilmenau), Verbundkoordinator des SYMPARTNER-Projektes, ist spezialisiert auf die Entwicklung serienreifer, autonomer, mobiler sowie interaktiver Indoor-Serviceroboter. Unter anderem ist sie technologieführend bei interaktiven, mobilen Serviceguides wie Shoppingroboter und Inventurrobotern.

Das Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik der Technischen Universität Ilmenau ist seit Mitte der 90er Jahre erfolgreich in der Robotik-Forschung tätig. Die Schwerpunkte des Fachgebietes liegen im Bereich intelligenter Service- und Assistenzroboter, die über Lernfähigkeit, Adaptivität und autonome Navigationsfähigkeit verfügen und mittels fortgeschrittener Mensch-Maschine-Schnittstellen eine intuitive Mensch-Roboter-Kommunikation in öffentlicher und häuslicher Einsatzumgebung ermöglichen. 

Die Firma CIBEK Technology and Trading GmbH entwickelt und vertreibt Software im Bereich der Gebäudeautomation sowie von AAL-Produkten für ältere Menschen, wie z.B. das Unterstützungssystem „Paul“, dessen Software und Leistungsspektrum eine wichtige Grundlage für den Sympartner darstellt.

Die Universität Siegen, Institut für Wirtschaftsinformatik  mit dem Team “Erlebnis und Interaktion” forscht an der Nahtstelle von Psychologie, Interaktionsdesign, Industriedesign und Informatik. Im Sympartner-Projekt war die Gruppe zu-ständig für die Entwicklung der Gestalt und des Interaktionsdesigns.

Das SIBIS Institut für Sozialforschung und Projektberatung GmbH in Berlin ist Spezialist für Innovationsforschung aus Nutzersicht. Unter der Leitung von Dr. Sibylle Meyer war das Institut zuständig für die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik, insbesondere die nutzerorientierte Gestaltung des Roboters sowie die Begleitung und Evaluation der Erprobung des Sympartners in 20 Haushalten.

Die AWO Alten-, Jugend- und Sozialhilfe gGmbH (AJS) in Erfurt ermöglichte die Erprobung des Roboters in den Servicewohnanlagen der AWO Erfurt und übernahm die soziale Betreuung der Senioren, die sich für ein Zusammenleben mit einem Roboterassistenten zur Verfügung stellten.

Auf der Webseite sympartner.de/fotos finden sich weitere reproduzierbare Fotos zum SYMPARTNER-Projekt mit Erläuterungen und Quellenangaben.

Kontakt:
Prof. Horst-Michael Groß
Leiter Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik
Telefon:
+49 3677 69-2858
Mail: horst-michael.gross@tu-ilmenau.de