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Universitätsarchiv Ilmenau


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Dr. Anja Kürbis

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INHALTE

I. Das Hochschularchiv Ilmenau von 1976 bis 1990

 

Mit der Verordnung über das staatliche Archivwesen vom 11. März 1976 und der 1. Durchführungsbestimmung erfolgte eine Statusänderung des Hochschularchivs Ilmenau: Aus dem Verwaltungsarchiv wurde ein Verwaltungs- und Endarchiv. Das heißt, das Hochschularchiv hatte nun das Recht, die archivwürdigen Unterlagen der Hochschule eigenständig zu archivieren, also dauerhaft aufzubewahren. Dies hatte zunächst zur Folge, dass bereits ein Jahr später alle bis dahin an das einst zuständige Endarchiv, das Staatsarchiv Meiningen, abgegebenen Bestände, wieder rückgeführt wurden. Dazu gehörten sowohl die Archivalien des Technikums und der Fachschule als auch der Hochschule selbst.

Auswirkungen auf die personelle oder räumliche Ausstattung des Archivs zeigten sich allerdings nur zögerlich. Zwar wurde 1976 ein zweiter Mitarbeiter eingestellt. Doch mit einem ehemaligen Offizier, Erich Güntsch, kam erneut eine Arbeitskraft ohne archivischen Fachwissens auf die Stelle des Archivassistenten.Die Magazine auf dem Boden und im Keller des Rektoratsgebäudes (Haus G) boten nur mangelhafte Lagerungsbedingungen. Die Bewertung der übernommenen Unterlagen stellte die Mitarbeiter des Archivs vor erhebliche Herausforderungen. Die Erschließung konzentrierte sich auf die Massenakten. Die Sachakten blieben somit nur rudimentär erschlossen und standen der Nutzung kaum zur Verfügung.

1977 übernahm die vergleichsweise junge Petra Lindner die Nachfolge Rechenbachs. Bereits ein Jahr später verstärkte Hartmut Reichelt das Archivteam. Beide absolvierten im Rahmen der üblichen Qualifizierungsmaßnahmen eine Ausbildung zum Archivassistenten. Und so nahm das Archiv wieder an Fahrt auf.

Im April 1978 inspizierte das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen der DDR das Hochschularchiv. Ergebnis dieser Inspektion war die Verlängerung der Frist, innerhalb derer das Archiv sich zu einem Endarchiv zu entwickeln hatte, von 1980 um fünf Jahre. Dieses zu realisieren, empfahl das Ministerium 4 Planstellen für den Typus des Hochschularchivs: 1. ein Leiter mit Hochschulabschluss (als Archivar oder Abschluss einer gesellschaftswissenschaftlichen Fachrichtung, 2. ein wissenschaftlicher Archivar (als Archivar oder der Aufgabe entsprechenden Fachrichtung), 3. ein Archivar (Fachschulabschluss) und 4. ein Archivassistent (Facharbeiterabschluss). Für die räumliche Unterbringung des Archivs legte die Kommission fest: 1 Arbeitsraum für den Archivleiter, 3 Räume für die Mitarbeiter, 1 Benutzerraum, 1 Aktenbearbeitungsraum, diverse Magazinräume. Von beiden, Personal- und Raumausstattung, war und blieb das Hochschularchiv Ilmenau himmelweit entfernt.

Bereits 1978 konstatierte die Archivleiterin Petra Lindner: Die desolate Raumsituation „beeinflußt wesentlich die weitere Entwicklung des Hochschularchivs, die unter den gegenwärtigen Bedingungen weder die Bereitstellung geeigneter Arbeitsplätze, noch die Übernahme von archivwürdigem Schriftgut und ebenfalls keine ordnungsgemäße Betreuung der Benutzer" gewährleisten könne. [1] Ohne Eigeninitiative war dieser Situation nicht beizukommen. So reparierten die Archivmitarbeiter das undichte Dach des Rektoratsgebäudes und reichten 1980 einen Neuerervorschlag für die Errichtung eines Seilzuges zwischen Dachboden und Keller ein.

Mit Rektoratsanweisung vom 2. Januar 1981 erschien eine neue Archiv- und Benutzungsordnung für das Hochschularchiv. Die Überarbeitung, so der Text, wurde angesichts neuer Erfahrungen und dem Erlass der Archivverordnung 1976 erforderlich. Die Archivordnung definierte das Hochschularchiv als Verwaltungs- und Endarchiv, welches für das Archivgut der ehemaligen Ingenieurschule Ilmenau und der Hochschule zuständig wäre. Beides gehörte zum Staatlichen Archivfonds der DDR. Die Bewertung hätte aufgrund des vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen herausgegebenen Schriftgutbewertungs- verzeichnisses zu erfolgen.

Ab 1982 stand Petra Lindner dem Archiv nicht mehr zur Verfügung, Reichelt übernahm die Leitung und absolvierte ein Studium zum Diplomarchivar. 1982 und 1983 wurden mit Regina Heinrich und Markus Gräf zwei Sachbearbeiter eingestellt, die jeweils nur ein Jahr im Archiv tätig waren. 1984 nahm Reichelt eine anderer Tätigkeit an der Hochschule auf. Und wieder wurde die Ausstattung des Archivs mit einem geeigneten Fachpersonal zum existentiellen Problem. Bis 1990 wurde das Archiv mit Bibliotheksfacharbeiterinnen besetzt: Christa Anders, Annelie Kätsch und Helga Kraft.

Die 1985 erschienene „Hochschulanweisung zur Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung bei Besuchen und Besichtigungen an der TH Ilmenau“ machte den Erlass einer Betretensordnung für das Hochschularchiv erforderlich. Diese Ordnung vom 14. September 1988 erklärte den gesamten Archivbereich zum Sperrbereich der Kategorie I, der nur durch die beiden Archivmitarbeiterinnen betreten werden durfte. Jeder hochschulfremde Nutzer musste durch den 1. Prorektor zugelassen werden. Die Zulassung von Nutzern aus dem sozialistischen Ausland erforderten eine Genehmigung seitens des Rektors. Nutzer aus dem nichtsozialistischen Ausland durften den Sperrbereich nicht betreten, waren de facto von der Nutzung ausgeschlossen.

Ebenfalls 1988 forderte das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen einen Bericht über die Entwicklung des Archivs seit 1984. Anders, seit 1988 Leiterin des Archivs, resümierte: "Die Einrichtung und Ausstattung des Archivs entspricht gegenwärtig noch nicht den Anforderungen gemäß der Ausstattungsnormen für ein Verwaltungs- und Endarchiv." [2]

Für das Hochschularchiv Ilmenau wurde der Einsatz von nichtarchivischen Fachkräften sowie deren steter Wechsel sowie die desolate Raumsituation zu einem erheblichen Problem, dessen Folgen noch immer deutlich zu spüren sind. Mit der Rückkehr Petra Lindners besetzte wieder eine Fachkraft das Archiv. Die Raumsituation besserte sich leicht zu Beginn des neuen Jahrtausends.

 

[1] UAI, Nr. 13296.

[2] UAI, Nr. 13296.