http://www.tu-ilmenau.de

Logo TU Ilmenau



Foto des Ansprechpartners
Ansprechpartner

Andrea Krieg

Stabsstelle Campus-Familie

Telefon +49 3677 69 1710

E-Mail senden



INHALTE

Der Begriff der Abhängigkeit

Abhängigkeit

Die körperliche Abhängigkeit zeigt sich in der Entwicklung einer Toleranz (kontinuierliche Dosissteigerung, um die gleiche Wirkung zu erzielen); ferner in körperlichen Entzugserscheinungen (Entzugssyndrom), wenn die Substanz abgesetzt wird, und im Zwang zur Substanzaufnahme, um Entzugserscheinungen zu vermeiden oder zu lindern. Die psychische Abhängigkeit zeigt sich u.a. im Zwang, eine Substanz zu konsumieren mit dem Ziel, positive Empfindungen herbeizuführen oder unangenehme Empfindungen zu vermeiden (z.B. „Saufdruck“), im Kontrollverlust bei Beginn, Ende, Menge und Zeitpunkt des Konsums, in der Einengung des Lebensstils auf den Suchtmittelkonsum und in der Verdrängung der gesundheitlichen und sozialen Folgeschäden. Die physische und psychische Abhängigkeit wird auch oft unter dem Begriff Abhängigkeitssyndrom zusammengefasst.

Häufige Begleiterkrankungen der Abhängigkeit sind Angststörungen und Depressionen; viele Betroffene haben Suizidgedanken.

Ursachen für Sucht/Abhängigkeit: Der Abhängigkeit kann ein ganzes Bündel von Ursachen zugrunde liegen. Wie in einem Netz sind die einzelnen Stränge miteinander verflochten und verstärken sich gegenseitig. Dabei spielt die Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe, einer Gesellschaftsschicht oder geschlechtsspezifische Muster keine Rolle. So etwas wie eine "Suchtpersönlichkeit"  oder ein „Sucht-Gen“ gibt es nicht. Wohl aber Risikofaktoren, die die Entstehung von Sucht begünstigen können. Dazu zählen das im Gehirn befindliche Belohnungssystem des Menschen mit dem Neurotransmitter Dopamin, psychische und psychiatrische Komponenten, die genetische Veranlagung und soziokulturelle Bedingungen. (Details: http://www.medizinfo.de/sucht/start.shtml)

Suchtmittel/Suchtformen:

Unterschieden wird zwischen stoffgebundener Abhängigkeit (Alkohol, Tabak, Medikamente, illegale Drogen) und nicht-stoffgebundener Abhängigkeit (Glücksspiel, Internet, Sex, Kaufen, Arbeit, Sport). Diese Form der Abhängigkeit wird auch als Verhaltenssucht bezeichnet. Ferner gibt es Überschneidungen wie bei den Essstörungen: Sie haben psychische Hintergründe, wirken sich körperlich aus, und sind in vielen Dingen einer Sucht sehr ähnlich. Daher werden sie als psychosomatische Erkrankungen mit Suchtcharakter bezeichnet.

Polytoxikomanie: Abhängigkeit von mehr als einer Droge. Nicht immer besteht Abhängigkeit nur von einem speziellen Suchtmittel. Häufig konsumieren Abhängige eine oder mehrere psychotrope Substanzen (Drogen). Früher wurde dies mit dem Begriff Polytoxikomanie bezeichnet. Heute wird im medizinischen Bereich zur Diagnose die Formulierung "Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen" gewählt.

Der Weg in die Abhängigkeit: Je nach Suchtmittel ist dieser Weg kurz oder kann sich über mehrere Jahre erstrecken. Bei Heroin, Kokain oder synthetischen Drogen wie Crystal Meth (Amphetamin) ist dieser Weg sehr kurz; bei Alkohol, Medikamenten und Tabak kann sich eine Abhängigkeit erst nach Jahren des Missbrauchs manifestieren. Ähnliches gilt für die Entwicklung von Verhaltenssüchten. Die Entwicklung einer stoffgebundenen Sucht folgt dem folgenden Schema, das auch auf die Verhaltenssüchte wie Glücksspiel anwendbar ist:

-       Probierphase: erste Kontakte mit dem Suchtmittel.

-       Gewöhnungsphase: das Suchtmittel wird ein festes Element im Leben.

-       Schädlicher Gebrauch: das Suchtmittel wird regelmäßig und in größeren Mengen konsumiert; schädliche körperliche, psychische und soziale Folgen sind erkennbar und werden hingenommen.

-       Abhängigkeit: die Beschaffung und der Konsum des Suchtmittels bestimmen den Alltag des/der Betroffenen mit allen Konsequenzen; sie „funktionieren“ nur noch unter dem Einfluss des Suchtmittels.

Co-Abhängigkeit: Diese Beziehungsstörung betrifft vor allem die Familie oder den Partner/die Partnerin eines/einer Abhängigen, aber auch das weitere soziale Umfeld. Deshalb wird von einem "Suchtsystem" gesprochen. Angehörige von Abhängigen versuchen zu helfen, zu beschützen, zu warnen, zu erklären und zu rechtfertigen. Co-Abhängige unterstützen ihre Partner bis zur eigenen Selbstaufgabe. Sie sind nicht in der Lage, die Aussichtslosigkeit ihres Verhaltens zu bewerten und sich entsprechend zu verhalten. Dies kann so weit führen, dass Co-Abhängige sich selbst nicht mehr fühlen und wahrnehmen – zumindest in der Beziehung zum Süchtigen, oft aber auch darüber hinaus. Nicht nur Partner und Kinder von suchtkranken Menschen können Co-Abhängigkeit entwickeln. Gefährdet sind auch Menschen mit einer familiären oder beruflichen Beziehung zu emotional und / oder geistig gestörten Persönlichkeiten. Das können sowohl Ärzte, Therapeuten, Fachkräfte in Pflege wie auch Eltern von verhaltensauffälligen Kindern etc. sein.

Therapie: Eine Suchttherapie wird in darauf spezialisierten Kliniken stationär durchgeführt und dauert je nach Suchtmittel mehrere Wochen bis zu mehreren Monaten. Ihr geht in der Regel eine ebenfalls stationäre Entgiftung voraus. Erfolgreich können Therapieangebote nur dann sein, wenn die Betroffenen ihre Abhängigkeit als Krankheit akzeptieren (Krankheitseinsicht), die sie allein nicht „besiegen“ können und daher bereit sind, externe Hilfe anzunehmen.

Süchtig, aber abstinent und clean: So etwa wäre der Zustand eines/einer Abhängigen nach einer erfolgreichen Therapie zu beschreiben, denn: Eine Abhängigkeitserkrankung ist im klassischen Sinn des Wortes nicht heilbar. Der Mensch bleibt ein süchtiger Mensch, und die „Beziehung zu seinem Suchtmittel“ ist fest im Gehirn gespeichert (Suchtgedächtnis) und jederzeit wieder abrufbar (Rückfall). So, wie der Mensch den Gebrauch des Suchtmittels „erlernt“ hat, muss er nun lernen, sein Leben ohne Suchtmittel zu gestalten. Nicht, „es nicht mehr zu dürfen“, sondern „es nicht mehr zu brauchen“ ist die Maxime eines suchtmittelfreien Lebens. Nach einer Kliniktherapie ist der Besuch einer unterstützenden Selbsthilfegruppe und der weitere Kontakt zu einer Beratungseinrichtung wichtig, beides senkt das hohe Rückfallrisiko. „Einzelkämpfer“ mögen auf anderen Gebieten erfolgreich sein; in der Tiefsee der Sucht erleiden sie schnell Schiffbruch.

(Tot)schweigen ist keine Lösung

Das war er nun, der erwartete und befürchtete Termin beim Chef. Der war noch nie ein Freund der Diplomatie. „Sie trinken. Wenn das nicht aufhört, sind Sie draußen“. Das war´s. Erwischt. Tarnung und Täuschung aufgeflogen. Leugnen zwecklos. Mahnungen, dezente Hinweise, körperliche und psychische Symptome - alles im nächsten Glas ersäuft. ...

Wir reden über Sucht oder auch Abhängigkeitssyndrom, ein für alle Beteiligten schweres,  emotionsbeladenes Thema, und für die Beispiele Alkohol und Medikamente kann ein Dutzend anderer Stoffe stehen. Sucht kommt schleichend, in der Heimtücke vergleichbar dem Krebs, und sie holt sich immer ein paar üble Gesellen wie die Depression oder die Angststörung dazu. ...

Unabhängig von den Behandlungsschritten wird der Betroffene lernen (müssen), dass es eine Heilung bei dieser Krankheit nicht gibt. Damit erlischt das eben noch gesehene Licht am Ende des Tunnels nicht wieder. Im Kopf muss nur ein Gedanke feste Gestalt annehmen: Nie wieder mit seinem (oder einem anderen) Suchtmittel Freundschaft zu schließen, weil sonst der Tanz auf einem immer dünner werdenden Seil von vorn beginnt. ...

Diesen Weg muss niemand allein gehen; es gibt sehr viel Hilfe, die sich aber nicht aufdrängen wird. Der kranke Mensch muss sie wollen und (auf-) suchen. Alles lesen...