Frühjahrs-Workshop 2025 des NeuroSensEar-Konsortiums

Neumorphe akustische Sensorsysteme für Hörhilfen der nächsten Generation

Vom 24. bis 26. März 2025 traf sich das NeuroSensEar-Konsortium zu seinem Frühjahrstreffen an der Universität Ulm, um sich über den Fortschritt in der Entwicklung neumorpher akustischer Sensorsysteme auszutauschen. Ziel des Projekts ist es, innovative Technologien für energieeffiziente, kontextbewusste Hörhilfen der Zukunft zu schaffen – inspiriert von biologischen Vorbildern und gestützt durch neuartige Hardwarelösungen.

Besonders erfreulich war die Teilnahme von drei Mitgliedern des Advisory Boards: Prof. Christian Dobel (HNO-Klinik Jena), Prof. Bastian Epp (Technical University Denmark, Experte für gekoppelte Oszillatoren im Hören und Psychoakustik) und Prof. Eckehard Schöll (TU Berlin & Potsdam Institute for Climate Impact Research).

Eröffnung und wissenschaftliche Impulse

Den Auftakt bildete eine Vorstellung des Gesamtprojekts am Montagnachmittag durch die Projektkoordination Prof. Claudia Lenk (Institut für Funktionelle Nanosysteme, AG Biomedizinische Sensorik und Mikrosysteme, Universität Ulm), gefolgt von einer inspirierenden Keynote von Prof. Dr. Heiko Neumann (Institut für Neuronale Informationsverarbeitung, Universität Ulm). In seinem Vortrag „Contextual control for binding in vision and audition – from neuroscience to neuromorphic computing“ spannte er den Bogen von der biologischen Wahrnehmung zur technischen Umsetzung in neuromorphen Systemen.

Nach einer gemeinsamen Postersession und dem daran anschließenden Austausch beim Abendessen, ging es am Dienstag mit einem vollen wissenschaftlichen Programm weiter.

Fachsessions und interdisziplinärer Austausch

Den Dienstag eröffnete Prof. Dr.-Ing. Maurits Ortmanns (Institut für Mikroelektronik, Universität Ulm) mit einem Überblick zu „Microelectronics @ UUlm – Implantable Electronics for Neural Recording, Stimulation and Modulation“.
In vier spannenden Sessions wurden anschließend aktuelle Forschungsthemen aus dem Projekt vorgestellt:

  • MEMS-Cochlea-Hardware: Fortschritte bei mikroelektromechanischen Cochlea-Komponenten und ihrer Integration in elektronische Systeme.
  • Insektengehör als Vorbild: Ansätze zur Nachbildung biologischer Lokalisationsmechanismen.
  • Sprachverständlichkeit und Klangqualität: Modelle und Tests zur akustischen Wahrnehmung.
  • Akustische Szenenanalyse: Einsatz von Deep Neural Networks und Reservoir Computing zur Mustererkennung in komplexen Klangumgebungen.
 

Für das Konsortium haben dabei vorgetragen:

  • Prof. Manuela Nowotny (FSU Jena)
  • Fan Zhang (TU Ilmenau)
  • Dr. Ilko Pieper (TU Ilmenau)
  • Dr. Jakob Abeßer (Fraunhofer IDMT)
  • Alireza Molla Ali Hosseini (TU Ilmenau)
 

Auch der medizinische Kontext kam nicht zu kurz: Prof. Dr. med. Anna-Katharina Rohlfs (Sektion Phoniatrie & Pädaudiologie, Universitätsklinikum Ulm) zeigte in ihrer Keynote „More Than Hearing: The Hidden Complexity of Auditory Perception“ eindrucksvoll, wie vielschichtig die menschliche Hörwahrnehmung ist. Den wissenschaftlichen Abschluss des Tages bildete der Vortrag von Prof. Dr. Marc Ernst (Institut für Angewandte Kognitionspsychologie), der sich mit der Integration von Sinneseindrücken für robustes räumliches Hören beschäftigte.

Der intensive Tag endete mit internen Projektdiskussionen.

Abschluss mit KI-Schwerpunkt

Am Mittwoch wechselte der Workshop in das Launchpad der Universität Ulm – einen innovativen Seminarraum, der speziell für kreative, interaktive Lehrformate gestaltet wurde.

In dieser Umgebung eröffnete Prof. Dr. Daniel Alexander Braun den Tag mit seiner Keynote „Continual Reinforcement Learning with Information Constraints“ – ein spannender Ausblick auf KI-Systeme, die fortlaufend und flexibel lernen können. Im Anschluss fanden abschließende interne Diskussionen sowie eine Postersession statt, bevor der Workshop mit einem gemeinsamen Mittagessen ausklang.