http://www.tu-ilmenau.de

Logo TU Ilmenau


Ihre Position

INHALTE

Nachrichtenansicht

< Gutachten für den Bundestag zeigt ...

02.11.2015

Kommunikationsstrategien von Bürgerinitiativen: Zwischen sachlichem Dialog und lautstarkem Protest

Beim von der Bundesnetzagentur initiierten „Wissenschaftsdialog“ und auf der Fachmesse „Wind. Energie. Mitteldeutsche Branchentage“ stellte Marco Bräuer vom Fachgebiet Empirische Medienforschung und politische Kommunikation die Ergebnisse eines DFG-geförderten Projektes zu Bürgerinitiativen vor. Dem Fachpublikum zeigte er dabei, wie die Kommunikation zwischen Bürgerinitiativen und Entscheidungsträgern verbessert werden kann.

Marco Bräuer beim Wissenschaftsdialog in Bonn (Foto: Bundesnetzagentur)

Der mit der Energiewende verbundene Ausbau der Infrastrukturen erneuerbarer Energien (z.B. von Windparks) sowie der Netzausbau treffen häufig auf intensive Widerstände in der Bevölkerung. In den meisten Fällen sind Bürgerinitiativen die Hauptträger der Proteste. Politik sowie Energieunternehmen reagieren auf diese Herausforderungen mit der Entwicklung und Umsetzung von Informationskampagnen sowie der Initiierung konkreter Konsultations- und Beteiligungsformate. Trotz dieser anhaltenden Bemühungen, die Akzeptanz der einzelnen Vorhaben zu erhöhen, ist die Zahl der Bürgerinitiativen, die beispielsweise gegen den Netzausbau protestieren, kontinuierlich gestiegen. Auch gegen Windkraftanalagen mobilsieren Bürgerinitiativen ihren Widerstand.

Es ist notwendig, diese Realität anzuerkennen und einen unvoreingenommenen Blick auf die Bürgerinitiativen zu richten: Wie nehmen sie die Kommunikations- und Partizipationsangebote wahr und wie bewerten sie diese? Wie wollen sie beteiligt werden? Entwickeln sie eigenständige Lösungsvorschläge? Um diese Fragen zu beantworten, wurden im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojekts im Fachgebiet Empirische Medienforschung und politische Kommunikation in den letzten drei Jahren Feldstudien mit Bürgerinitiativen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Forschung stellte Marco Bräuer nun jenseits kommunikationswissenschaftlicher Fachkonferenzen auf zwei Verantaltungen einem thematischen Fachpublikum vor.

Beim von der Bundesnetzagentur initiierten „Wissenschaftsdialog“ wurde die Frage diskutiert, inwiefern die Bürgerinitiativen die Interessen der Bevölkerung einbinden und sich um die Formulierung konstruktiver Vorschläge bemühen, die die Qualität der Vorhaben substanziell verbessern können. Es wurde deutlich, dass die Bürgerinitiativen durchaus als Intermediäre zwischen den Beteiligten wirken. Gleichzeitig ist das Engagement von Bürgerinitiativen immer auch mit starken Emotionen verbunden. Lautstark zu protestieren, möglichst viele Menschen zur Teilnahme an Demonstrationen zu motivieren und auf Veranstaltungen der Politik auch mal „ordentlich auf den Putz zu hauen“ gehören ebenso zum Selbstbild der Initiativen wie der sachliche Dialog mit den anderen Konfliktbeteiligten.

Auch in Thüringen formiert sich derzeit Widerstand gegen die Pläne, in größerem Umfang weitere Windparks zu errichten. Auf der Fachmesse „Wind.Energie. Mitteldeutsche Branchentage“ wurde danach gefragt, was die Thüringer Landesregierung bei ihren Aktivitäten mit Bezug zur Windkraft von den Ergebnissen des Forschungsprojektes lernen könne. Ein wichtiges Anliegen sollte es sein, einen kontinuierlichen Dialogprozesses mit den Bürgerinitiativen zu führen. Dazu gehört es auch, gemeinsame Verfahrensstandards und verbindliche Kommunikations- und Konsultationsprozesse zu vereinbaren, die in gemeinsamen Papieren festgehalten werden sollten. Da die mit der Errichtung von Windparks verbundene Verteilung von Vorteilen und Nachteilen jedoch vielfach von Betroffenen als ungerecht wahrgenommen wird, ist in der nächsten Zeit in Thüringen mit einer Intensivierung des Widerstands durch Bürgerinitiativen zu rechnen. Die kommunikationswissenschaftliche empirische Forschung kann in diesem Zusammenhang durch die Analyse der schwierigen Kommunikationsprozesse einen aktiven Beitrag zur Lösung der Konflikte leisten.