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Fakultät für Maschinenbau


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Silke Stauche

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INHALTE

Maschinenbau

Denkst Du vielleicht ...

Maschinenbau - das bedeutet immer viel Muskelkraft, Dreck, Öl, extremer Lärm - und ist deswegen nichts für Dich?

Kannst Du Dir vorstellen ... dass es auch anders aussehen kann?
Wusstest Du,...

  • dass Maschinenbau oft Rechnerarbeit, Konstruktion oder Arbeit in Reinräumen ist?

  • dass Maschinenbau Dein Leben durch viele Maschinen & Geräte bereichert und sich auch mit regenerativen Energien und Nachhaltigkeit beschäftigt?

  • dass erst der Einfluss von Frauen Erfindungen und Entwicklungen möglich machte - z.B. war Ilse Knott-ter Meer die erste deutsche Diplom-Ingenieurin und erstes weibliches Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure.

  • dass Maschinenbau auch mit filigranem Arbeiten, Nanotechnologien, Architektur, Kunst, Design und Psychologie zu tun hat?
Foto: Nicole Bauer, Studentin Maschinenbau
Foto: Nicole Bauer, Studentin Maschinenbau

"Wer also Interesse hat, ein Ingenieursstudium zu absolvieren, der soll sich nicht durch Vorurteile abschrecken lassen. [...] Niedrige Frauenquote war gestern! Die Frauenquote in den technischen Studiengängen steigt von Jahr zu Jahr."  Nicole Bauer, Studentin Maschinenbau

Maschinenbau ist vielseitig und bedeutet:
Tüfteln - Ausprobieren - Verändern - Erneuern - Verbessern und Weiterentwickeln.

Kurzinfo

Was ist Maschinenbau?

Maschinenbau steht für schlaue Erfindungen und geniale Konstruktionen.

Foto: UtSe - Abschlussseminar der BASIC-Modellgruppe. Hier wird der im Rahmen der praktischen Arbeit gefertigte Autonome Miniaturtransporter (AMT) präsentiert
Foto: UtSe - Autonomer Miniaturtransporter (AMT), als Abschlußprojekt an der BASIC-Engineering School entstanden
  • Maschinenbau umfasst den gesamten Produktkreislauf von der Forschung und Entwicklung über Entwurf, Kalkulation, Konstruktion, Produktion, Wartung und Betrieb bis hin zu Entsorgung.

  • Maschinenbau entwickelt Technik für Menschen und Tiere und daraus entstehen Geräte und Techniken, die aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind.

  • Maschinenbau ist so vielfältig, dass das Spektrum der Produkte und Anlagen vom einzelnen Maschinenelement (z.B. Schraube) über komplexe Maschinen (z.B. Fertigungsroboter) bis hin zu Fertigungsstraßen (z.B. für die Nudelproduktion - von der Fertigung bis zum Einpacken der Nudeln in verschiedene Packungsgrößen) und ganzen Fabriken größter Komplexität reicht.

Was ist Maschinenbau an der TU Ilmenau?

Es ist nicht die Herstellung von großen und öligen Maschinen.

Foto: ari - Forschung an Polymeren Solarzellen
Foto: ari - Forschung an Polymeren Solarzellen
  • Maschinenbau unterscheidet sich im direkten Vergleich zu anderen Universitäten durch das einzigartige Fächerangebot.

  • Maschinenbau an der TU Ilmenau ist geschichtlich bedingt eine Mischung aus Feinwerktechnik, Optik und Elektronik. Wir bieten neben den klassischen maschinenbaulichen Fächern auch Technische Optik und Lichttechnik an.

  • Die Feinwerktechnik in Ilmenau weist eine besondere Ausprägung in Richtung des wissenschaftlichen Gerätebaus auf. Im Zusammenspiel von Feinmechanik, Optik, Elektronik und verwandter Gebiete entstehen Geräte mit höchster Präzision. Das Erkennen und Messen von Strukturen weit unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsgrenzen bis in den Nanometerbereich ist dafür ein Anwendungsbeispiel..

Univ.-Prof. Dr.-Ing. René Theska im Gespräch: Wie werden unsere kleinen Helfer im Alltag produziert, die auch immer mehr Funktionalität besitzen, wie z.B. das iPhone?

Reinhören

Foto: Steffen Winkler, Absolvent Maschinenbau
Foto: Steffen Winkler, Absolvent Maschinenbau

"An kaum einer Universität ist die Betreuung so intensiv und individuell. Kleine Vorlesungen und Studiengruppen machen dies möglich. [...] Aber auch die Möglichkeit im Reinraum und mit Hochpräzisions-Maschinen zu arbeiten war spannend."  Steffen Winkler, Absolvent Maschinenbau

Berufsbild

Was kann ich damit werden?

Mit Maschinenbau stehen viele berufliche Wege offen.

  • Maschinenbauer/-innen haben kreative Ideen und forschen an Entwicklungen, die wir uns heute noch nicht einmal zu erträumen wagen. Sie gestalten die Zukunft.

  • Maschinenbauer/-innen sind neugierig und erkunden das Leben, die Natur, die Menschen und sie suchen nach Lösungen für Unmögliches und verknüpfen dabei klassische Ingenieurkunst mit neuen Kompetenzen.

  • Maschinenbauer/-innen konstruieren und entwickeln Produkte - von Klein bis Groß - von der Nanotechnologie (z.B. Mikrochips) bis zu großen Maschinen-Komplexen (z.B. Kraftwerke).

  • Maschinenbauer/-innen können in verschiedenen Bereichen eines Unternehmens tätig werden, international arbeiten und branchenübergreifend.

Forschung und Entwicklung

Nicht immer wird zu einem bestimmten Zweck geforscht und Forschungen liefern nicht nur auf dem eigentlichen Forschungsgebiet Ergebnisse. Oft sind die Ergebnisse vielseitiger einsetzbar als ursprünglich geplant.

Viele Forschungsergebnisse können zum heutigen Stand der Technik noch nicht (in Serie) produziert werden und warten darauf, dass die Technologie auf einen Stand kommt, in dem die Forschungsergebnisse erst genutzt und gebraucht werden können.

  • Sie forschen und entwickeln neue Produktgenerationen - z.B. Roboter für Fertigungsstraßen, Spülmaschinen, Kameras oder Kaffeemaschinen
  • Sie entwickeln Konzepte zur elektronischen Steuerung und Regelung - z.B. von selbstregelnde Heizungen; Fertigungsstraßen zur Verpackung von Bonbons 
  • Sie entwickeln Modelle - z.B. Strömungsmodelle für Wettersimulationen
  • Sie entwickeln und optimieren einzelne und auch komplexe Maschinenelemente.
  • Sie passen die Geräte auf unterschiedliche Nutzer/-innengruppen an - z.B. sollten Knieprothesen für Frauen anatomisch filigraner sein als für  Männer.


Forschen heißt erfinden oder verbessern zum Beispiel zu folgenden Themen:

  • Medizin - Entwicklung von Prothesen oder Kunstherzen ohne negative Einflüsse auf den Menschen (wie Wärmeentwicklung) mit minimalen oder gar keinem Verschleiß
  • Wetter - genauere Wettervorhersagen durch Simulation von kalten und warmen Strömungen
  • Optik - optische Effekte nutzen und integrieren - z.B. bei der Qualitätskontrolle -  Aussortierung von fehlerhaften Produkten
  • technische Textilien, die z.B. vor Krankheiten warnen, Daten übertragen oder Energie erzeugen und speichern (z.B. Aufladen von Handys)
  • verbesserte und leistungsfähigere Bauteile - z.B. optischer Sensor in der Kamera, im Mikroskop oder im Fernrohr
  • Sport - z.B. Laufanalysegeräte

Konstruktion und Produktion

Konstruktion & Produktion heißt die Erfindungen und Ideen praktisch umzusetzen. 

  • von der Idee bis zum fertigen Produkt - sie kümmern sich darum, dass die Bestellung des Kunden rechtzeitig produziert wird und individuelle Wünsche eingearbeitet werden. 
  • Sie kennen die Produkte und Produktionsabläufe des Unternehmens und sichern - während der Herstellung - die Qualität der (sich oft verändernden) Produkte.
  • Sie verfügen über Organisationstalent und arbeiten gern im Team.

Als Konstrukteur/-in muss man die Herangehensweise an neue Aufgaben beherrschen und wissenschaftliche Methoden anwenden, um auftretende Probleme kreativ zu lösen. Oft wir diese Stellenposition heute als Produktentwickler/-in oder als Produktmanager/-in ausgeschrieben.

  • Sie konstruieren komplette Modellreihen neu.
  • Sie führen vorbereitende Simulationsprozesse durch.
  • Sie sichern Designmodelle ab.
  • Sie entwickeln Prototypen und passen sie an Kundenwünsche an.
  • Sie setzen die Konzepte bis hin zur Serienreife um.
  • Sie führen Kostenbetrachtungen und Projektplanungen durch und arbeiten eng mit Lieferanten zusammen.
  • Sie überwachen die Qualität und Wirtschaftlichkeit von Bauteilen vor und während der Produktion.
  • Sie führen zuverlässige Eingangs- und Qualitätskontrollen durch - für z.B. zugelieferte Bauteile.
  • Sie stehen in jeder Prozessphase und jedem einzelnen Fertigungsprozess
    als kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.

Service und Vermarktung

Im Service und Vermarktung (Vertrieb) wird gearbeitet, wenn ein Produkt zum einen gereift ist und dem Kunden vorgestellt wird oder zum anderen auch, wenn ein Produkt erst mit dem Kunden zusammen entwickelt werden soll.

  • Sie begleiten die Projekte von der Konzeptentwicklung über die Konstruktion und die Versuchsphase bis zur Produkteinführung.
  • Sie vermarkten die Produkte beim Kunden.
  • Sie sorgen für die termingerechte Installation beim Kunden.
  • Sie führen technische Absprachen mit dem Kunden durch
  • Sie planen Produkteigenschaften nach Kundenwunsch und leiten innovative Produktkonzepte ab.
  • Sie führen Funktions-, Qualitäts- und Kostenziele durch.

Service heißt einrichten:

  • Maschinenbauer/-innen im Service arbeiten international und beraten Kunden vor Ort, sie beheben Probleme, greifen Anregungen und Kundenwünsche auf und suchen gemeinsam mit den Kunden nach Lösungen.
  • Reisebereitschaft, Mehrsprachigkeit und Kontaktfreude auf Messen gehören zu den Grundeigenschaften.

Vertrieb heißt vermarkten:

  • Hier werden potenzielle Kunden vom Produkt überzeugt. Dabei müssen die vielen wichtigen und komplexen Details von Fertigungsstraßen bis hin zu einzelnen Maschinenkomponenten vorgestellt und erklärt werden.
  • Die Beratung wird durch gezielte Marketingmaßnahmen unterstützt, die dem Kunden die Funktionsweise, Vorteile der Anschaffung sowie Qualität und Preis plausibel erklären. 
  • Produktkompetenz, Optimismus oder Kontaktfreude sind wichtige Voraussetzungen, um im Vertrieb tätig zu werden. 
  • Vermarktet wird in allen Unternehmen.

Management

Sie arbeiten oft als Projektingenieure/-innen und Projektleiter/-innen.

  • Sie leiten laufende Projekte und behalten alle Produktionsabläufe und -phasen im Blick.
  • Sie treffen grundlegende Entscheidungen vor - während - und nach der Produktion und Installation.
  • Sie haben fachübergreifende Kenntnisse und können deshalb alle Gewerke und Produktionsbereiche leiten, beraten und entscheiden.
  • Sie akquirieren neue Aufträge und halten Kundenkontakt im Topmanangement - teilweise weltweit.

Tätigkeitsfelder & Praxisfelder

Die Tätigkeitsfelder für alle Absolventinnen und Absolventen des Ilmenauer Maschinenbaus sind sehr breit gefächert.
Die folgende Auflistung gibt nur einen kleinen Teil dessen wieder, was das Berufsleben wirklich bereit hält.

Von der Selbstständigkeit über kleine Firmen bis zu großen Firmenkonzernen ist alles dabei.

  • wissenschaftliche Einrichtungen - z.B. Hochschulen
  • Ingenieurbüros - z.B. in der Planung von neuen Anlagen und Verbesserung oder Modernisierung von bestehenden Anlagen
  • Öffentlicher Dienst - z.B. bei technischen Überwachungsvereinen
  • selbstständige oder freiberufliche Tätigkeiten - z.B. als Sachverständige; Vermarktung eigener Produkte, Ideen und Verfahren
  • Prüf- und Gutachterstellen - z.B. bei Neuzulassungen
    • Überprüfung gesetzlicher Vorschriften.
      Dabei werden Einzelteile oder auch ganze Anlagen verschiedenen Prüfungen und Tests - z.B. auf Langlebigkeit, Verschleiß oder Materialfehler unterzogen.
    • Dekra oder TÜV - es gibt immer sicherheitsrelevante Dinge, die einzuhalten sind (z.B. Stahlbau, Brückenbau, explosionsgeschützter Behälterbau) - national wie international
    • VDI / VDE - als typische Organisationen, die gesetzliche Vorgaben vor/während/ und nach der Geräteentwicklung überprüfen und testen

Univ.-Prof. Dr.-Ing. René Theska im Gespräch: In welchen Unternehmensbereichen kann ich als Absolventin/ Absolvent arbeiten und habe ich mit anderen Kulturen zu tun? Welche Auswirkung hat das auf die zu entwickelnden Produkte?

Reinhören

Foto: Paula Weidinger, Studentin Maschinenbau
Foto: Paula Weidinger, Studentin Maschinenbau

"Man lernt jeden Tag neue Sachen kennen und stellt fest, dass einem diese Dinge im Alltag ständig begegnen [...]. Der abwechlsungsreiche Einblick in die Welt der Technik, den das Studium bietet, ist dafür verantwortlich, dass ich jedes Semester einen neuen Berufswusch habe."   Paula Weidinger, Studentin Maschinbau

Foto: René Schürer, Absolvent Maschinenbau
Foto: René Schürer, Absolvent Maschinenbau

"Heute bin ich wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fertigungstechnik. Dort entwickele ich neue Verfahren zum Verbinden bzw. Schweißen unterschiedlichster Werkstoffe und Bauteile [...]."  René Schürer, Absolvent Maschinenbau

Praxis

Wo finde ich Anwendungen im Alltag?

Maschinenbau steckt in allen (technischen) Geräten.

  • Maschinenbau ist heute und wird auch zukünftig ein Tätigkeitsfeld sein, das unserem Leben Einfachheit und Erleichterung verschafft.

  • angefangen von Geräten des Alltags: wie Kaffee- oder Waschmaschine, Wasserkocher, Mikrowelle und intelligenter Kühlschrank

  • über Geräte zur Unterhaltung und Kommunikation: wie Handy, Ipad, Computer  Radio

  • bis zu Erfindungen, die für Zeitersparnis, Lebensfreude und Effizienz stehen: wie Beinprothesen, Mikrochips, Solaranlagen, Windräder, Elektroautos, ...

Medizin

Gerade in der Medizin werden heute so viele technische Geräte benutzt wie nie zuvor.
Schaut man sich nur mal den OP an, sieht man, wie viele technische Hilfsmittel dort benötigt werden, um während einer OP einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

  • verschiedene Lichtleisten
  • Beatmungsgeräte bei Operationen
  • Geräte zur Überprüfung der Vitalfunktionen
  • Defibrillatoren - Geräte zur Reanimation bei Herzstillstand
  • Herzschrittmacher

Aber auch in anderen medizinischen Bereichen wird die Hilfestellung benötigt.

  • Prothesen - z.B. neue Kniegelenke für Männer oder Frauen
  • Dialysegeräte - für die Reinigung von Blut bei Nierenversagen
  • Entnahme und Spenden von Blut oder Plasma - Wiegen, Kühlen, Lagern

Fertigungsstraßen

Maschinenbau wird immer dann benötigt, wenn Massenwaren produziert werden.

Hierbei müssen Maschinen und Geräte so entwickelt werden, dass die Waren günstig, schnell und effizient hergestellt, transportiert oder weiterverarbeitet werden.
Auch die gleichbleibende Qualität (fehlerfrei) bei dieser hohen Reproduzierbarkeit muss ständig gewährleistet sein und die Produktionsmaschinen müssen eine lange Lebensdauer besitzen.

  • Herstellung von Nahrungsmitteln und deren Verpackung - z.B. Nudeln, Brot & Brötchen, Kekse, Bonbons, Schokolade
  • Gepäckband - z.B. auf Flughäfen zur automatischen Verteilung der Koffer auf das richtige Flugzeug Infos
  • Bestückungsmaschinen - z.B. für Leiterplatten/Platinen
  • Bestückungsmaschinen - z.B. um Pralinen oder Kekse in 
  • Brennöfen - z.B. bei der Porzellanherstellung werden die Rohlinge im Ofen unterschiedlich hohen Temperaturen ausgesetzt
  • Fertigungsstraßen in der Automobilindustrie 
  • Herstellung pharmazeutischer Produkte - z.B. Tabletten und Tablettenpackungen
  • Herstellung von - z.B. Laufgeräten, Spannungsmaschinen für Tennisschläger

Alltagsgegenstände

Maschinenbau ist sozusagen die Grundlage aller heutigen Technologie. Viele Produkte, die wir im Alltag so kennen und nutzen waren anfangs "einfache" maschinenbauliche Entwicklungen.

Nach und nach wurden und werden sie zukünftig mit immer mehr Elektronik und/oder Optik ausgestattet.

  • Eismaschinen für den Heim- und Gastrobetrieb
  • Kaffeemaschinen
  • Waschmaschinen, Wäschetrockner
  • Wasserkocher, Eierkocher
  • Mikrowellen
  • Kühlschränke - intelligente Kühlschränke
  • Handys, iPads, iPhone, Tablets, Computer
  • Radio und Fernseher, CD-/DVD-Anlagen
  • Schneefräse
  • ...

Maschinenbau steht also für Erfindungen, die Zeitersparnis, Lebensfreude und Effizienz bedeuten und ist sogar dort, wo wir es nicht oft nicht einmal vermuten:

  • Schiffe, Bahnen, Flugzeuge, Lastwagen, PKW, Elektroautos, Mähdrescher
  • Solaranlagen, Windräder
  • und vieles mehr...

Univ.-Prof. Dr.-Ing. René Theska im Gespräch: Was genau bedeutet Feinwerktechnik und Präzision? Gibt es dazu Beispiel-Anwendungen in der Praxis?

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Foto: Dr. Veronika Geinitz, Absolventin Maschinenbau
Foto: Dr. Veronika Geinitz, Absolventin Maschinenbau

"Mein Spezialgebiet sind Federn und Federmaterial geworden. In einem modernen Auto sind ca. 1000 Federn eingebaut. Damit Autos immer leichter und sicherer werden, müssen die Federn optimiert werden."  Dr. Veronika Geinitz, Absolventin Maschinbau

Foto: Kevin Ritter, Student Maschinenbau
Foto: Kevin Ritter, Student Maschinenbau

"[...] desto mehr wurde mir klar, dass ich auch ein Ingenieur, ein Denker und Macher, ein potentieller Erfinder und ein wichtiges Glied in der Gesellschaft sein möchte. Denn wir (die Ingenieure) sind der Grund, warum Autos fahren, Flugzeuge fliegen und Maschinen das herstellen, was unseren Alltag bestimmt."  Kevin Ritter, Student Maschinenbau

Studium

Wie läuft das Studium ab?

Unser Maschinenbau-Studium ist ein ingenieurwissenschaftliches Studium und fokussiert die Feinwerktechnik.

Foto: TU Ilmenau, Grundpraktikum
Foto: TU Ilmenau, Grundpraktikum
  • Damit unterscheidet es sich im direkten Vergleich zu anderen Universitäten.

  • Feinwerktechnik beschäftigt sich mit der Entwicklung und Fertigung von Produkten, die sehr präzise (genau) arbeiten müssen - z.B. in Rasterelektronenmikroskopen aber auch in Weltraumteleskopen.

  • Wer sich dafür interessiert, wie modernste Technologien und Geräte funktionieren und Ideen für Verbesserungen oder Erfindungen hat, ist im Maschinenbau genau richtig.

Durch das Studium bereiten wir auf die Entwicklung von verschiedenen Systemen vor.

  • Produktionsnahe Fächer erklären an praktischen Beispielen, wie Maschinen und Geräte entworfen, gebaut, kalkuliert und produziert werden und ermutigen selbst einmal kreativ zu werden.

  • In modernsten Laboren werden Praktika und Seminare durchgeführt.

  • Nichttechnische Studienfächer aus dem Wahlkatalog ergänzen die Lehre und Erfahrungen aus dem 8-wöchigen Grundpraktikum.

  • Wer das Grundpraktikum schon vor Studienbeginn in einem Betrieb durchgeführt und dort handwerkliche Fähigkeiten wie Bohren, Fräsen, Drehen oder Löten usw. erworben hat, kann thematisch vielen Lehrveranstaltung besser folgen.

  • Früher Forschungsbezug und aktive Lernmethoden im Studium fördern das selbstständige und wissenschaftliche Arbeiten durch Hausarbeiten, Praktika und Bachelorarbeiten.

Bachelor (B.Sc.)

Foto: Trepesch - Herr Prof. Theska erklärt einen Versuchsaufbau
Foto: Trepesch - Herr Prof. Theska erklärt einen Versuchsaufbau

Das Bachelor-Studium setzt sich zusammen aus dem GIG und den erweiterten Grundlagenfächern ab dem 4. Semester.

  • Das GIG ist ein gemeinsames ingenieurwissenschaftliches Grundlagenstudium mit allen anderen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen der TU Ilmenau.

Die Studienfächer sind so angelegt, dass das zuvor erlangte Wissen aufeinander aufbaut und miteinander verknüpft (interdisziplinär).

  • Das Grundstudium ist sehr stark durch Mathematik und Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Elektrotechnik, Elektronik) geprägt.
    Hinzu kommen Fächer zur Konstruktion und Darstellung von Maschinenelementen, Technische Mechanik, Werkstoffe, Informatik und Programmierung sowie BWL.

  • Die erweiterten Grundlagenfächer im Maschinenbau vertiefen das Wissen ab dem 4. Semester in: Feinwerktechnik, Fertigung wie z.B. Werkzeugmaschinen und Qualitätssicherung, Automatisierung, Mikrotechnik, Antriebe, Strömungsmechanik, Lichttechnik, Thermodynamik und Qualitätssicherung.
Foto: Trepesch - im Labor werden Ferrofluide untersucht
Foto: Trepesch - im Labor werden Ferrofluide untersucht
  • Zusätzlich beinhaltet das Studium auch fachübergreifende Grundlagenpraktika, Wirtschaftsfächer, Technische und Nichttechnische Wahlfächer.

  • Das 7. Semester umfasst das 12-wöchige Industriepraktikum und die Bachelorarbeit schließt das Bachelor-Studium ab.

Die Studiendauer für den Bachelor beträgt 7 Semester und verleiht den Abschluss Bachelor of Science (B.Sc.), dass dem früheren Vordiplom für Ingenieur/-innen entspricht.


Wichtig ist Neugier, Technikinteresse und Spaß beim Schrauben, Basteln, Tüfteln!

Master (M.Sc.)

Das Master-Studium ist die empfohlene Weiterführung des Studiums, beginnt im Sommersemester, dauert 3 Semester und wird durch die Masterarbeit abgeschlossen.
Der Master of Science (M.Sc.) entspricht dem früheren Diplom für Ingenieur/-innen und ist Voraussetzung für ein Promotionsstudium.

  • Der Master kann auch von Absolventen/-innen eng verwandter Studiengänge gewählt werden. Hierfür müssen Zugangsvoraussetzungen durch Leistungspunkte nachgewiesen werden.

Die Vertiefungsrichtung wird während des Bachelor-Studiums gewählt.

Foto: Trepesch -  im Labor für Präzisionsprüftechnik / Koordinatenmessgerät
Foto: Trepesch - im Labor für Präzisionsprüftechnik / Koordinatenmessgerät

Dann sollte man wissen, ob man lieber in der Industrie oder in der Forschung arbeiten möchte und in welcher Richtung der Wunsch nach Vertiefung (Spezialisierung) liegt.

Die Vertiefung richtet sich nach:

  • persönlichen Interessen
  • zukünftigen Aufgabengebieten
  • Erfahrungen aus dem Grundpraktikum und/oder Fachpraktikum
  • der Kombination an möglichen Wahlfächern 

Die Vertiefungsrichtungen im Master

Konstruktion

Hier geht es um die Produktbegleitung / Systemintegration - von der Idee bis zum fertigen Produkt.

  • Die Ausbildung setzt den Schwerpunkt auf die in Deutschland einmalige Kombination aus Elektrotechnik, Optik und Lichtanwendung.

  • Die Ausbildung beschäftigt sich z.B. mit Sensorik und Beleuchtung (Infrarotausleuchtung zur Gefahrenvermeidung), mit virtueller Produktentwicklung - z.B. können visuelle Prototypen an reale Verhältnisse angepasst werden, Feinwerk-Präzisionstechnik (astronomische Teleskope, die im Nanobereich auslenken) und Möglichkeiten der Nachrichtenübertragung (via Glasfaser).

  • Die Ausbildung beinhaltet z.B. Mechanisch-optische Funktionsgruppen, Gestaltungslehre, Industriedesign, Tribotechnik (Minimierung von Reibung, Verschleiß und Schmierungskosten).

  • In dieser Vertiefungsrichtung erforscht und entwickelt man immer neue Geräte und Technologien an den Grenzen des physikalisch-Machbaren.
Foto: Judith Wolf - Studentin Maschinenbau
Foto: Judith Wolf - Studentin Maschinenbau

"[...] dass ich den Bereich der Konstruktionstechnik wählen möchte. Ausschlaggebend waren dabei einige Hausarbeiten, die Konstruktionen und Entwicklungen beinhalteten. Man kann dabei sowohl kreativ sein [...]."  Judith Wolf, Studentin Maschinenbau

Feinwerktechnik und Optik

Hier geht es modernste Optik und Nano-Strukturen.

Foto: Trepesch - Spektralmessplatz Optische Pinzette
Foto: Trepesch - Spektralmessplatz Optische Pinzette
  • Die Ausbildung setzt den Schwerpunkt die Entwicklung von Geräten, die optische Effekte integrieren und nutzen sowie auf die Konstruktion, Simulation und Berechnung von Geräten, die feinste Strukturen abbilden können.

  • Die Ausbildung beschäftigt sich z.B. wie man mit Laserstrahlen kleinste Partikel halten kann (optische Pinzette) oder wie optische Sensoren der Kamera funktionieren müssen.

  • Die Ausbildung beinhaltet z.B. mechanisch-optische Funktionsgruppen, Lichtmesstechnik, -sensorik, Präzisionsantriebstechnik, Farbmetrik, Lasertechnik, Psycho-Physik sowie Technische Zuverlässigkeit.

  • In dieser Vertiefungsrichtung erforscht und entwickelt man z.B. feinwerktechnische Bauteile (Sensoren, Antriebe) und deren Einsatzmöglichkeiten - z.B. in (Rasterelektronen-)Mikroskopen.
Foto: Nicole Stude, Studentin Maschinenbau
Foto: Nicole Stude, Studentin Maschinenbau

"Ich habe mich [...] für die Vertiefungsrichtung [...] entschieden. Seitdem habe ich weniger mit großen Maschinen zu tun, sondern beschäftige mich mit Linsen und Lampen. [...] z.B. mit der Wirkung von verschiedenen Lichtfarben [...]."  Nicole Stude, Studentin Maschinenbau

Produktionstechnik

Hier geht es um die Produktherstellung, vom Fertigungsablauf bis zur Umwelttechnik.

  • Die Ausbildung setzt die Schwerpunkte auf Produktion, Organisation, Logistik, Arbeitswissenschaft (wie Menschen in die Produktion eingebunden sind) und Umwelttechnik.

  • Die Ausbildung beschäftigt sich damit, wie ein Produkt/Material hergestellt wird (das immer leichter aber stabiler sein muss), wie der Fertigungsablauf funktioniert und gesteuert wird bis hin zur Qualitätssicherung - z.B. wie durch Form oder Material industrietauglichere Leichtbau-Hüllen entstehen.

  • Die Ausbildung beinhaltet z.B. Präzisionsbearbeitung, Umweltergonomie, Fertigungsautomatisierung, Laseranwendung, Logistik, umweltgerechte Fertigung.

  • Die Vertiefungsrichtung erforscht z.B. den Einsatz von Federn, verschiedenen Werkstoffen oder auch die Nutzung von Lasern für die Oberflächenbearbeitung.
Foto: René Schürer, Absolvent Maschinenbau
Foto: René Schürer, Absolvent Maschinenbau

"Meine Vertiefungsrichtung [...] wählte ich [...], da mich Produktionsprozess und Fertigungstechnologie sehr interessierten. In einem Gruppenprojekt [...] konnte ich alles Gelernte beim Bau eines Prüfstandes anwenden und unter Beweis stellen."  René Schürer, Absolvent Maschinenbau

Mess- und Sensortechnik

Ist vor der Produktion wichtig - hier geht es darum, welche physikalischen Effekte zum Messen genutzt werden.

  • Die Ausbildung setzt den Schwerpunkt auf die Aufnahme und Verarbeitung von genauen Messwerten (elektronisch-mechanisch; stochastisch) und wie diese auf die Produktion übertragen werden - z.B.  bei nicht mehr sichtbaren Entfernungen mittels Lichtstrahlmessung (Längenmesstechnik).

  • Die Ausbildung beschäftigt sich damit, Fehler und Abweichungen (physikalisch, elektronisch, mechanisch) vor dem Produktionsprozess zu erfassen, sie zu bewerten und letztlich zu vermeiden; denn je genauer die Messung im Vorfeld, desto genauer ist der Produktionsprozess.

  • Die Ausbildung beinhaltet z.B. Messtechnik in den Bereichen: Laser-,  Umwelt- und Analyse-, Temperatur-, Kraft- und Wägetechnik, Nano-, Strömungs- sowie Optik und Messdatenauswertung und Messunsicherheit.

  • In dieser Vertiefungsrichtung erforscht man z.B. die genaueste Waage der Welt.
Foto: Paula Weidinger, Studentin Maschinenbau
Foto: Paula Weidinger, Studentin Maschinenbau

"Besonders viel Spaß machen mir Hausarbeiten, das sind Aufgabenstellungen, die man eigenständig bearbeitet und anschließend konstruiert man den dimensionalen Entwurf am Computer."  Paula Weidinger, Studentin Maschinenbau

Thermo- und Fluiddynamik

Hier geht es um durch Wärme oder Wind hervorgerufene Strömungen und deren Einfluss auf feste Körper, Flüssigkeiten und Gase.

Foto: TU Ilmenau - Ilmenauer Fass; Simulation von Raumluftströmungen
Foto: TU Ilmenau - Ilmenauer Fass; Simulation von Raumluftströmungen
  • Die Ausbildung setzt den Schwerpunkt auf die Messung, Anwendung und Modellsimulation von Strömungen.

  • Die Ausbildung beschäftigt sich damit, z.B. wie metallische Schmelzen gemessen werden, die Aerodynamik von Flugzeugen optimiert, Strömungen und Volumina in (Wasserleitungs-)Rohren oder Gebäuden gemessen oder Wohlfühltemperaturen bei unterschiedlichen Klimaverhältnissen in Flugzeugkabinen eingestellt werden können.

  • Die Ausbildung beinhaltet z.B. Wärmeübertragung, Aerodynamik, Thermodynamik, Strömungsmechanik, Solartechnik und Kältetechnik in der Natur und Umwelt.

  • Die Vertiefungsrichtung erforscht z.B. das Klima und Wetterströmungen (Ilmenauer Fass)

Kunststofftechnik

Hier geht es um die Anwendung von Kunststoff im Maschinenbau.

Foto: TU Ilmenau - Leichtbau soll möglichst nichts kosten, darf nichts wiegen, muss aber sehr stabil sein
Foto: TU Ilmenau - Leichtbau soll möglichst nichts kosten, darf nichts wiegen, muss aber sehr stabil sein
  • Die Ausbildung setzt den Schwerpunkt auf die Anwendung und Nutzung von Kunststoffen in verschiedenen Materialien und Geräten; wo und warum welcher Werkstoff am sinnvollsten eingesetzt wird und wie Energieeffizienz erhöht wird.

  • Die Ausbildung beschäftigt sich damit, wie mit Hilfe von z.B. Hybridwerkstoffen oder Faserverbundstoffen die Geräte leichter aber zugleich stabiler werden, wie z.B. Leichtbaukonstruktionen (Flugzeuge) wendiger machen oder die Fahrgastzelle im Auto sicherer wird.

  • Die Ausbildung beinhaltet z.B. Kunststofftechnologie, Spritzgießtechnologie, Wärmeübertragung, Polymerchemie, Virtuelle Produktentwicklung sowie Gestaltungslehre.

  • Die Vertiefungsrichtung erforscht und entwickelt Elektromobilität, biologisch-natürliche Ressourcen wie z.B. Kunststoff aus Raps.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. René Theska im Gespräch: Haben die Ilmenauer Absolventinnen und Absolventen Chancen auf dem Arbeitsmarkt und warum?

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Foto: Tobias Heyer, Student Maschinenbau
Foto: Tobias Heyer, Student Maschinenbau

"Man lernt technische Problemstellungen und Anforderungen zu analysieren, Lösungen zu finden und wie man technische Systeme konstruiert. Spannend ist, dass das Studium anspruchsvoll ist und man extrem viel für das Berufsleben lernt."  Tobias Heyer, Student Maschinenbau

Foto: Judith Wolf, Studentin Maschinenbau
Foto: Judith Wolf, Studentin Maschinenbau

"Man muss darauf vorbereitet sein, dass gerade die ersten Studiensemester stark von Mathematik-, Physik- und Chemievorlesungen geprägt sind. Da heißt es: "Augen zu und durchhalten." Judith Wolf, Studentin Maschinenbau