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Ist die neue „Anti-HIV-Pille“ hilfreich oder gefährlich?

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18.12.2019

Ist die neue „Anti-HIV-Pille“ hilfreich oder gefährlich?

Prof. Döring und R. Walter, M.A., veröffentlichen in Zeitschrift für Sexualforschung

Zeitschrift für Sexualforschung

Bei der „Anti-HIV-Pille“ (Fachbegriff: orale HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe, kurz HIV-PrEP oder PrEP) handelt es sich um ein Medikament für HIV-negative Menschen, die ein erhöhtes HIV-Transmissionsrisiko haben. Wenn sie die PrEP gemäß vorgesehenem Schema einnehmen, können sie sich - auch bei kondomlosem Sex mit einer virämisch HIV-positiven Person – so gut wie nicht infizieren. Der HIV-Schutz durch PrEP ist dabei deutlich höher als der HIV-Schutz durch Kondom. Dafür schützt die PrEP nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen und verhütet auch keine Schwangerschaften.

Die „Anti-HIV-Pille“ wird von der Weltgesundheitsorganisation und von nationalen Gesundheitsbehörden einhellig als Wendepunkt im globalen Kampf gegen HIV und Aids eingeschätzt. Doch bislang ist diese neue Methode der HIV-Prävention auch in Fachkreisen zu wenig bekannt. Und sie ist durchaus nicht unumstritten: Untergräbt die PrEP womöglich die Erfolge der jahrzehntelangen Öffentlichkeitsarbeit pro Kondom („Kondome schützen“) und führt zu gefährlicher „Sorglosigkeit“?

Prof. Döring vom Fachgebiet Medienpsychologie und Medienkonzeption hat vor diesem Hintergrund für die „Zeitschrift für Sexualforschung“ (IF = 0,698) das Heft 4 / 2019 als Schwerpunktheft zur HIV-PrEP gestaltet. Das Heft präsentiert aktuelle Daten aus der PrEP-bezogenen Forschung, setzt sich kritisch mit der PrEP-bezogenen medizinischen Behandlungsleitlinie auseinander und berichtet von unterschiedlichen Praxiserfahrungen mit der PrEP.

Im Editorial des Heftes gibt Prof. Döring einen Überblick über den aktuellen Diskussions- und Forschungsstand zur HIV-PrEP, geht auf die sexualmoralischen Dimensionen des Themas ein und vergleicht dabei u.a. die öffentlichen Debatten zur „Anti-HIV-Pille“ mit denen zur „Anti-Baby-Pille“.

Wie die HIV-PrEP in der deutschsprachigen Presse, im Web und in Sozialen Medien (YouTube, Facebook, Twitter) dargestellt wird, untersucht eine inhaltsanalytische Studie, die von Prof. Döring und Roberto Walter, M.A., in Zusammenarbeit mit der Masterstudentin Kathrin Knutzen erarbeitet wurde. Die Studie folgt dem Open Science-Ansatz. Es zeigte sich, dass die aktuelle Darstellung der HIV-PrEP in deutschsprachigen Medien positiver ausfällt als frühere Darstellungen in US-Medien. Mehr und zielgruppenspezifischere Mediendarstellungen zur HIV-PrEP scheinen wünschenswert, um Sexuelle Gesundheit zu fördern.

 

Quellen

Döring, N. (Hrsg.). (2019). Die neue „Anti-HIV-Pille“ (orale HIV-PrEP) und ihre Folgen [Schwerpunktheft]. Zeitschrift für Sexualforschung, 32(04). Link.

Döring, N. (2019). Medikamentöser HIV-Schutz mittels PrEP: Aktueller Diskussions- und Forschungsstand. Zeitschrift für Sexualforschung, 32(04), 189-197. https://doi.org/10.1055/a-1023-6196

Döring, N., Walter, R., & Knutzen, K. (2019). Mediendarstellungen der HIV-PrEP: Inhaltsanalytische Befunde zu Presse, Web und Sozialen Medien. Zeitschrift für Sexualforschung, 32(04), 207-218. https://doi.org/10.1055/a-1027-2806