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Missbrauchsdarstellungen in den Medien

Sexueller Kindesmissbrauch ist ein großes gesellschaftliches Problem. Mediendarstellungen über sexuellen Kindesmissbrauch beeinflussen, wie dieses Problem von Öffentlichkeit und Politik wahrgenommen wird. Die internationale Forschung belegt anhand von diversen Medieninhaltsanalysen große Defizite in der Medienberichterstattung über sexuellen Kindesmissbrauch: Dieser wird z.B. oft sensationalistisch und voyeuristisch dargestellt, untypische Extremfälle stehen im Fokus (z.B. Entführungsfälle), während typische Konstellationen unterrepräsentiert sind (z.B. Missbrauch in der eigenen Familie). Die Berichterstattung ist teilweise so verzerrt und realitätsfern, dass die Fachliteratur von regelrechten Missbrauchs-Mythen (child sexual abuse myths) spricht, die in den Medien verbreitet werden. Dazu gehören sehr klischeehafte Darstellungen der Taten und Tatumstände, der Täter_innen sowie der Betroffenen. So werden Betroffene oft einseitig nur als bemitleidenswerte Opfer dargestellt (Klischeeformulierung "Mord an der Seele"), statt realitätsbezogen auch zu berichten, dass und wie Betroffene Missbrauch bewältigen und ein selbstbestimmtes Leben führen können. Mit Blick auf die Täter_innen steht meist einseitig die strafrechtliche Sanktionierung im Vordergrund - das wichtige Thema der wirkungsvollen Prävention von Missbrauch wird oft vernachlässigt.

Ziel der Bachelorarbeit ist es, die bisherige Literatur zur Medienberichterstattung über sexuellen Kindesmissbrauch aufzuarbeiten und zu einer zugespitzten Fragestellung eine eigene empirische Medieninhaltsanalyse zur deutschsprachigen Berichterstattung durchzuführen. Dabei sollten Medium (z.B. Print, TV, Hörfunk, Online) und Materialauswahl (Stichprobenart und Stichprobenumfang) gut begründet werden. Einschlägige kommunikationswissenschaftliche Theorien zur Bearbeitung sind Agenda Setting (Wie oft ist Missbrauch im Zeitverlauf und in verschiedenen Medien auf der Medienagenda?) und/oder Framing (Wie wird Missbrauch dargestellt, insbesondere welche Stereotype und Mythen werden dabei in Wort und Bild verbreitet?).

Basisliteratur

Görgen, A., Griemmert, M., & Kessler, S. (2017). Sexueller Missbrauch und Kinderschutz – Perspektiven im Wandel. In J. Fegert, U. Hoffmann, E. König, J. Niehues, & H. Liebhardt, Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Ein Handbuch zur Prävention und Intervention für Fachkräfte im medizinischen, psychotherapeutischen und pädagogischen Bereich (pp. 27-40). Berlin Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Hove, T., Paek, H.-J., Isaacson, T., & Cole, R. (2013). Newspaper Portrayals of Child Abuse: Frequency of Coverage and Frames of the Issue. Mass Communication and Society, 16(1), pp. 89-108. doi:10.1080/15205436.2011.632105

Weatherred, J. (2015). Child Sexual Abuse and the Media: A Literature Review. Journal of Child Sexual Abuse, 24(1), pp. 16-34. doi:10.1080/10538712.2015.976302

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