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In memoriam Prof. Dr. sc. nat. Joachim Steigenberger

Die TU Ilmenau trauert um Prof. Dr. sc. nat. Joachim Steigenberger, der kurz vor seinem 88. Geburtstag verstorben ist. Er war eine der prägenden Hochschullehrerpersönlichkeiten für die Entwicklung der Forschung und Lehre der heutigen TU Ilmenau auf dem Gebiet der Technischen Mechanik sowie der Analysis und Differentialgeometrie.

privat
Prof. Dr. sc. nat. Joachim Steigenberger

Joachim Steigenberger kam nach seinem Physik-Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Jahr 1957 an die Hochschule für Elektrotechnik Ilmenau in das Institut für Technische Mechanik und Wärmelehre. In dieser Zeit begann Prof. Dipl.-Ing. Hartwig Hasselmeier gerade das Institut aufzubauen und damit die Ausbildung in Technischer Mechanik für die Ilmenauer Ingenieurstudentinnen und -studenten zu sichern. Die ersten Lehrbriefe „Technische Mechanik“ für die Ausbildung wurden vom Oberassistenten Joachim Steigenberger verfasst. Den ersten Teil, dieser bis heute aufgrund ihrer didaktischen Qualität genutzten Lehrbriefe, nannte er „Einführung in die Statik starrer Körper“.

Mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten zur Theorie elektromechanischer Systeme trug Joachim Steigenberger entscheidend zur Profilbildung des Institutes in der Forschung bei. Im Jahr 1965 promovierte er mit dem Thema „Einige Untersuchungen über die Separation der Variablen in zeitabhängigen mechanischen Verbänden“. Diese Arbeiten führte er kontinuierlich fort und habilitierte sich 1972 mit der Schrift „Beiträge zur Separationstheorie partieller Differentialgleichungen“. In den 1960er und 1970er Jahren sind es die herausragenden, wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Steigenberger und Dr. Maißer zum Lagrange-Formalismus für elektromechanische Systeme, welche die Mechanik-Forschung in Ilmenau auch international bekannt machten. Im Jahr 1979 wurde ihr Artikel „Lagrange-Formalismus für diskrete elektromechanische Systeme“ in der renommierten Zeitschrift für Angewandte Mathematik und Mechanik (ZAMM) publiziert. Er ist ein vielzitierter Grundlagenartikel für das, was man heute „Mechatronik“ nennt. Die Autoren erhielten dafür 1980 den Forschungspreis Stufe 1 der TH Ilmenau.

Seine große Kompetenz auf mathematisch-naturwissenschaftlichem Gebiet nutzend, wechselte er 1978 an die Sektion Mathematik, Rechentechnik und ökonomische Kybernetik der TH Ilmenau. Er war Dozent für Analysis, ab 1987 außerordentlicher Professor und ab 1993 Universitätsprofessor für Analysis und Differentialgeometrie.

Nach dem plötzlichen Ableben des Fachgebietsleiters für Technische Mechanik übernahm Prof. Steigenberger Vorlesungen zur Schwingungstechnik an seinem ehemaligen Lehrstuhl. Den Weg von einem technischen Problem über ein mechanisches Modell zu einer mathematischen Lösung und wieder zurück zu einem optimierten System lernten viele Doktoranden des Fachgebietes vom ihm. Seit 1997 wird das Fachgebiet von seinem ehemaligen Schüler Prof. Dr.-Ing. habil. Klaus Zimmermann geleitet.

Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1998 blieb sein großes Interesse an der Mechanik erhalten. Ob "Wurm" oder "Vibrisse", die bionisch inspirierte Forschung in seinem ehemaligen Fachgebiet bzw. Institut nahm er dankbar auf. Doktoranden aus den Bereichen Mathematik und Mechanik nutzten wiederum seine kompetente Unterstützung und seine vielen Ideen.

Wir werden sein Andenken in Ehren bewahren.