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Dem Selbstverständnis von Unternehmen auf der Spur

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13.03.2019

Dem Selbstverständnis von Unternehmen auf der Spur

Start für DFG-Forschungsprojekt zu organisationaler Identität

Die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Forschung des Fachgebiets Unternehmensführung/Organisation der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Medien zur Fragestellung wie Unternehmen ihre organisationale Identität gestalten und hierdurch Wettbewerbsvorteile generieren. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes können Unternehmen u. a. darin unterstützen, sich auf dem Fachkräftemarkt besser zu positionieren.

Die Identität von Unternehmen und Organisationen wird wesentlich davon bestimmt, welche Merkmale ihre Stakeholder als zentral, dauerhaft und einzigartig wahrnehmen. Jüngere Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen und Organisationen diese Merkmale aktiv gestalten — zum Beispiel mit dem Ziel der strategischen Differenzierung zu direkten Konkurrenten oder zur Gewinnung und langfristigen Bindung von Fachkräften.

Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen ist die Frage nach den Gestaltungsmöglichkeiten der organisationalen Identität ein wesentlicher Hebel zum Bestehen im Wettbewerb. Dennoch sind diese Handlungsoptionen bisher nur selten untersucht worden. Insbesondere die Zusammenhänge zwischen spezifischen Bausteinen einer organisationalen Identität, der Rolle der Unternehmenshistorie sowie deren Einfluss auf den Wettbewerbserfolg sind bisher weitgehend unerforscht.

Diese Erkenntnislücken schließen will eine interdisziplinäre Forschungsgruppe der TU Ilmenau. Als eines von mehreren Projekten zu Organisationaler Identität wurden am Fachgebiet Unternehmensführung/Organisation der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Medien zum Jahresbeginn 2019 die Forschungsarbeiten zur „Konstruktion organisationaler Identität und der Einfluss von Geschichte" gestartet. Das Projekt wird für die Dauer von drei Jahren durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG gefördert und in Kooperation mit der Universität Paderborn (Prof. Dr. Kirsten Thommes) durchgeführt. In dem Forscherteam unter Leitung von Dr. Simon Oertel arbeiten Wissenschaftlerinnen aus den Wirtschaftswissenschaften und der Soziologie zusammen. Auf diese Weise können verschiedene fachliche Perspektiven kombiniert werden, um das komplexe Phänomen organisationaler Identitäten umfassend zu untersuchen.

Ausgangspunkt der Untersuchungen ist die Entwicklung von Betrieben aus zwei regionalen Unternehmensclustern, und zwar den Uhrenclustern im Schwarzwald und im sächsischen Glashütte. Neben dem Einfluss der Unternehmensgeschichte sollen insbesondere die Wechselwirkungen zwischen den Ebenen des einzelnen Unternehmens und seines jeweiligen institutionellen Umfelds im Zeitablauf untersucht werden. Durch einen Vergleich der Unternehmen in West- und Ostdeutschland ist es dem Forscherteam möglich, die Rolle radikaler institutioneller Veränderungen, wie z. B. die Wiedervereinigung, auf das Selbstverständnis von Unternehmen und ihre organisationale Identität zu untersuchen.

Besonderes Augenmerk legen die Projektleiter auf die Nachwuchsförderung—drei der fünf beteiligten ForscherInnen sind DoktorandInnen. Sie werden ihre Dissertationsprojekte bereits auf der diesjährigen Konferenz der European Group for Organization Studies EGOS in Edinburgh vorstellen. Die EGOS zählt mit über 2.500 Forschern aus über 60 Ländern zu einer der größten Vereinigungen von Organisationswissenschaftlern weltweit.

Aufbauend auf bestehenden Forschungskooperationen des Fachgebiets Unternehmensführung/Organisation mit Thüringer Unternehmen wurden erste Befunde zur Bedeutung und Konstruktion organisationaler Identität bereits im Kontext eines Wissenstransfers in die Thüringer Wirtschaft zurückgespielt. Gerade für diese Unternehmen ist organisationale Identität als Wettbewerbsfaktor zur Differenzierung von Konkurrenten und gleichzeitig als Element der Mitarbeiterbindung von sehr hoher Bedeutung. Die Ergebnisse stießen entsprechend auf großes Interesse der Thüringer Wirtschaft an dem Thema. Mittlerweile konnte ein erstes Unternehmen gewonnen werden, welches dem Forscherteam ermöglicht, die Entwicklung und Veränderung organisationaler Identität während eines gerade begonnenen Veränderungsprozesses aktiv zu begleiten und aus der Nähe zu erforschen. Weitere Kooperationen sind in Aussicht und Ziel des Forscherteams.

Kontaktperson: Dr. Simon Oertel