Campus

75 Jahre hsf Studentenradio: Vom Lautsprecher zum Livestream

Als im Mai 1950 ein paar Ilmenauer Technikstudierende in einem kleinen Raum des Curiebaus anfingen, Radiobeiträge für ihre Mitstudierenden zu basteln, ahnte niemand, dass daraus eines Tages das wohl älteste noch existierende Studentenradio Deutschlands werden und viele professionelle Radiomacherinnen und Radiomacher hervorbringen würde. Heute – 75 Jahre später – sendet Radio hsf nicht nur auf UKW 98,1 und online, sondern ist längst fester Bestandteil des Campuslebens an der Technischen Universität Ilmenau. Zum 75. Jubiläum blicken die Ilmenauer Radiomacherinnen und Radiomacher mit einem Spezialprogramm auf bewegte Jahrzehnte zurück.

Studierende beim Radiomachen Barbara Aichroth
Einsatz im Außenstudio: Der ehemalige hsf-Redaktionsleiter und heutige LandesWelle Thüringen-Redakteur Leonard Adam ist noch immer ehrenamtlich beim Ilmenauer Studentenradio aktiv.

Als im Frühjahr 1950 die ersten Ilmenauer Studierenden aus einem provisorischen Studio heraus anfingen zu funken, war das Programm noch bescheiden: Fünf- bis zehnminütige Beiträge, die in den Pausen über Lautsprecher in den Unterrichtsräumen der damaligen Ilmenauer Ingenieurschule liefen.

Doch bald schon eroberte der hsf – mit Lautsprechern auf Straßen und Plätzen – über die Stadtfunkanlage Ilmenau auch das Publikum außerhalb des Campus. 1954 ging der erste Ü-Wagen an den Start, und auch die Mensa im Curiebau und später die Festhalle wurden mit einem täglich wechselnden, am Vorabend vorproduzierten Programm beschallt: montags Sport vom Wochenende, dienstags Kultur und Wissenschaft, mittwochs Politik, donnerstags Aktuelles, freitags Satire und samstags Tanzmusik.

Unabhängig zu bleiben war den Ilmenauer Funkern von Anfang an wichtig – und das gelang ihnen: Trotz wiederholter Versuche der Hochschulpartei- und FDJ-Leitung, Einfluss zu nehmen, sah sich das Team als eigenständige Gruppe und sendete weiterhin frei und unzensiert.

Auch wenn die 1960er Jahre Rückschläge brachten und der Sendebetrieb zwischenzeitlich zum Erliegen kam, war Aufgeben für die Ilmenauer Studierenden keine Option. Über selbst installierte Diodenbuchsen in den Wohnheimen gelang es ihnen, weiter auf Sendung zu bleiben.

Surfen auf ultrakurzen Wellen

In den 1990er Jahren begann eine neue Ära. Aus einem losen Kreis von Radiobegeisterten wurde ein eingetragener Verein, der bald auch offiziell auf UKW senden durfte. Mit einem Studio im Haus L fand Radio hsf schließlich sein Zuhause – mit zwei modernen Sendestudios und einem Konferenzraum, von denen aus täglich das Campusleben on air geht. 

Heute zeigt sich das Programm vielfältiger denn je: Im „morgengrauen“ begleiten Studierende ihre Hörerinnen und Hörer mit Musik und Geschichten in den Tag, während die „infominutes“ und „universum“ kompakt über aktuelle Themen aus Universität und Stadt informieren. In der „Ilmenau Sustainability Corner“ ist alle zwei Wochen Nachhaltigkeit das Thema. In „International“ übernehmen internationale Studierende das Mikrofon und bringen ihre Perspektiven aus aller Welt ein, und bei „VEB Musikelektronik“ wird experimentiert, gemixt und an den Grenzen zwischen Technik und Klang geforscht. Wenn am Abend bei „Mixtape“ oder der „music“ unterschiedlichste Musikrichtungen aufeinandertreffen, wird hörbar, was Radio hsf ausmacht: Vielfalt, Neugier und Leidenschaft für das Medium. 

Auch die Themenvielfalt wuchs mit den Jahren: Von Campus-News über Politik und Kultur bis hin zu Musiksendungen und Live-Reportagen begleitet das Radio die großen und kleinen Geschichten der TU Ilmenau – und der Stadt, erzählt Leonard Adam. Der ehemalige hsf-Redaktionsleiter ist seit 2016 aktives Mitglied im Ilmenauer Studentenradio und engagiert sich auch neben dem Beruf weiter im Hochschulfunk der TU Ilmenau:

Highlight ist natürlich alle zwei Jahre das ISWIradio, bei dem wir zehn Tage vierundzwanzig Stunden live senden. Nicht nur aus den Studios, sondern auch vom Campus oder aus der Innenstadt. Auch das Rennradio zum Gabelbach-Bergrennen hat immer viel Spaß gemacht. Mit Rockmusik und Sendungen rund um das Thema Motorsport.

Brücken zwischen Generationen

Deshalb ist hsf weit mehr als nur ein Campus-Radiosender – es ist ein Stück gelebte Geschichte, das mit jeder Generation neue Stimmen, neue Ideen und neue Radiomacherinnen und Radiomacher hervorbringt.

Denn ob Moderation, Technik oder Redaktion: Bei Radio hsf dürfen alle, die sich fürs Radiomachen begeistern, selbst ans Mikrofon oder Mischpult. Besonders Studierende der Medienstudiengänge nutzen die Gelegenheit, ihr theoretisches Wissen aus den Vorlesungen direkt in die Praxis umzusetzen und schon während des Studiums wertvolle Radioerfahrung zu sammeln. Doch schaut man sich im Team um, findet man von der Physik bis zur Informatik auch junge Menschen anderer Studiengänge, die alle eins verbindet: Ihre Leidenschaft, Radio zu machen und an der Technik zu schrauben. Viele von ihnen finden später den Weg zu großen Sendern – und wissen wie Leonard Adam genau, wo ihre Leidenschaft fürs Radio begonnen hat.

Der hsf war für mich fester Bestandteil meiner Studienzeit in Ilmenau und begleitet mich auch jetzt noch darüber hinaus. Von Interviews über Beiträge, Sendungen und Vorstandsarbeit habe ich mich in allen Bereichen ausprobiert und weiterentwickelt. Das hat mir schlussendlich auch die Tür zu LandesWelle Thüringen geöffnet, wo ich Radio mittlerweile beruflich mache. 

Zum 75. Jubiläum blickt das hsf-Team deshalb nicht nur in die Archive, sondern auch zurück auf bewegte Jahrzehnte Radiogeschichte. Neben spannenden Fundstücken aus der Vergangenheit kommen in Ilmenau zahlreiche „Altfunkerinnen“ und „Altfunker“ zusammen, um gemeinsam mit der aktuellen Redaktion zu feiern und bei einem History-Talk Erinnerungen, Anekdoten und Visionen für die Zukunft zu teilen. 

Mehr über das Geburtstagsprogramm

Der MDR hat schon vorab einen Blick in das hsf-Studio geworfen. Hier geht's zum Beitrag

Kontakt

Jana Heß

Vorstandsvorsitzende hsf Studentenradio e.V.