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Aus Fragen Antworten gemacht: Forschungsnachwuchs präsentiert Ideen für eine bessere Welt

Ob Herstellung eines Bio-Kunststoffs, Untersuchung von Methoden zur Wasseraufbereitung in Ostafrika oder Entwicklung eines Frühwarnsystems für Sicherheit und Wohlbefinden im Kinderwagen: Beim Regionalwettbewerb Westthüringen von Jugend forscht an der Technischen Universität Ilmenau beeindruckten 67 junge Talente mit ihren Ideen zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen und alltäglicher Probleme.

TU Ilmenau/Pavel Chatterjee
Beim Regionalwettbewerb von Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb Jugend forscht an der TU Ilmenau tauchten Kinder und Jugendliche in die spannende Welt der Wissenschaft ein

„Seit 60 Jahren ist Jugend forscht Best Practice, wenn es darum geht, junge Menschen für MINT zu begeistern – mehr als 330 000 Kinder und Jugendliche haben sich bislang am Wettbewerb beteiligt“, erklärte Katarina Keck, geschäftsführende Vorständin der Stiftung Jugend forscht e. V., im Vorfeld des Wettbewerbs. Seit 2013 sind auch die TU Ilmenau und die Firma LINDIG Fördertechnik Patenunternehmen der Veranstaltung.

Im Jubiläumsjahr von Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb ließen sich insgesamt 73 Kinder und Jugendliche aus Grundschulen, Regelschulen und Gymnasien in Eisenach, Gotha, Ilmenau, Neudietendorf und Ruhla ermuntern, in die spannende Welt der Wissenschaft einzutauchen. Einzeln oder in Teams bereiteten sie sich wochen- oder monatelang auf den Wettbewerb an der TU Ilmenau vor. 67 von ihnen präsentierten am 27. Februar 2025 im Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) ihre Antworten auf selbstgewählte Forschungsfragen, die sich häufig aus ihrer unmittelbaren Umwelt ergaben: Kann ich mein Smartphone auf dem Schulweg mit meinem Fahrraddynamo laden? Ist das Schul-Tablet eine Bakterienschleuder? Wie kann ich auch in kalten Wintermonaten ohne schädliche Pestizide Gemüse anbauen? Und unter welchen Voraussetzungen lässt sich Photovoltaik auch auf Kirchen nutzen?

„Für mich habt ihr alle gewonnen“

Während sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 21 Jahren bei Jugend forscht mit diesen und weiteren Fragen aus den Kategorien Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Mathematik/Informatik, Physik und Technik beschäftigten, traten die Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 14 Jahren im Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht Junior“ mit ihren kreativen Antworten auf Fragen aus der Arbeitswelt, Biologie, Chemie und Technik an. So untersuchten die Jüngsten unter anderem die Keimungsbedingungen bei Samenpflanzen, die Einflüsse auf die Zahngesundheit des Menschen, die Kontaminationsrisiken für Menschen mit Zöliakie im Alltag und präsentierten ihre Idee für einen „Solarnapf“, der das Einfrieren von Wasser in Trinknäpfen verhindern soll. Insgesamt kamen so 33 Projekte zusammen.

„Ihr seid nicht nur Teilnehmende am Wettbewerb ‚Jugend forscht‘, sondern perspektivisch auch der wissenschaftliche Nachwuchs“, begrüßte Prof. Stefan Sinzinger, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der TU Ilmenau, die jungen Menschen vor der Preisverleihung:

Für mich habt ihr alle gewonnen: Ihr habt gezeigt und bewiesen, dass ihr euch so für ein Thema begeistern könnt, dass ihr heute Nachmittag an der TU Ilmenau eure Zeit verbringt und das nicht als einen Bruch eurer Life Balance betrachtet. Erhaltet euch diese Motivation und bleibt dran!

Auch Torben Licht, Netzwerkkoordinator von Jugend forscht für Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen, zeigte sich erfreut über die rege Beteiligung und die vielen tollen Forschungsideen. Dr. Uta Purgahn, Leiterin des Landeswettbewerbs Jugend forscht, dankte allen Teilnehmenden und sprach ihnen ebenfalls Mut zu, weiter dranzubleiben. Denjenigen, die im April in den Landeswettbewerb gehen, wünschte sie viel Spaß bei den noch verbleibenden Vorbereitungen und Erfolg im Endausscheid.

Ideen und Workshop zur Weiterentwicklung der Projekte

Vier Projekte wurden am Ende mit einem 1. Preis ausgezeichnet: Mit dem Würfelspiel Tactix, das auf einem 9x9-Brett gespielt wird und Ähnlichkeiten zu Schach aufweist, hatte sich Janina Leistritz aus der 11. Klasse der Goetheschule Ilmenau beschäftigt. Mit dem Ziel, aus dem analogen Spiel auch eine digitale Variante für zwei Personen oder einen Computer als Gegner zu entwickeln, beschrieb sie die Würfelorientierung und -rotation mathematisch und wurde für diese besondere Leistung geehrt.

Auch Tobias Bürger und Hannes Wrana, Zwölftklässler an der Goetheschule Ilmenau, durften sich über einen 1. Platz freuen: Ausgezeichnet wurden sie für ihre Untersuchungen der physikalischen Eigenschaften eines selbst hergestellten Materials aus Bambus und Altpapier als möglichem Dämmstoff der Zukunft.

In der Kategorie Technik erhielt Theo Bonsack vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in Ruhla einen 1. Preis für sein Modell eines Rovers, das Funktionen eines echten Marsrovers besitzt, darunter eine Kamera, einzeln mit einem Elektromotor angetriebene Räder sowie ein kleines Photovoltaik-Paneel, das das Fahrzeug mit Energie versorgt. Künftig möchte er sein Modell noch weiterentwickeln. So soll es unter anderem noch Stoßdämpfer und einen Roboterarm zum Aufheben von Steinen erhalten. Auch die Reichweite der Fernsteuerung möchte der Schüler noch verbessern.

Lea Gaurun und Paul Spencer-Buff, die bereits ihr Abitur an der Goetheschule Ilmenau in der Tasche haben, hatten sich in der Kategorie Arbeitswelt mit einer Alternative zu bestehenden EKG-Geräten beschäftigt, um die elektrische Spannung im Herzen an der Körperoberfläche auch ohne die üblicherweise notwendige Verkabelung aufzeichnen zu können. Dafür entwickelten sie sowohl Hardware als auch Software für ein System, das Batteriespannung als Referenz für die Spannungsmessung nutzt. Ihr „wEKG“ wollen die Jugendlichen ebenfalls noch weiterentwickeln, indem sie das System auf Akkubetrieb umstellen und unter anderem das Gewicht der von ihnen entwickelten Module reduzieren. Bei einem Workshop am Wettbewerbstag erhielt die Jugendlichen bereits wertvolle Hinweise, wie sie ihre Projekte noch verbessern können, bevor sie am 2. April in Jena am Landeswettbewerb teilnehmen dürfen.

Dort dürfen auch Jerry Hofmann und Jos Heinemann von der Goetheschule Ilmenau antreten, denn für ihr Projekt „Smart Waste: Die Antwort auf Abfall in der Umwelt?“ errangen sie den Regionalsieg für das beste interdisziplinäre Projekt. Für Jos ist es bereits das dritte Mal Jugend forscht. Gemeinsam mit seinem Klassenkameraden hatte er sich diesmal mit der Frage beschäftigt, wie sich die Abfallentsorgung im Ilm-Kreis effizienter gestalten lässt, um unnötige Fahrten zu entlegenen Müllcontainern zu vermieden. Dafür entwickelten die Nachwuchsforschenden ein Technik-Modul, das in die Deckel der Müllbehälter eingesetzt wird und es der Kommune ermöglicht, den Füllstand der Abfallbehälter auch aus der Ferne zu messen. Ihr System haben die Jugendlichen bereits in der Praxis getestet.

Wissen und Perspektiven ausgetauscht

„Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als ich heute das Gewusel hier im TGZ und die tollen und spannenden Projekte gesehen habe“, zeigte sich Prof. Stefan Sinzinger beeindruckt von den Forschungen der jungen Menschen:

Es ist ganz wichtig, dass wir darüber nachdenken, wie wir regenerative Energie, wie wir unsere Gesundheitsforschung weiterentwickeln, um daraus zu lernen. Aber viel wichtiger als die Themen, die ihr heute bearbeitet habt, ist das, was ich heute gespürt habe: Dass ihr wirklich geforscht, dass ihr Wissenschaft gemacht habt.

Denn um Erkenntnis zu erlangen, müsse man sich auch der Begrenztheit des eigenen Wissens bewusst sein und mit anderen austauschen, so wie die Jugendlichen es im Rahmen des Wettbewerbs getan hätten. Das wünsche er sich auch im gesellschaftlichen Kontext:  

Wenn ich weiß, dass ich nicht alles weiß, dann weiß ich, dass mein Gesprächspartner vielleicht etwas wissen könnte, was ich noch nicht weiß, oder mindestens eine eigene Perspektive darauf hat.

Abschließend bedankte sich Prof. Sinzinger bei all denjenigen, die den Wettbewerb organisiert hatten und ohne die die Veranstaltung nicht möglich wäre: den Sponsoring-Partnern, Lehrerkräften, Jury-Mitgliedern und vielen weiteren helfende Händen.

Die Gewinnerteams

Sparte Jugend forscht

Arbeitswelt:

Lea Gaurun und Paul Spencer-Buff, Goetheschule Ilmenau: „wEKG – Kabelloses Elektrokardiogramm“

Mathematik/ Informatik:

Janina Leistritz, Goetheschule Ilmenau „Würfelspiel ohne Glück – Entwicklung einer digitalen Spielmöglichkeit des Spiels Tactix“

Physik:

Tobias Bürger und Hannes Wrana, Goetheschule Ilmenau: „Bambus und Altpapier als Dämmstoff der Zukunft“

Technik:

Theo Bonsack, Albert-Schweitzer-Gymnasium in Ruhla: „Rolling on Mars“

Interdisziplinär:

Jerry Hoffmann und Jos Constantin Heinemann, Goetheschule Ilmenau: „Smart Waste: Die Antwort auf Abfall in der Umwelt?“

Sparte Junior

Arbeitswelt:

Heidi Wenig & Lukas Friedel, Albert-Schweitzer-Gymnasium Ruhla: „Ist das Schultablet eine Bakterienschleuder?

Technik:

Karl Schellenberg, Henning Dein & Demian Illyes, Albert-Schweitzer-Gymnasium Ruhla: „Der Vogelschreck“

Impressionen von Jugend forscht an der TU Ilmenau