Im Klima N-Netzwerk arbeiten die TU Ilmenau, die Universität Erfurt, die Hochschule Nordhausen und die Fachhochschule Erfurt daran, Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und auf dem Campus zu verankern. Die Idee: durch Vernetzung profitieren die Hochschulen von ihrer unterschiedlichen Expertise. Bei einem Symposium an der Fachhochschule Erfurt tauschten sich die Beteiligten kürzlich über aktuelle Themen und Fragen der nachhaltigen Hochschulentwicklung aus. Neben Fachvorträgen und Best-Practice-Beispielen wurden auch studentische Arbeiten zur nachhaltigen Campusgestaltung vorgestellt.
Nachhaltigkeit als gemeinsames Ziel: Thüringer Hochschulen bündeln Kompetenzen im Klima N-Netzwerk
„Die Stärkung von Nachhaltigkeit an Hochschulen ist eine Aufgabe die alle Bereiche der Universität und auch alle ihre Mitglieder betrifft“, weiß Prof. Jens Wolling, Experte für Nachhaltigkeitskommunikation an der TU Ilmenau. Von Forschung über Lehre bis hin zur Administration. Nicht nur an der TU Ilmenau, sondern in ganz Thüringen haben sich Hochschulen das Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit in allen Bereichen stärker zu verankern. Im Klima-N-Netzwerk arbeiten Prof. Wolling und Dr. Rochyadi-Reetz zusammen mit Partnern von drei weiteren thüringischen Hochschulen zusammen, um sich gegenseitig bei diesem Ziel zu unterstützen. Durch die Vernetzung profitieren sie vom gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch. Die Idee: Die an den einzelnen Hochschulen entwickelten und erfolgreich erprobten Konzepte können im Verbund auf andere Hochschulen übertragen werden, die Partner ergänzen sich in ihrer Expertise. Das Projekt wird bis 30. September 2025 im Rahmen der Fördermaßnahme „Transformationspfade für nachhaltige Hochschulen“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
Impulse und Best-Practise-Beispiele bei einem Symposium
Am 16. Januar trafen sich die beteiligten Hochschulen zu einem Symposium an der Fachhochschule Erfurt. Das Programm umfasste unter anderem einen Vortrag zu den Kulturen der Nachhaltigkeit, präsentiert von Jacobus Bracker von der Hochschulrektorenkonferenz, sowie eine Keynote von Prof. Dr. Kai-Uwe Sattler, Präsident der TU Ilmenau und Vorsitzender der Thüringer Landespräsidentenkonferenz, über die Nachhaltigkeitsinitiativen an den Thüringer Hochschulen. Studierende des Masterstudiengangs Landschaftsarchitektur der FH Erfurt stellten Konzepte zur nachhaltigen Campusgestaltung vor. Ein Erfahrungsbericht über die Entstehung und Arbeit des Netzwerks Nachhaltigkeit Hessischer Hochschulen (NNHH) von Juliane Wegner und Einblicke in die Bildung hochschulübergreifender Klima- und Nachhaltigkeitsnetzwerke in Österreich und Bayern von Prof. Dr. Hans Stötter von der Universität Innsbruck gaben Impulse und Anregungen, was beim Aufbau des geplanten Thüringer Nachhaltigkeitsnetzwerks beachtet werden sollte. In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden diese Anregungen weiter diskutiert und Ideen entwickelt welche Schritte dazu beitragen können ein starkes Hochschulnetzwerk für mehr Nachhaltigkeit in Thüringen zu etablieren.
Vier Arbeitspakete für eine nachhaltige Zukunft
Vier zentrale Arbeitspakete, die verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit an Hochschulen abdecken, machen das Klima-N-Projekt aus: Die Universität Erfurt widmet sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), während die Hochschule Nordhausen und die Fachhochschule Erfurt, jeweils mit den Schwerpunkten Energie und Betrieb und Mobilität und Biodiversität, sich mit der Umsetzung eines klimagerechten Campus befassen. Unter Federführung von Prof. Jens Wolling verantwortet die TU Ilmenau das Arbeitspaket Nachhaltigkeitskommunikation – ein vielschichtiges Themengebiet, wie der Leiter des Fachgebiets Empirische Medienforschung und Politische Kommunikation sagt. Im Fokus seiner Forschung stehen drei Aspekte der Nachhaltigkeitskommunikation: die Vermittlung von Informationen über Nachhaltigkeit („about sustainability“), die Darstellung universitärer Nachhaltigkeitsaktivitäten („of sustainability“) sowie die aktive Kommunikation zur Förderung nachhaltigen Verhaltens („for sustaiability“):
Wir versuchen, nicht nur über Nachhaltigkeit zu informieren, sondern auch Anreize zu schaffen, sich aktiv zu beteiligen. Wir wollen praktische Veränderungen anstoßen und gleichzeitig wissenschaftlich reflektieren, welche Kommunikationsmaßnahmen funktionieren. Eine gelungene Nachhaltigkeitskommunikation ist der Schlüssel zur Veränderung.
Nachhaltigkeitsinitiativen an der TU Ilmenau
Im Fokus aller Hochschulen steht der so genannte „Whole Institutional Approach“ (ganzheitlicher institutioneller Ansatz), das heißt die Verankerung von Nachhaltigkeit in allen Bereichen – so auch an der TU Ilmenau. In vielfältigen Nachhaltigkeitsprojekten in der Lehre, Forschung und Infrastruktur hat sich die Universität im Laufe der letzten Jahre auf den Weg zu einer nachhaltigen Gemeinschaft gemacht. Im Sinne dieses ganzheitlichen Ansatzes hat das Präsidium die Task Group Nachhaltigkeit mit Mitgliedern aus unterschiedlichen Bereichen der Universität ins Leben gerufen. Studierende und Beschäftigte engagieren sich, um Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu planen und umzusetzen. Zusätzlich dazu hat der Studierendenrat der TU Ilmenau die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit gegründet, dessen Mitglieder eine Vielzahl von Nachhaltigkeitsaktionen umsetzen. So werden jedes Semester Sustainability Days durchgeführt.
Der TU Ilmenau gelang es, ihren Energiebedarf durch eine bessere Auslastung ihrer Maschinen und Labore zu senken, eine fachübergreifende Ringvorlesung zur Nachhaltigkeit einzuführen oder die Biodiversität auf dem Campus durch wilde Blühwiesen zu erhöhen. Im Einklang mit den 17 globalen Zielen für eine bessere Zukunft (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen (UN) wurde Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil des universitären Lebens in den strategischen Entwicklungszielen der TU Ilmenau aufgenommen.
Als Universität mit einem großen Studienangebot in den Ingenieurwissenschaften sieht Prof. Kai-Uwe Sattler Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil der Ingenieursausbildung:
Ingenieurinnen und Ingenieure sollten von Anfang an lernen, Materialien und Produkte so zu gestalten, dass sie ressourcenschonend und langlebig sind. Nachhaltigkeit sollte im Sinne einer Kreislaufwirtschaft von Anfang an mitgedacht werden.
Dafür hat sich die TU Ilmenau in einem weiteren hochschulübergreifenden Projekt, „Thüringen Lehrt und Lernt Nachhaltig" (ThüLeNa), das von der Carl-Zeiss-Stiftung mit einer Fördersumme in Höhe von 2,5 Millionen Euro unterstützt wird, mit sechs anderen Hochschulen in Thüringen zusammengeschlossen, um Nachhaltigkeit als zentrales Element in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen zu verankern. So sollen Studierende befähigt werden, die Komplexität des gesellschaftlichen Wandels zur Nachhaltigkeit zu verstehen, Probleme ganzheitlich zu analysieren und Lösungen in inter- und transdisziplinären Arbeitsumfeldern zu entwickeln.
Mehr zu Nachhaltigkeit an der TU Ilmenau: www.tu-ilmenau.de/universitaet/profil/nachhaltigkeit