Eine Woche lang verwandelte sich die TU Ilmenau in ein Entdecker-Labor: Beim MINT-EC-Science Camp tauchten vom 8. bis 12. September 2025 19 Jugendliche aus ganz Deutschland in die Geheimnisse von Licht und Farbe ein.
„Wir beschäftigen uns aktuell im Physik-Leistungskurs mit dem Thema Licht, und das finde ich sehr interessant, aber im Physikunterricht hat man nicht genug Zeit, sich breiter mit dem Thema zu beschäftigen“, erzählt Annika aus Scheden bei Göttingen. Gemeinsam mit Anna steht sie in der Maschinenhalle des Fachgebiets Kunststofftechnik an der TU Ilmenau. „Bei mir ist es im Gegenteil so, dass wir im Unterricht noch gar nichts mit dem Thema zu tun hatten“, erklärt die junge Frau aus Hannover ihre Motivation für das Camp, mit dem das nationale Excellenz-Schulnetzwerk MINT-EC und die TU Ilmenau besonders engagierten Schülerinnen und Schülern mit Schwerpunkt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik praxisnahe Einblicke in Wissenschaft und Forschung ermöglichen:
Ich mag Physik sehr gern und habe hier die Chance gesehen, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Dinge dazuzulernen.
Auch Ivan aus München ist gekommen, um seine Ferienzeit sinnvoll zu verbringen:
Ich freue mich darauf, meinen Wissenshorizont zu erweitern und neue Bekanntschaften zu machen.
Und tatsächlich lernen die Jugendlichen schon am ersten Tag des Camps: Licht ist mehr als das, was wir sehen. Anhand von Farbrätseln und Experimenten entdecken sie, dass Farbe kein absolutes Phänomen ist, sondern stark von Material, Lichtquelle und Beobachter abhängt. „Schon der erste Vortrag hat alles auf den Kopf gestellt“, erzählt Diana aus Coburg:
In dem Moment habe ich verstanden, dass Licht gleichzeitig Teilchen, Strahlen und Welle ist, und konnte den Zusammenhang sehen zwischen den komplexen Funktionen und dem Strahl, der auf mein Gesicht fällt, wenn ich mich zur Sonne drehe.
Materialen erzählen ihre „Farbgeschichten“
An den folgenden Tagen erzählten unter anderem verschiedene Materialien ihre „Farbgeschichten“: Warum sehen recycelte Kunststoffe plötzlich anders aus? Wie stellt man nur wenige Mikrometer dünne Glasfasern her, auf denen das gesamt Internet basiert und die Informationen mit Hilfe von Licht transportiert werden? Und was passiert, wenn Glas durch Wärme, Metalloxide und Licht verändert wird? Auch darauf bekamen die Jugendlichen im Camp Antworten, sagt Anastasia aus Gießen:
Weil die Elektronen im Material keine Energieniveaus haben, die sichtbares Licht absorbieren können, ist Glas durchsichtig. Nur Metallsalze verändern das. Dadurch entstehen die bunten Farben. Und je nachdem, wie man es abkühlt, erhitzt oder formt, kann man es härter, klarer oder eben farbig machen.
Ein Höhepunkt des Camps war der Bau eigener Spektrometer im Optiklabor. Dabei experimentierten die Jugendlichen mit Hologrammen, erfuhren, wie Beugungsgitter das Licht zerlegen und warum die die Auflösung eines Spektrometers vom Gesamtdesign mit all seinen Komponenten abhängt.
Mit Licht die Wahrheit aufgedeckt
Welche Relevanz die chemische und physikalische Analyse im Alltag hat, lernten die Schülerinnen und Schüler in einem „Escape-Room“ – und deckten mit Licht die Wahrheit in zwei kniffligen Fällen auf: Gemeinsam analysierten sie ein unbekanntes Pulver mit Hilfe von Infrarotlicht und untersuchten mit UV/Vis-Spektroskopie Wasserproben auf mögliche Verschmutzungen. „Physik und Chemie haben noch nie so viel Spaß gemacht“, so das Resümee von Anastasia und Diana, das sie zum Abschluss des Camps in einem Podcast präsentierten:
Hier an der Uni haben wir endlich praktisch gearbeitet – mit Geräten und Theorien, die wir in der Schule gar nicht nutzen konnten.
Mit großem Interesse und voller Konzentration tauchten die Jugendlichen in die Naturwissenschaften ein und nutzten die Abschlusspräsentationen, um nicht nur ihr Fachwissen, sondern auch ihre kreative Stärke unter Beweis zu stellen. So stellten einige Teilnehmende ihre Erkenntnisse in Formaten wie Vlogs, Vibe Videos oder einem kurzen Science Slam vor: „Diese Draufsicht auf uns, die uns die Zusammenfassungen gezeigt haben, ist wertvoller als jedes Ranking“, zeigt sich Professorin Edda Rädlein begeistert von den Präsentationen, „und auch die vielen Helferinnen und Helfer konnten Enthusiasmus tanken.“
„In nur wenigen Tagen sind aus interessierten Schülerinnen und Schülern begeisterte Nachwuchsforschende geworden, die das Licht nicht nur sehen, sondern auch lesen können“, fasst Organisatorin Jenny Gramsch von der Zentralen Studienberatung und -orientierung sowie vom Schülerforschungszentrum der TU Ilmenau das Camperlebnis zusammen.
Und noch eine weitere Erfahrung nehmen die Jugendlichen mit nach Hause. Denn zum Programm des Science Camps gehörten auch eine Stadtwanderung für Nachtschwärmer, ein Thüringer Grillabend mit Studierenden und eine Wanderung zum Goethehäuschen: „Am höchsten Punkt konnten wir die lichtgefüllte Stadt sehen“, erzählen Diana und Anastasia in ihrem Podcast:
Licht kann nicht nur praktisch, sondern auch wunderschön sein.
Kontakt
Jenny Gramsch
Zentrale Studienberatung und -orientierung und Schülerforschungszentrum der TU Ilmenau