Zukunftsthemen wie Quantencomputing und energieeffiziente Supraleiter-Elektronik stehen im Mittelpunkt der International Superconductive Electronics Conference (ISEC), die am Montag, dem 16. Juni 2025, in Anwesenheit von Ministerpräsident Mario Voigt und Staatssekretär Mario Suckert in Erfurt gestartet ist. Die vom CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik, einem An-Institut der TU Ilmenau, und der TU Ilmenau ausgerichtete wissenschaftliche Konferenz bringt rund hundert internationale Fachleute auf dem Gebiet der supraleitenden Elektronik aus Japan, den USA, China und Europa in Erfurt zusammen.
Internationale Konferenz zu Supraleiter-Elektronik: "Im Grünen Herzen Deutschlands schlägt das technologische Herz Europas"
Noch bis zum 19. Juni referieren und diskutieren die Konferenzteilnehmenden aus mehr als zwanzig Ländern neueste Forschungsergebnisse und Entwicklungstrends in der Supraleitungselektronik und ihre Anwendungen – von Quantencomputern über Kernspintomografen und hochgenaue SQUID-Sensoren zur Messung kleinster Magnetfelder bis hin zu integrierten Schaltungen für eine extrem energieeffiziente, ultraschnelle Informationstechnologie, so genannte „Grüne Elektronik“.
„Supraleiter-Elektronik hat das Potential disruptive Änderungen in der Gesellschaft zu bewirken“
Eröffnet wurde das Forum für Innovationen in Wissenschaft und Industrie von Prof. Thomas Ortlepp, Geschäftsführer des CiS Forschungsinstituts für Mikrosensorik in Erfurt sowie Distinguished Professor an der Universität Yokohama in Japan, und Prof. Ronny Stolz, Honorarprofessor für Quantenengineering an der TU Ilmenau sowie Leiter der Forschungsabteilung Quantensysteme am Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) Jena: „Supraleiter-Elektronik hat das Potential disruptive Änderungen in der Gesellschaft zu bewirken“, so Prof. Stolz.
Ministerpräsident Mario Voigt betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung des Standorts Thüringen für innovative Zukunftstechnologien wie die Supraleitungs- und Mikroelektronik, die unter anderem in Erfurt am CiS und am Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien (ZMN) der TU Ilmenau erforscht werden:
In Thüringen sind wir überzeugt: Die besten Lösungen entstehen dort, wo Forschung und Praxis Hand in Hand gehen.
Mario Voigt weiter: “Als technikgeprägte Region mit langer industrieller Tradition haben wir den Wandel zur Zukunftsregion erfolgreich gestaltet – leistungsstark, innovativ und international vernetzt. Im Grünen Herzen Deutschlands schlägt das technologische Herz Europas: Die Mikroelektronik ist der Herzschlag moderner Technologie – und Thüringen schlägt kräftig mit. Unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten eng mit der Wirtschaft zusammen und schaffen gemeinsam die Voraussetzungen, um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Die International Superconductive Electronics Conference in Erfurt ist Ausdruck der hohen internationalen Wertschätzung, die dieser Standort genießt”, so der Ministerpräsident:
Sie zeigt: Im Grünen Herzen Deutschlands ist technologische Exzellenz zu Hause – und aus Thüringen kommt Zukunft.
Das Potenzial, den Energiebedarf von Rechenzentren drastisch zu reduzieren
Auch Universitätspräsident Kai-Uwe Sattler hob in seinem Grußwort hervor, wie wichtig die Forschung an supraleitenden Materialien, die Strom ohne Widerstand und damit verlustfrei leiten können, im Zeitalter der Digitalisierung und energieintensiver Technologien wie Künstlicher Intelligenz ist. So kann durch den Einsatz von Quantencomputern oder energieeffizienten Halbleitern beispielsweise der Energiebedarf von Rechenzentren, die die technologische Grundlage für Cloud-Dienste, das Internet der Dinge (IoT) und viele weitere digitale Anwendungen sind, drastisch reduziert werden. Denn angesichts des rasant steigenden Energieverbrauch in der IT stoßen herkömmliche Computer an ihre Grenzen, da ihre Architektur auf veralteten Prinzipien basiert.
Einen neuen, vielversprechenden Ansatz, um diese Herausforderung zu adressieren, wird Prof. Hannes Töpfer, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik und Leiter des Fachgebiets Theoretische Elektrotechnik an der TU Ilmenau, in seinem Beitrag am vierten Konferenztag vorstellen. Er verbindet die bioinspirierte, dem menschlichen Gehirn nachempfundene Informationsverarbeitung, das so genannte neuromorphe Computing, mit der Supraleitung und wird im Rahmen der Ilmenau School of Green Electronics an der TU Ilmenau erforscht. Eine zentrale Rolle spielen dabei so genannte Josephson-Kontakte – supraleitende Schaltungskomponenten, die auf quantenphysikalischen Effekten basieren. In einem neuromorphen Josephson-Netzwerk werden viele dieser Kontakte so miteinander verschaltet, dass sie gemeinsam die Funktion biologischer Nervenzellen nachbilden. Dabei werden Informationen nicht mehr durch elektrische Spannungen, sondern durch kurze Impulse – ähnlich wie in unserem Nervensystem – übertragen. Ein einziges Rechenbit verbraucht so rund eine Milliarde Mal weniger Energie als bei heutigen Computern. Ziel der Forschung ist es, diese bio-inspirierte Technik so weiterzuentwickeln, dass sie in Rechenzentren, im Verkehr oder in der Industrie eingesetzt werden und so den CO₂-Fußabdruck der IT drastisch verringern kann.
Die International Superconductive Electronics Conference findet alle zwei Jahre in Europa, Asien oder den USA statt. Deutschland war zuletzt 1997 Gastgeberland der ISEC.
Kontakt
Prof. Hannes Töpfer
Fachgebietsleiter Theoretische Elektrotechnik