Forschung

„Licht ist ein starker Taktgeber für unseren Körper“

Licht schafft Sicherheit durch Straßenbeleuchtung, ermöglicht es uns, nachts zu arbeiten oder beleuchtet unsere Innenstädte zur Weihnachtszeit – und tangiert damit nahezu alle Bereiche unseres täglichen Lebens. Gleichzeitig kann künstliches Licht unserer Gesundheit und Umwelt schaden. Zum Internationalen Tag des Lichts erklärt Dr. Cornelia Vandahl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Lichttechnik TU Ilmenau, welche technologischen Lösungen Abhilfe schaffen können und gibt alltagstaugliche Tipps für einen bewussteren, gesünderen Umgang mit Licht.

TU Ilmenau/Eleonora Hamburg
Dr. Cornelia Vandahl erforscht technologische Lösungen für einen gesunden Umgang mit Licht im Alltag

Guten Tag Frau Dr. Vandahl, zum heutigen Tag des Lichts macht die UNESCO auf die Bedeutung des Lichts in allen Lebensbereichen aufmerksam. Warum ist das Thema von so großer Relevanz für uns?

Licht ist ein faszinierendes und interdisziplinäres Thema. Es betrifft nahezu alle Lebensbereiche: von der Medizin und Biologie über Ökologie, Architektur, Physik bis hin zur technischen Lichtplanung und LED-Entwicklung. Unsere Forschung zeigt, dass Licht nicht nur eine visuelle Funktion hat, sondern auch tiefgreifende Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und das soziale Miteinander hat. Es beeinflusst biologische Rhythmen, Lebensqualität und das Stadtbild. Und das Thema Licht wird in vielen Disziplinen diskutiert.

Insbesondere die Lichtverschmutzung ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Woran liegt das?

Die Diskussion um Lichtverschmutzung ist so kontrovers, weil sich verschiedene Interessen und Sichtweisen gegenüberstehen. Auf der einen Seite steht Licht als Kulturgut und technische Errungenschaft: Es schafft Sicherheit, ermöglicht Mobilität, nächtliche Aktivitäten, gestalterische Beleuchtung in Innenstädten, z.B. zur Weihnachtszeit, und soziale Teilhabe. Auf der anderen Seite steht die Natur, die unter künstlicher Beleuchtung leidet: Insekten, Vögel, Pflanzen – sie alle sind auf Dunkelheit angewiesen. Auch der Mensch braucht die Dunkelheit zur Erholung. Der Widerspruch lässt sich nicht durch Extreme lösen, sondern nur durch differenzierte, intelligente Lösungen, die beide Seiten berücksichtigen. 

Welche technischen Lösungen gibt es, um Licht ressourcensparender und umweltfreundlicher einzusetzen?

Es gibt heute vielfältige technische Möglichkeiten, um Beleuchtung bedarfsgerecht und umweltverträglich zu gestalten. Leuchten können so konstruiert werden, dass sie nur die Flächen beleuchten, die tatsächlich Licht benötigen. Steuerungstechniken erlauben es, Licht nur dann einzuschalten, wenn es gebraucht wird – etwa per Sensor oder Zeitsteuerung. Farbtemperaturen lassen sich anpassen, zum Beispiel in Bezug auf Insektenfreundlichkeit. Wichtig ist, dass Lichtplanung von Fachleuten durchgeführt wird – viele Probleme entstehen durch schlecht geplante oder falsch eingesetzte Leuchten. 

An Ihrem Fachgebiet beschäftigen Sie sich unter anderem mit Messtechnik und Steuerung von Licht.

Ja, unser Fachgebiet beschäftigt sich mit zwei Schwerpunkten: Einerseits untersuchen wir, wie Licht gestaltet sein muss, damit es den visuellen und biologischen Anforderungen des Menschen gerecht wird und ihn nicht stört – Stichworte sind Blendung, Lichtflimmern, Farbtemperatur. Andererseits messen wir Licht und entwickeln Methoden, mit denen sich reale Lichtverhältnisse präzise erfassen lassen. Dazu nutzen wir Kameratechnologie, klassische Lichtsensoren und auch virtuelle Sensoren – also etwa Wetterdaten, Standortinformationen oder Kalenderdaten, um den Lichtbedarf abzuschätzen. Im Forschungsprojekt „Chronolite“ nutzen wir die Technik in Mobilitätsszenarien wie Zugabteilen. Dort lässt sich die Beleuchtung gut für einzelne Nutzergruppen gezielt einstellen. 

Sie haben vorhin erwähnt, dass der Mensch Dunkelheit zur Erholung braucht. Inwiefern beeinflusst Licht unsere Gesundheit?

Licht ist ein starker Taktgeber für unseren Körper. Neben der Sehleistung hat es auch biologische Wirkungen: Es reguliert unsere innere Uhr. Unser Organismus braucht tagsüber helles Licht, um aktiv zu sein, und Dunkelheit in der Nacht, um sich zu regenerieren. Zu wenig Tageslicht oder zu viel Kunstlicht am Abend kann zu Schlafstörungen, Erschöpfung und langfristig auch zu gesundheitlichen Problemen führen. Besonders Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Schichtarbeiter*innen haben oft keinen stabilen Tag-Nacht-Rhythmus. In unserem Projekt Chronolite untersuchen wir, wie sich dieser Rhythmus durch technologiegestützte Lichtsteuerung – etwa über Apps oder Sensordaten – unterstützen lässt. Ziel ist ein individualisiertes Lichtmanagement, das Tageslichtmangel ausgleicht und künstliches Licht sinnvoll dosiert.

Welche Empfehlungen geben Sie Menschen für einen gesunden Umgang mit Licht?

Grundsätzlich sollten wir uns am natürlichen Tageslicht orientieren. Morgens ist helles, tageslichtartiges Licht ideal, um wach zu werden. Abends sollte man Licht reduzieren und insbesondere den Blauanteil verringern. Das lässt sich auch über Apps steuern. Wer kann, sollte tagsüber eine bis zwei Stunden draußen verbringen – das stabilisiert die innere Uhr. Abends ist es wichtig, das Licht zu dämpfen. Im Außenbereich gilt: Licht nur da, wo es gebraucht wird – und möglichst nicht in Richtung Himmel oder Schlafzimmerfenster. Auch im Alltag lassen sich viele kleine Maßnahmen umsetzen: Lichtquellen abschirmen, dimmen, Bewegungsmelder nutzen.

Kontakt

Dr.-Ing. Cornelia Vandahl

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Lichttechnik