Ein Leben für die Elektrotechnik und die Universität
Wolfgang Gens wurde am 23. Februar 1933 in Leipzig geboren. Schon früh begeisterte er sich für technische Systeme und deren Automatisierung. 1953 gehörte er zu den ersten Studierenden der damaligen Hochschule für Elektrotechnik Ilmenau auf dem Gebiet der Starkstromtechnik und Elektrischen Antriebe – ein Fach, dem er sein gesamtes wissenschaftliches Leben widmete.
Nach der Promotion (1966) und der Habilitation (1984) auf dem Gebiet der Drehstromantriebe wurde er 1985 zum Außerordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Ilmenau berufen, 1993 schließlich zum Universitätsprofessor für Elektrische Antriebe an der TU Ilmenau.
Seine wissenschaftliche Heimat war die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, der er über Jahrzehnte eng verbunden blieb – auch nach seiner Emeritierung.
Forscher, Lehrer und Begründer einer wissenschaftlichen Schule
1975 begann Prof. Gens mit dem Aufbau des Wissenschaftsbereichs Steuerungstechnik und Leistungselektronik. Mit der Verbindung von Steuerungstechnik, angewandter Regelungstechnik, elektrischen Antrieben und Leistungselektronik begründete er eine wissenschaftliche Schule, die weit über Ilmenau hinaus ausstrahlte.
Aus dieser gingen bundesweit 3 Universitätsprofessoren, 9 Fachhochschulprofessoren und über 80 Promotionen hervor – ebenso wie mehrere erfolgreiche Unternehmensgründungen in Ilmenau. Damit hat Wolfgang Gens nicht nur akademische Karrieren gefördert, sondern auch zur regionalen Innovationskultur beigetragen.
Verantwortung in der Hochschulleitung
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit prägte Prof. Gens die Entwicklung der Universität in zentraler Funktion:
1990 wurde er zum Prorektor für Wissenschaft gewählt und 1993 in diesem Amt bestätigt. Im Mai 1996 folgte die Wahl zum Rektor der TU Ilmenau, die er bis Juni 2000 mit Umsicht, Engagement und großem persönlichen Einsatz führte.
In seiner Antrittsrede als Rektor betonte Prof. Gens die Bedeutung der "Verbindung von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft". Er sah die Universität nicht nur als Ort der Wissensvermittlung, sondern als aktiven Mitgestalter der gesellschaftlichen Entwicklung. Seine Vision war es, die TU Ilmenau als "innovative Hochschule mit internationaler Ausstrahlung" zu positionieren, die eng mit der Industrie zusammenarbeitet und den Technologietransfer fördert.
Unter seiner Leitung wurde die Universität in einer Zeit des Umbruchs nach der Wiedervereinigung entscheidend weiterentwickelt. Er stärkte das Profil der TU Ilmenau als moderne Technische Universität, förderte den Ausbau internationaler Beziehungen und setzte sich für eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ein.
Die damalige Thüringer Wissenschaftsministerin Prof. Dagmar Schipanski würdigte ihn zu seinem 70. Geburtstag mit den Worten:
Mit Umsicht, Engagement und sehr großem persönlichem Einsatz hat Professor Gens als Rektor von 1996 bis 2000 den Namen der TU Ilmenau in der deutschen und internationalen Wissenschaftsgemeinschaft geprägt und gefestigt. Er hat maßgeblichen Anteil an der modernen Ausrichtung der TU Ilmenau nach der Wendezeit.
Mentor und Brückenbauer
Wolfgang Gens verstand sich stets als Teil der akademischen Gemeinschaft. Er war ein Professor, der seine Studierenden ernst nahm, und ein Rektor, der zuhören konnte. Seine Haltung war geprägt von Verantwortungsbewusstsein, Kollegialität und dem festen Glauben an die Kraft wissenschaftlicher Zusammenarbeit.
Auch im Ruhestand blieb er der Universität eng verbunden – unter anderem als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Elektrotechnik und Informationstechnik e. V. und als Ehrenmitglied des Steuerungstechnik und Leistungselektronik Vereins (ISLE e.V.), in denen er sich weiterhin für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Entwicklung seiner Fakultät einsetzte.
In Dankbarkeit und ehrendem Gedenken
Mit dem Tod von Prof. em. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Gens verliert die TU Ilmenau eine herausragende Persönlichkeit, die die Universität über Jahrzehnte hinweg geprägt hat – als Forscher, Lehrer und Gestalter.
Wir werden sein Engagement, seine Weitsicht und seine menschliche Haltung in dankbarer Erinnerung behalten.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Kolleginnen und Kollegen sowie allen, die ihn gekannt und geschätzt haben.