Serie

Thüringen statt Silicon Valley: TU-Ilmenau Absolvent und Gründer setzt auf starke Standortbedingungen vor Ort

Jedes Jahr finden junge Menschen aus Deutschland und der Welt den Weg an die TU Ilmenau. Ein Studienabschluss der Universität eröffnet ihnen beste Chancen in den verschiedensten Berufszweigen in Wissenschaft und Wirtschaft. Doch welchen Weg schlagen die Absolvent*innen nach ihrem Studium ein? In unserer neuen Serie stellen wir Persönlichkeiten vor, die ihre Zeit an der Universität geprägt hat – und die heute mit ihren Ideen, ihrem Wissen und ihrem Mut die Welt verändern.

Zum Auftakt der Serie porträtieren wir Maschinenbau-Absolvent Philipp Caspari. Mit seinem mehrfach ausgezeichnetem Start-up Healyan bietet er mittels Gehirntraining eine Alternative für medikamentöse Therapie von Alzheimer an.

Metropolregion Mitteldeutschland
Nach seinem Maschinenbaustudium an der TU Ilmenau gründete Philipp Caspari sein Start-up Healyan. Die Healyan Glasses basieren auf audiovisueller Neuromodulation und bieten eine schonende Alternative zur medikamentösen Alzheimertherapie

Mehr als 9000 Kilometer trennen das südthüringische Dorf Barchfeld und die US-amerikanische Universitätsstadt Berkley. TU Ilmenau-Absolvent Philipp Caspari ist es gelungen, eine Brücke zwischen beiden Orten zu schaffen, die Heimat und Innovation vereint. Mit seinem Start-up Healyan arbeitet er an beiden Orten daran, die Alzheimertherapie zu revolutionieren. 

Das Fundament für seine Gründung legt Philipp Caspari während seines Studiums an der TU Ilmenau. Der studierte Maschinenbauer erkennt bereits im Bachelor die Chancen, die ihm die Universität bietet. Schon früh im Studium setzt er eigene Schwerpunkte und spezialisiert sich in den Fachrichtungen Elektrotechnik, Kunststofftechnik, additive Fertigung und Biomedizintechnik. Durch dieses Wissen entwickelt er eine interdisziplinäre Perspektive, die heute die Grundlage für Healyans innovative Technologie bildet. Bereits in den ersten beiden Semestern nimmt Philipp Caspari an der Basic Engineering School teil – einem praxisorientierten Einstieg ins ingenieurwissenschaftliche Arbeiten. Später unterrichtet er dort als studentischer Mitarbeiter selbst Erstsemesterstudierende und erarbeitet neue Projektformate für die Programme Basic Engineering School und PracticING mit. In dieser Zeit entwickelt er eine kleine Windkraftanlage sowie einen Großraum 3D-Drucker, der bis heute an der TU Ilmenau im Einsatz ist. Neben der Möglichkeit, sich zu spezialisieren, schätzt es Philipp Caspari, im Studium interdisziplinär zu arbeiten:

Das Studium an der TU-Ilmenau bot mir die Möglichkeit ständig über die normale Lehre hinaus Wissen von führenden Expertinnen und Experten aller Ingenieursdisziplinen zu gewinnen. Durch praktische Arbeiten und den schnellen Zugang und persönlichen Austausch war es mir möglich, ein interdisziplinäres Grundlagenwissen aufzubauen.

Top-Standortbedingungen in Thüringen

Zum Ende seines Masters führt ihn ein DAAD-Stipendium an eine der renommiertesten Universitäten weltweit – die University of California in Berkeley, USA. Dort möchte er zunächst seine Promotion beginnen. Vernetzt mit den klügsten Köpfen der Welt reift in Philipp Caspari die Idee heran, nicht-medikamentöse Therapien für Alzheimer zu erforschen. Schließlich ist es ein Professor, der ihn dazu motiviert, seine Idee in ein Produkt zu überführen und sein Start-up zu gründen:

Eric Silver, Professor für Neurologie, Ophtalmologie und Bewusstseinsforschung, verdeutlichte mir den Bedarf praktikabler Geräte für den Patientenalltag. Nur damit ist es möglich, den vielversprechenden Behandlungsansatz mittels audiovisueller Neuromodulation gegen Alzheimer in langfristigen Studien mit hunderten Probanden zu erforschen. Also machte ich mir die Umsetzung eines solchen Systems zum Ziel.

Der angehende Unternehmer recherchiert mit seinem Mitgründer Leon Yushin und mit Hilfe des Citris Invention Labs an der UC Berkeley die Gründungsbedingungen im Silicon Valley und vergleicht diese mit seiner Heimat – die Wahl fällt im Anschluss auf Thüringen: 

Wir haben in Thüringen optimale Standortbedingungen vorgefunden: starke technische Universitäten wie die TU Ilmenau, Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer IDMT und IIS, CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik Erfurt sowie viele Förderungen vom Land Thüringen in der Frühphase. Für eine technologisch anspruchsvolle Gründung wie unsere ist Thüringen sowohl mit starker Software- als auch Hardwarekompetenz genau der richtige Standort für Forschung, Entwicklung aber auch Produktion und Kommerzialisierung.

Gehirntraining mit Healyan Glasses

Gemeinsam mit Laurin Martins (CTO), ebenfalls TU Ilmenau-Absolvent, sowie dem Healyan-Team aus Berkeley, Christian Reyes (Neurowissenschaftler) und Leon Yushin (Finanzexperte im Start-up), arbeitet Philipp Caspari zwischen Deutschland und den USA mit Hochdruck an der Vermarktung der Healyan Glasses zur Alzheimertherapie. Über Lichtimpulse in der Brille und begleitende Sounds sollen gezielt so genannte Gliazellen, Immunzellen im Nervenwasser, aktiviert werden, die wiederum das Gehirn von schädlichen Stoffwechselendprodukten (Beta Amyloid und Tau Proteine) entschlacken. Bereits eine halbe Stunde Gehirntraining täglich soll das Alzheimerrisiko erheblich senken und das Voranschreiten der Krankheit verlangsamen. Darüber hinaus soll die Spezialbrille auch gesunden Menschen zur Leistungssteigerung und Verbesserung des Schlafs verhelfen:

Unser Ziel ist es den Abbau von Zellen im menschlichen Gehirn so früh wie möglich zu verlangsamen und Menschen damit eine längere gesunde Lebenszeit zu bieten. Damit wäre es möglich, das Endstadium der Krankheit hinauszuzögern und damit die Zahlen pflegebedürftiger Menschen zu verringern.

 

Richtige Studienentscheidung für späteren Berufsweg

Noch heute schätzt und nutzt Philipp Caspari die Nähe zu seiner Alma Mater. Für Healyan, das bereitsmehrfach ausgezeichnet wurde, greift er auf das Netzwerk der TU Ilmenau zurück und arbeitet u.a. mit den Partnerinstituten der Universität, darunter das Fraunhofer IDMT sowie das Forschungsinstitut für Mikrosensorik Gmbh CiS, eng zusammen. Unterstützung erhält das Start-up außerdem durch das Thüringer Innovationsprogramm TRIP der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) des Freistaats Thüringen. Aktuell ist HealyanTeil des „Medical Forge“ Medizintechnik Accelerators aus Leipzig. Für Philipp Caspari steht fest – die Entscheidung für ein Studium an der TU Ilmenau war für ihn absolut richtig:

Da ich mich schon immer für Naturwissenschaften interessiert habe und gleichzeitig an der Lösung echter Probleme vieler Menschen interessiert war, kam für mich nur ein Ingenieurstudium in Frage. Die TU-Ilmenau überzeugte mich von Anfang an mit der Qualität der Lehre, die persönliche Betreuung von Spitzenforschern, die an Lösungen zahlreicher „real World Problems“ arbeiten.

Neurologie trifft Hightech – sei dabei beim Studieninfotag am 10. Mai

Möchtest du die Healyan Glasses selbst ausprobieren? Beim Studieninfotag an der TU Ilmenau am 10. Mai hast du die Gelegenheit dazu: Philipp Caspari, Gründer der Healyan GmbH und Maschinenbau-Absolvent der TU Ilmenau, stellt sein Start-up vor – und zeigt, wie ein Ingenieurstudium an der TU Ilmenau dich in die Spitzenforschung bringt. Mehr Informationen unter: www.tu-ilmenau.de/hit