Serie

TU-Ausgründungen: Was wurde aus ...

... der Ilmsens GmbH? Ein Erfahrungsbericht eines TU-Absolventen

Was als Forschungsprojekt von fünf jungen Wissenschaftlern der TU Ilmenau um Dr. Jürgen Sachs begann, mündete 2016 in einem Startup: der ILMSENS GmbH. In der Gründungsphase durch das EXIST-Programm des Bundes unterstützt und im TGZ Ilmenau angesiedelt, hat sich das Unternehmen nach fünf Jahren gut etabliert und wächst - auch dank der engen Kopplung mit der Universität - stetig weiter.

Gebäude Technologie- und Gründerzentrum
Das Technologie und Gründerzentrum (TGZ) bietet beste räumliche und technologische Bedingungen für Ausgründungen aus der TU Ilmenau.

Das Ilmsens-Team entwickelt modernste Ultrabreitbandsensoren nach höchsten Qualitätsstandards, mit denen schnell berührungslose und damit zerstörungsfreie Messungen für unterschiedlichste Branchen durchgeführt werden können. Mit der Technologie können etwa die Zusammensetzung komplexer Stoffgemische und auftretende Änderungen bestimmt oder Objekte, Flächen und kleinste Bewegungen detektiert werden. Eingesetzt werden die Ilmsens-Sensoren etwa im Bereich Nahbereichsradar als Bodenradar, zur  Überwachung von Vitaldatenparametern und im Bereich Flüssigkeitsanaylse für die Kühlschmierstoffüberwachung oder die Überwachung von Milchinhaltsstoffen nennen. Die Technologie geht auf die Forschungsarbeit an der TU Ilmenau zurück. Aber wie arbeitet es sich nach dem Sprung von der Wissenschaft in die Wirtschaft? Wie erlebt ein Mitarbeiter seine Tätigkeit in einem aufstrebenden Startup und wie wichtig ist die Firmenphilosophie für das eigene Leben? Thomas Just (37), Familienvater aus dem Vogtland und seit drei Jahren Datenauswerter und Applikationsentwickler bei der Ilmsens GmbH, schildert in der neuen Serie von UNIonline seine Erfahrungen.

Von der Wissenschaft in ein Startup der TU Ilmenau 

von Thomas Just

Bereits in meiner Jugend interessierte ich mich für IT, Programmierung und Elektronik. Schnell war daher klar, dass ich unweit von meiner Heimat an der TU Ilmenau mein Studium der „Ingenieurinformatik“ beginnen und mich anschließend in der „Technischen bzw. Medizinischen Informatik“ vertiefen möchte. Nach meinem Diplom begann meine Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Biosignalverarbeitung ebenfalls an der TU Ilmenau. Wissenschaftliches Arbeiten ermöglichte es mir, viel Neues zu probieren und zu erforschen, was natürlich hin und wieder mit Rückschlägen verbunden war. In der Wissenschaft wird nach dem besten Ergebnis geforscht bzw. gesucht. Das beste Ergebnis ist aber nicht immer das praktikabelste und auch kein Ergebnis ist ein Ergebnis oder eine Erkenntnis.

Ilmsens – Hand in Hand mit der TU Ilmenau

Durch meinen Wechsel zum Fachgebiet „Elektronische Messtechnik und Signalverarbeitung“ lernte ich Dr. Jürgen Sachs, Mitgründer der Ilmsens GmbH, kennen und die Kooperation zwischen dem 2016 gegründeten Startup und meinen Projekten begann. Eins davon beinhaltete den Nachweis der sogenannten zweiten Mauer im heutigen christlichen Viertel der Altstadt von Jerusalem mittels Georadar (GPR). Als sich dieses Projekt dem Ende neigte, erhielt ich das Angebot, für Ilmsens zu arbeiten, mein Wissen ins Unternehmen einzubringen und an diesen und weiteren verwandten Projekten weiterzuarbeiten. Das war und ist natürlich ein lukratives Angebot.

Arbeiten in einem wachsenden Startup

Im Unterschied zur wissenschaftlichen Arbeit an der Universität wird in einem Unternehmen stets ein umsetzbares Ergebnis oder eine Lösung gesucht – selbstständiges Arbeiten vorausgesetzt. Es geht nicht mehr um den reinen Erkenntnisgewinn. Schließlich muss ein Unternehmen wirtschaftlich handeln und Gewinn erzielen. Seit Beginn meiner Tätigkeit bei Ilmsens ergeben sich immer neue interessante Projekte, die einen Mehrwert für unsere Kunden bieten. Eine tägliche Herausforderung dabei ist die Entwicklung neuer Technologien und Datananalyseverfahren, die ein breites Einsatzspektrum bieten.

Ilmsens wächst stetig und aus den ehemals fünf Gründern sind 24 Festangestellte geworden. Meine vielen neuen Kolleginnen und Kollegen bringen neue und frische Ideen ein. Seit Ende 2019 haben wir ebenfalls Kollegen in Košice in der Slowakei. Einige davon haben bereits mit mir schon an Projekten zu Unizeiten gearbeitet. Sie ergänzen unser Knowhow für Mikroelektronik und Schaltungsdesign. Doch nicht nur der abwechslungsreiche Arbeitsalltag und die täglichen Herausforderungen machen meine Arbeit spannend. Spätestens als Vater war mir klar, wie wichtig die Firmenphilosophie – insbesondere in der aktuellen Zeit – ist.

Ein kleines Unternehmen, das „Familienfreundlichkeit“ und „Beständigkeit“ groß schreibt

Vor einigen Jahren sind wir in Ilmenau sesshaft geworden und sind zu einer kleinen Familie herangewachsen. Von unserem Haus sind wir in wenigen Minuten auf dem Spielplatz in der Erfurter Straße, für den Ilmsens 2020 eine neue Sitzbank gesponsert hat. Dies zeigt, wie wichtig dem Unternehmen seine Mitarbeiter und deren Kinder sind. Denn insbesondere auf Eltern wird Rücksicht genommen, wenn das eigene Kind krank ist, es von der Krippe in den Kindergarten wechselt oder die Einrichtung Schließzeit hat.

Dies ist gerade seit der Corona-Pandemie von großer Bedeutung und hat uns den ohnehin erschwerten Alltag doch enorm erleichtert. Wie viele Unternehmen musste auch Ilmsens einige Mitarbeiter für ein paar Monate in Kurzarbeit schicken. Doch das rettete auch unsere Arbeitsplätze. Dank des kurzfristigen Einsparens von Ressourcen konnten wir diese Zeit nutzen, um neue Projekte einzuwerben und letztlich sogar weitere Mitarbeiter einstellen.

Als klar war, dass Schulen und Kitas schließen müssen, wurde in kürzester Zeit unser ohnehin flexibles Arbeitszeitmodell noch erweitert. Schließlich musste meine Frau genauso ihrer Arbeit nachgehen und die Kinder mussten zu Hause betreut werden. Das bedeutete, dass es unerheblich war, zu welcher Tageszeit ich meine Aufgaben erledigte, Hauptsache das Team wusste, wann ich erreichbar war. Ebenso wurden Teammeetings, insofern es möglich war, auf Zeiten gelegt, in denen Eltern ihrer Arbeit nachgingen und versäumte Stunden konnten selbst Monate später nachgeholt werden.

Selbstredend ist die Möglichkeit zum Home-Office nun bei Ilmsens fest verankert und wird zunehmend genutzt. Gerade das letzte Jahr hat uns alle viel Kraft gekostet, doch es ist wichtig, stets positiv nach vorne zu schauen und das Beste aus der Situation zu machen. Schließlich wollen am Ende alle eins: Ein geregeltes Leben mit den ursprünglich gewohnten Freiheiten.

Glücklicher Zufall, richtige Entscheidung – Arbeiten bei Ilmsens

Vieles im Leben ist reiner Zufall. Oft schlägt man Wege aufgrund einer kleinen Entscheidung ein, die sich am Ende als weitreichend entpuppt. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich bei Ilmsens kurz nach seiner Gründung 2016 auch ein Stück weit zufällig gelandet bin. So konnte ich miterleben, wie Ilmsens Stück für Stück wächst. Dank meines Sprungs in die freie Wirtschaft konnte ich mich beruflich noch einmal weiterentwickeln, was dazu führt, dass ich morgens gerne aufstehe und zur Arbeit radle oder mich an meinen Schreibtisch setze. Wir haben immer wieder neue praktische Projekte mit interessanten Themen in den Bereichen Nahbereichssensorik und Flüssigkeitsanalyse und das Unternehmen wächst nach wie vor stetig – Abwechslung und Herausforderungen garantiert!