Seit drei Jahrzehnten bringt die inovailmenau Studierende und Unternehmen zusammen. Was einst als studentisches Projekt begann, ist heute eine der traditionsreichsten Karrieremessen der Region. Sie ist noch immer vollständig von Studierenden organisiert und ein Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn junge Menschen Verantwortung übernehmen.
„30 Jahre wird man nur einmal im Leben“, sagt Michael Senker, Wirtschaftsingenieurwesen-Student an der TU Ilmenau und seit November 2025 Projektleiter der inovailmenau.
Es ist für uns eine große Ehre, dass wir so lange schon Studierende in unserem Verein haben, die sich ehrenamtlich engagieren, um diese Messe auf die Beine zu stellen.
Denn die inovailmenau ist keine klassische Karrieremesse, die von einem professionellen Veranstalter organisiert wird. Hinter dem Karriereforum Mitteldeutschland stehen Studierende des SWING an der TU Ilmenau e.V.. Von der ersten Planung über die Akquise der Unternehmen bis hin zu Aufbau, Organisation und Durchführung stemmen sie jedes Jahr das größte studentische Projekt an der TU Ilmenau.
Die Messe selbst hat immer wieder neue Rahmenbedingungen erlebt. In ihren Anfangsjahren musste sie zunächst wachsen: Die Mensa, in der die inova ursprünglich stattfand, wurde irgendwann zu klein. Eine größere Veranstaltungsfläche musste gefunden und die heutige Campusturnhalle als Messeort erschlossen werden.
„Wir mussten uns dafür mit allen Leuten absprechen, gucken, dass Teppich reinkommt, damit es nicht nach einer Sporthalle aussieht, und vieles mehr“, erzählt Senker.
Später folgten wirtschaftlich schwierige Zeiten: Finanzkrise und Dotcom-Blase führten dazu, dass sich Unternehmen mit Einstellungen und Messeauftritten zurückhielten. Dann wieder boomte die Nachfrage: 2022 war die inova so groß, dass Ränge und Ausstellungsflächen voll und zusätzliche Stände kaum unterzubringen waren.
Im Jubiläumsjahr 2026 präsentierten sich rund 65 Unternehmen und Institutionen in der Campusturnhalle, deutlich weniger als 2022. Für Senker ist gerade diese Entwicklung Teil der Geschichte:
Es ist immer ein Auf und Ab, aber irgendwie ist die inova eine Konstante, die seit 30 Jahren besteht. Und wir würden uns freuen, wenn es sie noch weitere 30 Jahre gibt.
Von Studierenden für Studierende
Was die Messe dabei über die Jahre zusammengehalten hat, ist vor allem das studentische Engagement. Viele der heutigen Organisatorinnen und Organisatoren kennen die inovailmenau bereits aus einer anderen Perspektive: als Helferinnen und Helfer. Sie haben selbst erlebt, wie die Stände aufgebaut werden und wie aus vielen einzelnen Aufgaben am Ende eine funktionierende Karrieremesse wird. Michael Senker erzählt:
Viele von uns, die sich dieses Jahr als Studierende für die Messe engagieren, waren selbst schon mal als Helfer auf der Messe und haben diesen Spirit erlebt. Ich glaube, das kann man schwer beschreiben, wenn man nicht beim Aufbau oder an den Messetagen da war.
Aus diesem Erlebnis entsteht eine Art Generationenvertrag: Erfahrene Teammitglieder geben Wissen an neue Studierende weiter, die später selbst Verantwortung übernehmen.
Und es geht längst nicht nur um die eigentliche Arbeit, so Senker:
Wenn man in diesem Team dabei ist, wird das wirklich eine Herzensangelegenheit. Weil man es dann nicht mehr für den Verein macht, sondern für die Leute, mit denen man dann so gut in den persönlichen Kontakt kommt.
Ein Netzwerk, das über den Messetag hinausgeht
Auch für die teilnehmenden Unternehmen ist die inova längst mehr als ein Termin im Recruiting-Kalender. Viele kommen seit Jahren nach Ilmenau, so auch Matthias, Senior Engineer Failure Analysis von der X-FAB in Erfurt.
Ich selbst bin schon das siebte Mal hier, glaube ich, aber unsere Firma war auch schon vorher vertreten. Es ist toll, so viele junge, begeisterte Leute zu treffen, und es ist wirklich eine schön organisierte Messe.
Auch die regionale Verbundenheit spielt dabei eine Rolle: Viele Unternehmensvertreter und -vertreterinnen haben selbst in Ilmenau studiert. So zum Beispiel auch Dr. Stefan Hagedorn von der Actian Germany GmbH.
Wir sind als Firma schon lange dabei, vier, fünf Jahre bestimmt. Und ich persönlich bin natürlich als Student schon immer hier gewesen. Der Kontakt zur Uni ist uns wichtig. Wir kommen selber aus der Uni, haben hier studiert. Wir wissen, was wir mit der Uni haben, was da für Talente rauskommen.
Auch zwischen Funkwerk in Kölleda und der TU Ilmenau besteht seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit. Die Messe bringe immer wieder ganz konkrete Ergebnisse hervor, erzählt Jana Fischer:
Jedes Jahr, wenn wir hier ausstellen, ist danach mindestens auch ein Praktikant oder im letzten Jahr ein Bachelorand da, der seine Bachelorarbeit schreibt.
Dass aus einem Gespräch am Messestand mehr werden kann, zeigt auch die Erfahrung von Eastern Graphics. Antje Köbe lobt die Organisation und den Service der studentischen Veranstalter: „Was mir sehr positiv auffällt, ist, dass sich die Studierenden dieses Jahr viel Mühe beim Service und der Organisation gegeben haben.“
Gleichzeitig sieht sie Potenzial, die Messe noch bekannter zu machen. Denn die Zielgruppe reiche längst über die TU Ilmenau hinaus. Für ihr Unternehmen habe sich die Präsenz in den vergangenen Jahren deshalb immer wieder gelohnt: „Wir haben auch schon Festanstellungen von der inova mitgenommen und natürlich Werkstudierende.“
Dann auf der inovailmenau können Studierende unmittelbar mit Unternehmensvertretern in Kontakt kommen, Fragen zu Einstiegsmöglichkeiten, Praktika, Werkstudententätigkeiten oder Abschlussarbeiten stellen. So lernen Unternehmen potenzielle Nachwuchskräfte unkompliziert persönlich und auf Augenhöhe kennen. Ergänzt wird die Messe durch konkrete Angebote rund um den Berufseinstieg. Dazu gehören beispielsweise professionelle Bewerbungsfotos und ein Bewerbungsmappencheck der Agentur für Arbeit. In mehreren halbstündigen Präsentationen stellen Unternehmen außerdem ihre Tätigkeitsfelder und Einstiegsmöglichkeiten vor.
Ehrenamt als Erfolgsrezept
Dass eine Messe dieser Größenordnung von Studierenden ehrenamtlich organisiert wird, ist auch für die Unternehmen etwas Besonderes.
„Wir fühlen uns ein Stück weit schon wie ein Teil davon“, sagt Heike Groß von Campushunter, die ebenfalls dieses Jahr mit dabei war.
Wir finden, dass es ganz großartig ist, wenn Studierende für Studierende im Ehrenamt Karrieremessen organisieren und ihren Kommilitonen somit Chancen ermöglichen, Arbeitgeber kennenzulernen.
Dazu gehört auch eine Atmosphäre, die sich von klassischen Recruiting-Veranstaltungen unterscheidet. „Mit unseren vielen bunten, lustigen Karten und daraus resultierenden, guten Gesprächen haben wir immer einen tollen Tag“, sagt Groß.
Auch wenn es in den vergangenen Jahren immer wieder Veränderungen und wirtschaftliche Krisen gab: Die „Konstante“ inovailmenau funktioniert nicht, weil alles gleichbleibt, sondern weil jede Generation sie mit viel Engagement und Eigeninitiative neugestaltet.
Vielleicht treffen sich deshalb in weiteren 30 Jahren wieder ehemalige Inova-Helferinnen und -Helfer in der Campusturnhalle – als Unternehmenschefs, Professorinnen, Gründer oder Alumni –, mit gemeinsamen Erinnerungen an eine Messe, die sie während ihres Studiums selbst mit aufgebaut haben und die ihnen wertvolle Erfahrungen für ihre weitere berufliche Entwicklung beschert hat.