Ein Wettbewerb, drei Studierende, eine Vision: innovative akademische Programme für die Zukunft Europas zu gestalten. Mit diesem Ziel vor Augen nahmen Sumit Sharma von der Technischen Universität Ilmenau, Theo Pereira de Araujo von der Université de Technologie de Compiègne (UTC) in Frankreich und Ebin Ephrem Elavathingal von der Mälardalens universitet in Schweden am studentischen LEAP-Wettbewerb der Europäischen Hochschulallianz SUNRISE teil. Für ihr Konzept eines „Bachelor of Interdisciplinary Digital Transformation“, den sie innerhalb von vier Monaten entwickelten, wurden die Studierenden mit dem 1. Preis ausgezeichnet – und dürfen jetzt an ihrer Idee weiterarbeiten.
Lernen, experimentieren, sich weiterentwickeln und Fortschritte machen: Um Studierenden aus verschiedenen europäischen Hochschulen genau das zu ermöglichen, startete die von der TU Ilmenau koordinierte Europäische Hochschulallianz SUNRISE im Mai 2025 die „LEAP SUNRISE Challenge“ (LEAP für Learning, Experimenting, Advancing and Progressing).
Der Wettbewerb stellte die über 60 teilnehmenden Studierenden aus neun europäischen Ländern vor eine anspruchsvolle Mission: innerhalb weniger Wochen ein aus Sicht von Studierenden mutiges und innovatives akademisches Programm zu entwerfen, das die europäische Hochschulbildung neu denkt.
Ein hochschulübergreifendes Bachelor-Programm für Digitale Transformation
Ob als Micro-Credential, Modul oder Studiengang, als Summer oder Winter School – im Mittelpunkt des Konzepts sollte mindestens ein Aspekt der sogenannten Triple Transition stehen: die ökologische, soziale oder digitale Transformation. Dazu kamen weitere Anforderungen: „Wichtig war, dass jede Idee eine internationale Mobilitätskomponente enthält – in Präsenz, virtuell oder hybrid –, das interdisziplinäre Lernen fördert, vielfältige Lehr- und Lernmethoden aufgreift und ohne Barrieren allen SUNRISE-Studierenden zugänglich ist“, erklärt Erik Gerlach, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Mechanik nachgiebiger Systeme der TU Ilmenau. Als so genannter Facilitator betreute er eine von insgesamt zehn studentischen Gruppen, die am Wettbewerb teilnahmen. Im Team des Ilmenauers: Studierende aus Bosnien und Herzegowina, Polen, Portugal und Schweden. Erik Gerlach:
Wir kamen aus völlig unterschiedlichen Kontexten. Doch schnell wurde klar: Wir teilen eine Vision. Es war eine tolle Erfahrung, wie gut internationale Zusammenarbeit über Online-Meetings klappen kann und wie sich nach und nach ein Gruppengefühl einstellt.
Diese Erfahrung machten auch Sumit Sharma, Student im englischsprachigen Masterstudiengang Research in Computer and Systems Engineering (RCSE) der TU Ilmenau, Theo Pereira de Araujo von der Université de Technologie de Compiègne (UTC) in Frankreich und Ebin Ephrem Elavathingal von der Mälardalens universitet in Schweden.
Die Idee der Studierenden: Ein Bachelor-Studiengang, der Studierende auf die digitale Transformation vorbereitet und befähigt, den europäischen Hochschulraum zukunftsweisend mitzugestalten. Das Bachelorprogramm, das die Studierenden entwickelten, fußt auf einer starken naturwissenschaftlichen Grundlage, integriert Nachhaltigkeitsaspekte und internationale Mobilität innerhalb des SUNRISE-Hochschulnetzwerks und Praktika. So soll es Studierende auf Berufsbilder der Zukunft vorbereiten und befähigen, zielorientierte digitale Lösungen in drei Schwerpunktthemenfeldern zu entwickeln: nachhaltige, inklusive und vernetzte Städte und Regionen (Smart Cities & Public Innovation), Technologie im Dienst des Menschen (Industry 5.0) und Innovation mit gesellschaftlichem Mehrwert (Digital Entrepreneurship & Tech4Good).
Für diese Idee wurden die Studierenden beim SUNRISE Summit Ende September in Compiègne, Frankreich, mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Mehr als ein Wettbewerb: Ein Labor für die Zukunft Europas
Der Wettbewerbsgewinn ermöglicht es Sumit Sharma und seinem Gewinnerteam nun, ihr Konzept gemeinsam mit Expertinnen und Experten der SUNRISE-Hochschulen weiterzuentwickeln. Denn mit dem Gewinn war die Zusage verknüpft, das Programm, zumindest ähnlich, tatsächlich umzusetzen.
„Welche Universitäten der Hochschulallianz sich konkret beteiligen, steht noch nicht abschließend fest“, erklärt Prof. Anja Geigenmüller, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der TU Ilmenau.
Es wäre aber wünschenswert, dass auch Studierende der TU Ilmenau das Programm innerhalb der Allianz studieren und sich damit in einem europäischen Arbeitsmarkt sehr gut positionieren können.
Für die Studierenden war der Wettbewerbsgewinn daher mehr als eine Auszeichnung: Sie war ein Labor für Studieninhalte und Studiengänge, die für die Zukunft Europas bedeutsam sind. Sumit Sharma
Unser Ziel ist es, diese Idee wirklich mit Leben zu füllen – also nicht nur einen neuen Studiengang mitzuentwickeln, sondern auch den Fortschritt gemeinsam mit der Allianz im Blick zu behalten. Außerdem wollen wir die Idee der Allianz und unseres Programms unter den Studierenden bekannter machen und regelmäßig Rückmeldungen einholen, damit sie sich weiterentwickelt und wirklich etwas bewirkt.
SUNRISE ist ein Verbund von neun europäischen Hochschulen. Die Partner der Allianz vereint neben ähnlicher Größe und Lage abseits von Ballungszentren ihr Schwerpunkt im MINT-Bereich – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – sowie ein gemeinsames Ziel: durch einen intensiven Austausch und strategische Zusammenarbeit die Zukunft von Studium, Lehre, Forschung und Innovation zum Wohle der Gesellschaft zu gestalten und dabei zu einer europäischen Hochschule zusammenzuwachsen.