Vom 14. bis 18. Juli 2025 fand an der Freien Universität Bozen die SUSEE Summer School statt – ein zentrales Format im Rahmen des europäischen Projekts SUSEE – Smaller Universities for Sustainability in Engineering Education. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ingenieurwissenschaftliche Systeme nachhaltig geplant und gestaltet werden können. Besonderes Augenmerk galt dem Ansatz des Axiomatic Design in Verbindung mit Systems Engineering – einer Methode, die hilft, komplexe technische Systeme systematisch und zielgerichtet zu entwickeln.
Das Projekt SUSEE vereint die Technische Universität Ilmenau, die Freie Universität Bozen (Italien), die University of Information Technology and Management Rzeszów (Polen) sowie die Université de Technologie de Compiègne (Frankreich). Insgesamt nahmen 46 Studierende und Promovierende an der Sommerschule teil.
Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa und den USA – darunter Prof. Chris Brown (WPI, USA), Prof. David Cochran (Purdue University, USA) und Prof. João Fradinho (NOVA Lissabon) – hielten Online-Vorlesungen und bewerteten die Abschlusspräsentationen der Teams. Von der TU Ilmenau war Prof. Dr.-Ing. Stephan Husung mit einer Vorlesung zum Model-Based Systems Engineering (MBSE) vertreten – einem strukturierten Ansatz, der Nachhaltigkeitsaspekte wie Recycling, Wiederverwendung oder Aufbereitung frühzeitig in die Entwicklung technischer Systeme einbezieht.
Praxisprojekte mit realen Herausforderungen
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der praktischen Anwendung des Gelernten. Die Teilnehmenden besuchten Unternehmen der Region wie Alpitronic, TechnoAlpin und Gresmalt – ihre aktuellen Herausforderungen bildeten die Grundlage für drei interdisziplinäre Projektarbeiten:
- Alpitronic: Entwicklung eines Assistenzsystems für die Montage von Ladesäulen
- TechnoAlpin: Neugestaltung einer mobilen Schneefabrik unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten
- Gresmalt: Konzeption eines KI-gestützten Agenten zur datenbasierten Produktionsoptimierung
Die TU Ilmenau war mit Studierenden und Promovierenden aus den Bereichen Maschinenbau, Medienwissenschaften, Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen vertreten.
David Jussupov, Masterstudent Maschinenbau, resümiert:
Das SUSEE-Programm ermöglichte es mir, ein Projekt im Bereich KI mitzugestalten – ein Thema, das für mich Neuland war. Ich habe viel gelernt und die Expertise meiner internationalen Teammitglieder sehr geschätzt.
Interkultureller Austausch und Ausblick auf Bozen
Neben dem intensiven Fachprogramm bot die Woche auch viele Gelegenheiten zum persönlichen Austausch: ein Empfang auf dem Dach der Universität, ein Ausflug zum Kalterer See, eine Weinverkostung auf dem historischen Weingut Tiefenbrunner und ein gemeinsamer Abschlussabend mit Aperitivo.
Romana Rauch, Masterstudentin Wirtschaftsingenieurwesen, war beeindruckt:
Die Woche war intensiv, aber unglaublich inspirierend. Besonders beeindruckt hat mich die Betriebsführung bei Alpitronic – und der Austausch mit Studierenden aus anderen Ländern. Die Freie Universität Bozen lebt Nachhaltigkeit auf dem Campus.
Die Studierenden arbeiteten unter Zeitdruck in zufällig zusammengesetzten Teams – eine Erfahrung, die nicht nur fachliches Können, sondern auch soziale Kompetenzen forderte. Rishi Deepak Mohan Gharpuray hebt hervor:
Es war eine wertvolle Erfahrung, gemeinsam mit Kommilitoninnen und Kommilitonen aus unterschiedlichen Fachrichtungen ein eigenes Konzept zu entwickeln. Das Zusammenspiel aus Technik, Teamarbeit und kulturellem Rahmenprogramm war hervorragend.
Die besten Projekte der Summer School erhalten die Möglichkeit, ihre Ergebnisse 2026 auf der 18. International Conference on Axiomatic Design (ICAD) am MIT in Boston zu präsentieren – eine besondere Auszeichnung und Motivation für alle Beteiligten.
Safi Sulaiman, Masterstudent der Mikro- und Nanotechnologie und seit 2024 Mitarbeiter im SUSEE-Projekt, war maßgeblich am Erfolg seines Teams beteiligt, das in Bozen den ersten Platz belegte, resümiert:
Die Summer School war fachlich und persönlich eine großartige Erfahrung. Das SUSEE-Projekt hat gezeigt, wie eng Nachhaltigkeit und moderne Ingenieurausbildung miteinander verbunden sein können.