Yue Xiong hat Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Ilmenau studiert und arbeitet heute als Patentanwältin in Peking. Auf der PATINFO 2025 kehrte sie an ihre Alma Mater zurück. Im Gespräch erzählt sie, wie sie durch zwei Wahlpflichtkurse zum Patentrecht in Ilmenau ihre Berufung fand – und was sie an der Arbeit mit Erfindungen bis heute fasziniert.
Hallo Yue, du arbeitest heute in einer Patentanwaltskanzlei in Peking. Wie bist du zum ersten Mal mit dem Patentwesen in Berührung gekommen?
Während meines Masterstudiums der Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Ilmenau hatte ich noch keine Ahnung vom Patentrecht. Ich habe dann zwei Semester lang Kurse zum Thema besucht – bei Dr. Christoph Hoock und Prof. Frank Fechner. Das war meine erste Begegnung mit dem Patentsystem. Ich fand das spannend, also habe ich mich nach dem Studium in China weitergebildet und direkt in einer Kanzlei angefangen.
Was hat dich damals an diesen Kursen so begeistert?
Ich wollte verstehen, warum Patente so wichtig sind und was hinter einem Patent steckt. Ich habe mich z.B. gefragt, warum so viele Patente in meiner Heimat China angemeldet werden – das Thema war für mich sehr spannend! Im Patentwesen verbinden sich Technik, Recht und Internationalität. Das hat genau zu meinem Profil gepasst.
Wie sieht dein Arbeitsalltag als Patentanwältin aus?
Meine Arbeit ist sehr vielseitig. Ich unterstütze Erfinderinnen und Erfinder sowie Unternehmen dabei, ihre Ideen rechtlich abzusichern – vom Schreiben der Patentanmeldung bis zur Kommunikation mit dem chinesischen Patentamt. Außerdem bin ich oft in Kontakt mit internationalen Kanzleien. Ein weiterer wichtiger Teil ist der Austausch auf internationalen Konferenzen – wie jetzt hier auf der PATINFO, oder zuletzt in den USA bei der INTA, der größten Markenrechtskonferenz.
Du besuchst weltweit Konferenzen. Was schätzt du an der PATINFO?
Die PATINFO ist für mich etwas ganz Besonderes – nicht nur, weil sie an meiner ehemaligen Universität stattfindet. Sie ist sehr gut organisiert und bietet einen aktuellen Überblick über Entwicklungen im Bereich des geistigen Eigentums, besonders auch zur Rolle von KI in der Patentwelt. Es sind viele verschiedene Unternehmen aus Deutschland und Europa vor Ort – auch Serviceanbieter mit spannenden Lösungen. Für mich als Patentanwältin ist das eine tolle Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Wenn europäische Firmen in China Patente anmelden möchten, können solche Treffen der erste Schritt für eine Zusammenarbeit sein. Ich finde es sehr wertvoll, dass es diese Plattform an der TU Ilmenau gibt.
Zur PATINFO bist du zurück an deine Alma-Mater gekommen. Wie fühlt sich das an?
Es ist ein schönes Gefühl, wieder auf dem Campus zu sein – fast zehn Jahre später. Ich bin ein bisschen spazieren gegangen, habe die Gebäude wiedererkannt, Erinnerungen sind hochgekommen. Die TU Ilmenau war eine sehr prägende Zeit für mich. Deshalb freue ich mich, bei einer Konferenz dabei zu sein, die genau hier stattfindet.