Eine Woche lang standen an der TU Ilmenau Nachhaltigkeitsthemen und gemeinsames Handeln im Mittelpunkt – erstmals auch im Austausch mit Partnern der Europäischen Hochschulallianz SUNRISE. Vom 17. bis 24. Oktober luden zahlreiche Veranstaltungen Studierende und Mitarbeitende dazu ein, sich mit nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen, Ideen einzubringen und selbst aktiv zu werden. Die Sustainability Days zeigten: Nachhaltigkeit ist eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Universität. Viele der angestoßenen Aktivitäten wirken über die Aktionswoche hinaus weiter.
Insgesamt 61 Teilnehmende, die zusammen 652,5 Kilometer gewandert sind, und jede Menge neue Erkenntnisse: Die beiden SUNRISE Walks zum Auftakt, begleitet von Stadtförster Matthias Wetzel und Prof. Jens Wolling, waren trotz herbstlichen Wetters ein voller Erfolg. Gemeinsam erkundeten die Teilnehmenden die Wälder rund um Ilmenau, erfuhren mehr über den Waldumbau und aktuelle Herausforderungen für die Thüringer Wälder und lernten zugleich die Aktivitäten der europäischen Hochschulallianz SUNRISE kennen. So verbanden die Wanderungen Bewegung an der frischen Luft mit spannendem Wissensaustausch und gelebter Gemeinschaft.
Forschung für den Wald der Zukunft
Wie kann Forschung dazu beitragen, die Wälder für die Zukunft zu stärken? Dieser Frage widmeten sich am Montag ein Kurzvortrag von Prof. Dr. Jens Wolling zur Geschichte Ilmenaus und der nachhaltigen Waldnutzung sowie Einblicke von Prof. Gunter Notni in aktuelle Forschungsarbeiten des Bündnisses „Holz-21-regio“. Vorgestellt wurden neue Technologien und Lösungen für eine klimaresiliente Forstwirtschaft, die Interessierte am Nachmittag im Versuchsfeld Newtonbau auch praktisch erleben konnten. So zeigte unter anderem das IMMS Sensorik zur Überwachung des Wasserhaushalts.
Am Abend griff der Ilmenau Sustainability Corner im hsf Studentenradio das Thema erneut auf und diskutierte mit Prof. Notni die Potenziale und Grenzen von Kameratechnik, Messtechnik und Robotik für den Wald der Zukunft. Die angeregten Gespräche lieferten zugleich erste Ideen für die nächsten Nachhaltigkeitstage im Frühjahr.
Von europäischen Partnern lernen
Einen besonderen Blick über den Campus hinaus ermöglichte das Online-Symposium „Sustainability Transformation at HEIs in SUNRISE Alliance Network“ am Dienstag. Vertreterinnen und Vertreter der SUNRISE-Partneruniversitäten stellten in Kurzpräsentationen ihre Aktivitäten und Ansätze im Bereich Nachhaltigkeit vor.
Für die TU Ilmenau war dieser Austausch vor allem eines: eine Gelegenheit, von den Erfahrungen anderer Hochschulen zu lernen und zugleich die eigenen Aktivitäten kritisch zu betrachten. Denn auch an der TU Ilmenau gibt es bereits zahlreiche Initiativen. Gleichzeitig besteht Potenzial, Nachhaltigkeitsaktivitäten stärker sichtbar zu machen, weiterzuentwickeln und miteinander zu verknüpfen.
Für Prof. Jens Wolling von der Task Group Nachhaltigkeit der TU Ilmenau, die den Weg der Universität hin zu einer Sustainable Community begleitet, war die Verbindung von SUNRISE und Sustainability Days deshalb besonders wertvoll:
Die Sustainability Days haben gezeigt, wie vielfältig das Engagement an der TU Ilmenau ist. Der Austausch mit unseren SUNRISE-Partnern hat uns zugleich gezeigt, wie viel wir voneinander lernen können. Deshalb war es eine Win-Win-Situation, die internationalen Aktivitäten mit den Sustainability Days zu verbinden und wir wollen diesen Austausch im Frühjahr mit einem Treffen der Nachhaltigkeitsaktiven unserer Partneruniversitäten in Ilmenau fortsetzen.
Nachhaltigkeit zum Mitmachen
Dass nachhaltiges Handeln nicht immer große Projekte voraussetzt, zeigten zahlreiche Angebote im weiteren Verlauf der Woche.
Bei der Filmnacht mit dem Hochschulfilmclub bot „WALL·E“ einen ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Zugang zu Umweltverschmutzung, Ressourcenverbrauch, Technik und Verantwortung. Im Workshop „Kleidung kreativ recyceln“ wurde aus ausgedienter Kleidung etwas Neues. Im Makerspace der Universitätsbibliothek konnten Teilnehmende eigene Ideen umsetzen, Erfahrungen austauschen und zugleich Anregungen für weitere Open-Lab-Angebote sammeln.
Auch beim Markt der Möglichkeiten im Mensafoyer kamen unterschiedliche Perspektiven auf Nachhaltigkeit zusammen. Besonders die Second Hand Fashion Corner stieß auf großes Interesse: Zahlreiche Kleidungsstücke wechselten den Besitzer und erhielten damit eine zweite Chance.
Ein Campus, der gemeinsam wächst
Dass solche Aktivitäten über die Sustainability Days hinaus Bestand haben sollen, zeigt auch die große Beteiligung am Gartenprojekt. „Besonders erfolgreich entwickelt sich derzeit unser Campusgarten, bei dessen Planung und praktischer Umsetzung sich viele Studierende und Mitarbeitende beteiligen“, berichtet Prof. Jens Wolling. Beim Community-Treffen konnten sich neue Interessierte über das Projekt informieren und gemeinsam überlegen, wie es weitergeht. Gleichzeitig waren die Gartenhelfer während der gesamten Woche praktisch aktiv und entfernten einen großen Teil des invasiven Staudenknöterichs.
Auch an anderer Stelle legten Engagierte auf dem Campus Hand an: Beim Frühlingsblumenzwiebelfest setzten sie weitere Blumenzwiebeln. Sie sollen im Frühjahr nicht nur für Farbe auf dem Campus sorgen, sondern Insekten eine frühe Nahrungsquelle bieten.
Auf der Ehrenbergwiese entstand außerdem gemeinsam der erste Teil einer Benjeshecke aus Gehölzschnitt. Sie soll künftig Tieren Schutz und Lebensraum bieten. Und mit einem neu gepflanzten Kirschbaum setzte die AG Nachhaltigkeit des Studierendenrates die Tradition fort, einen Baum für die Absolventinnen und Absolventen zu pflanzen. „Er soll nicht nur den Campus grüner machen, sondern auch ein Symbol für die Verbundenheit mit der Universität sein“, so Romana Rauch von der Nachhaltigkeits-AG. „Wir hoffen, dass unserer Absolventen immer wieder an ihre ehemalige Hochschule zurückkehren und beobachten können, wie ihr Baum Jahr für Jahr wächst und gedeiht.
Reparieren, weiterverwenden, nachhaltig mobil unterwegs
Zum Abschluss der Sustainability Days standen praktische Fragen des nachhaltigen Alltags im Mittelpunkt. Beim gemeinsamen Aktionstag von Ingenieure ohne Grenzen und ADFC Thüringen konnten Fahrräder codiert und defekte Gegenstände repariert werden. Die Fahrradcodierung stieß auf so großes Interesse, dass selbst das ADFC-Team positiv überrascht war.
Beim Repariertreff wurde unterdessen geschraubt, geprüft und getüftelt. Dass ausgerechnet eine Kaffeemaschine das erste erfolgreich reparierte Gerät des Tages war, sorgte dabei für einen passenden Abschluss, wie Romana Rauch erzählt:
Die musste nach der Reparatur natürlich ausgiebig getestet werden! Ein gelungener Abschluss der Nachhaltigkeitstage, der zeigte, wie praktisch, gemeinschaftlich und manchmal auch genussvoll Nachhaltigkeit sein und gelebt werden kann.
Besonders schön sei zu sehen gewesen, wie viele Menschen sich mit eigenen Ideen, Neugier und Tatkraft eingebracht hätten.
Einige Projekte werden uns auch über die Nachhaltigkeitstage hinausbegleiten, denn Nachhaltigkeit endet nicht mit dem Veranstaltungsprogramm. Wir freuen uns darauf, gemeinsam weiterzumachen und unseren Campus Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, Kooperationspartner, Helfer und Teilnehmenden, die diese Woche möglich gemacht haben!
Impressionen
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Romana Rauch
Arbeitsgemeinschaft (AG) Nachhaltigkeit des StuRa