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„Wissenschaft funktioniert viel besser, wenn man sie teilt“

Ist der Nordpol betrunken? Mit dieser Frage eröffnete Doktorand Andreu Queralt McBride am 4. Februar den ersten Science Slam des PhD Stammtischs an der TU Ilmenau, initiiert von Kamila Costa: „Wir wollen zeigen, dass Wissenschaft zwar sehr präzise, sorgfältig und methodisch korrekt sein muss, um zuverlässig, nachvollziehbar und überprüfbar zu sein, zugleich aber auch sehr zugänglich und spielerisch sein kann“, so die Doktorandin. 

Verantwortliche und Teilnehmer Science Slam 2026 Jens Müller
Vizepräsident Prof. Stefan Sinzinger (r.) und Alexandra Dalek (2.v.r.) vom Graduate Center der TU Ilmenau überreichten Paulina Marczakiewicz-Perera, Andreu Queralt McBride, Carsten Gatermann und Kamila Costa (v.l.n.r.) Urkunden für die Teilnahme am Science Slam

Unter dem Motto „Wissenschaft funktioniert viel besser, wenn man sie teilt“ präsentierten insgesamt vier Nachwuchsforschende im Rahmen des internen Wissenschaftsforums ihre Arbeiten auf unterhaltsame Art. 

„Ist der Nordpol betrunken?“

„Heute werde ich eine Frage behandeln, die Sie sich sicherlich jeden Morgen stellen: Ist der Nordpol betrunken?“ Damit – und mit einem Augenzwinkern – eröffnete Andreu Queralt McBride den ersten Science Slam des PhD Stammtischs im Audimax. Der Doktorand kam im April 2025 aus Barcelona nach Ilmenau und forscht am Institut für Thermo- und Fluiddynamik im Bereich der Magnetohydrodynamik. Konkret beschäftigt er sich mit der Frage, wie Magnetfelder den Fluss elektrisch leitender Flüssigkeiten beeinflussen. In seiner Präsentation erklärte der Nachwuchswissenschaftler auf humorvolle Weise, warum der geographische und magnetische Nordpol an unterschiedlichen Orten liegen und warum der Nordpol ständig seine Position verändert – und beantwortete getreu seinem Motto auch Fragen aus dem Publikum: 

Für mich ist Wissenschaft das beste Werkzeug, um menschliche Neugier zu befriedigen.

Neugierig machte die Zuhörerschaft auch Paulina Marczakiewicz-Perera aus Polen, die am Institut für Chemie und Biotechnik zu mikrofluidischen Plattformen für Pflanzenzellen forscht. Ihr System ermöglicht es, Pflanzenfarmen zu betreiben und zu untersuchen, „die so klein sind, dass man sei nur unter dem Mikroskop sehen kann“. Ihr Ziel: frühe Entwicklungsprozesse von Pflanzenzellen unter verschiedenen Bedingungen zu untersuchen und so wichtige Grundlagen für spätere Optimierungs- und Auswahlstrategien zu schaffen. Auch für sie bedeutet Wissenschaft ständige Neugier und das Beantworten neuer Fragen, die während der Forschung auftauchen – so wie beim Science Slam im Audimax im Anschluss an ihre Präsentation.

Unter dem Motto „Science made easy“ stellte Carsten Gatermann, Diplomabsolvent der Elektrotechnik und Informationstechnik und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Elektrische Energieversorgung, seine Forschungen zu elektrischen Energiesystemen vor: „Black Out in Spanien und Portugal, Integration von Wasserstoff und Erneuerbaren Energien in das Energiesystem und Umstellung von Wechsel- auf Gleichstromnetze: Die Herausforderungen in unserem Energiesystem, die wir in den nächsten Jahren bewältigen müssen, sind immens – und komplex.“ Im Audimax skizzierte der Nachwuchswissenschaftler diese Herausforderungen in nur zehn Minuten auf einfache und unterhaltsame Weise. Dabei motivierte er das Publikum zugleich, diese Veränderungen aktiv mitzugestalten.

Abschließend präsentierte Kamila Costa, Elektroingenieurin aus Brasilien, ihre Forschungen zur Optimierung des Blitz- und Überspannungsschutzes großer Photovoltaik- und Agri-Photovoltaikanlagen. Denn der starke Ausbau der Solarenergie bringt neue Herausforderungen mit sich: Große Solaranlagen benötigen viel Platz und konkurrieren zunehmend mit landwirtschaftlichen Flächen. Agri-Photovoltaik bietet dafür eine Lösung, indem Landwirtschaft und Stromerzeugung auf derselben Fläche gleichzeitig möglich sind. Doch wie kann das äußere Blitzschutzsystem solcher Anlagen optimiert werden, um den Materialeinsatz zu minimieren und Personal und Nutztiere zu schützen? Diese Forschungsfrage präsentierte Kamila Costa beim Science Slam humorvoll. Ihr Motto: 

Wissenschaft passiert dort, wo Neugier auf Verantwortung trifft und Fragen nie aufhören, gestellt zu werden.

Fragen gab es auch beim Science Slam viele – und am Ende zudem Zertifikate für die Teilnehmenden, überreicht von Prof. Stefan Sinzinger, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, und Alexandra Dalek vom Graduate Center der Universität. Ihr galt auch der besondere Dank von Science Slam-Initiatorin Kamila Costa:

Ohne ihre Unterstützung von Beginn an wäre diese Initiative nie so konkret geworden.

Mit dem ersten Science Slam begeisterten die Promovierenden nicht nur das Publikum, sondern schafften auch einen lockeren Raum zum Vernetzen, Austauschen und offenen Gespräch – so wie es auch das Ziel des PhD Stammtischs selbst ist, einer Initiative von Doktorand*innen für Doktorand*innen an der TU Ilmenau. Initiatorin Kamila Costa: 

Alle Promovierenden, aber auch Masterstudierende, die eine Promotion in Betracht ziehen, sind herzlich willkommen bei unserem Stammtisch.

Unterstützt wird die Initiative vom Graduate Center, dem Referat für Gleichstellung, Diversität und Gesundheit, dem we4you Studierendenservice und der Promovierendenvertretung der TU Ilmenau.