Johannes Belkner und Daniel Seichter sind für ihre herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten an der Technischen Universität Ilmenau mit dem Dagmar Schipanski Preis geehrt worden. Ihre ausgezeichneten Dissertationen zeigen, wie an der TU Ilmenau Forschung entsteht, die technologische Grenzen verschiebt und konkrete Anwendungen in der Industrie und Gesellschaft ermöglicht.
Ausgezeichnete Spitzenforschung: Dagmar Schipanski Preis für zwei Ilmenauer Wissenschaftler
Präzisionsfertigung neu gedacht
Johannes Belkner wurde für seine Dissertation „Beiträge zum Direktlaserschreiben auf gekrümmten Oberflächen“ ausgezeichnet. Seine Forschung zur Integration von Bearbeitungs- und Messoptik ermöglicht in Zukunft feinste Strukturen – hundertmal dünner als ein menschliches Haar – mit einem Laser akkurat auch auf unebenen Werkstücken zu erzeugen. Bislang gelang dies mit hoher Güte vor allem auf flachen Werkstücken, da schon kleine Abweichungen vom idealen Laserfokus zu Fehlern führen. Mittels des neuen Systems kann das Werkstück bis auf einzelne Nanometer stabil im Fokus gehalten werden.
Dafür kombinierte er hochgenaue Nanopositioniertechnik, neue konfokale Messverfahren und intelligente Algorithmen zur Fehlerkorrektur. Eine optimierte Laserstrahlführung sorgt zusätzlich für stabilere Ergebnisse. Dr. Belkner erklärt:
Das eröffnet neue Möglichkeiten für die flexible Herstellung hochspezialisierter makroskopischer Bauteile, etwa in der Optik, Medizintechnik oder Sensorik – besonders dort, wo individuelle Lösungen gefragt sind, also für einzelne Prototypen oder kleine Produktserien.
Johannes Belkner studierte Mechatronik an der Technische Universität Ilmenau und schloss dort 2019 seinen Master of Science ab. Zwischenzeitlich sammelte er internationale Erfahrung bei einem Forschungsaufenthalt in Taiwan sowie als wissenschaftliche Hilfskraft am Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena. Seit April 2020 promovierte Belkner als Teil des interdisziplinären Graduiertenkollegs „Spitzen- und laserbasierte 3D-Nanofabrikation in ausgedehnten makroskopischen Arbeitsbereichen“ (3D-NanoFab), das seit 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Breits drei Generationen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hatten so bereits die Möglichkeit, in einem Forschungs- und Qualifizierungsprogramm spezialisierte Spitzenforschung zu betreiben und auf höchstem Niveau zu promovieren.
Im Juni 2024 verteidigte Johannes Belkner seine unter Betreuung von Prof. Eberhard Manske und Prof. Thomas Kissinger sowie Prof. Peter Lehmann von der Universität Kassel angefertigte Dissertation mit summa cum laude. Seitdem arbeitet er als Postdoktorand am Institut für Prozessmess- und Sensortechnik der TU Ilmenau mit den Themenschwerpunkten Präzisionsmesstechnik mittels Konfokalmikroskopie und Nanopositionierung in fünf Raumrichtungen.
Roboter, die verstehen statt nur sehen
Ebenfalls mit dem Dagmar Schipanski Preis geehrt wurde Daniel Seichter für seine Dissertation zur KI-basierten Umgebungsanalyse in der mobilen Robotik, die er am Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik unter Leitung von Prof. Horst-Michael Groß anfertigte. Als weitere Gutachter wirkten Prof. Tamim Asfour vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Prof. Wolfram Burgard von der Universität Nürnberg (UTN) mit, zwei international anerkannte Robotik-Experten.
Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie Roboter Innenräume nicht nur erfassen, sondern wirklich „verstehen“ können. Dafür entwickelte der Wissenschaftler Deep-Learning-Verfahren, die Objekte erkennen, Szenen interpretieren und diese Informationen geeignet kombinieren. So analysieren die von ihm entwickelten Systeme Räume nicht nur detailliert, sondern auch besonders effizient direkt auf dem Roboter – ein entscheidender Vorteil für den praktischen Einsatz.
Dabei verknüpfte Daniel Seichter diese Analysen auch mit dreidimensionalen Karten, die so weit mehr als nur Geometrie enthalten. Sie speichern auch Bedeutung und Kontextinformationen und werden so zu einer echten Wissensbasis für den Roboter. Das ermöglicht eine bessere Navigation, vorausschauende Planung und sicherere Interaktion mit Menschen. Prof. Groß:
Erste erfolgreiche Anwendungen im Bereich der Häuslichkeit im Rahmen unserer Forschungsprojekte MORPHIA und CO-HUMANICS zeigen, dass diese Ansätze bereits praxistauglich sind.
Daniel Seichter absolvierte 2017 seinen Master in Ingenieurinformatik mit Auszeichnung. Im Oktober 2024 schloss er auch seine Promotion mit summa cum laude ab. Heute arbeitet er als Teamleiter für Nahfeldwahrnehmung beim Unternehmen Spleenlab, wo er an KI-Software für autonome Systeme mit Fokus auf Sicherheit und Zuverlässigkeit arbeitet. Der TU Ilmenau ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik mit Aufgaben in Lehre und Forschung noch immer in Nebentätigkeit verbunden.
Der Dagamar Schipanski Preis wurde Dr. Johannes Belkner und Dr. Daniel Seichter am 26. März 2026 beim Empfang der Stadt Ilmenau vom Vorsitzenden der Universitätsgesellschaft Ilmenau, Prof. Peter Scharff, und Ilmenaus Oberbürgermeister Dr. Daniel Schultheiß überreicht.
Über den Dagmar Schipanski Preis
Der Dagmar Schipanski Preis wird von der „Universitätsgesellschaft Ilmenau – Freunde, Förderer, Alumni e. V.“ vergeben und würdigt jährlich herausragende Dissertationen mit besonderer wissenschaftlicher Qualität und gesellschaftlicher Relevanz. Benannt ist der Preis nach der Physikerin und ehemaligen Thüringer Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski, die sich über viele Jahre für Wissenschaft und Forschung eingesetzt hat. Die Auszeichnung hebt gezielt Arbeiten hervor, die nicht nur fachlich exzellent sind, sondern auch Impulse für Innovation und Anwendung geben – ein Anspruch, den beide diesjährigen Preisträger in besonderer Weise erfüllen.
Kontakt
Gitta Hummel
Universitätsgesellschaft Ilmenau - Freunde, Förderer, Alumni e.V.