124 Abschlusszeugnisse, sechs Promotionsurkunden und eine Habilitation: Am 24. Oktober standen im Audimax der TU Ilmenau Menschen im Mittelpunkt, die an der Universität Wissen erworben, eigene Ideen entwickelt haben und nun neue Wege einschlagen. Ob in der Forschung, in der Wirtschaft oder im Ausland, die Absolventenfeier machte deutlich: Ihre Zeit in Ilmenau hat ihnen das Rüstzeug gegeben, Antworten auf die Fragen ihrer Zeit zu suchen und gesellschaftliche Herausforderungen zu adressieren.
Können Roboter Menschen dabei helfen, wieder auf die Beine zu kommen? Mit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Andrea Scheidig in ihrer Habilitation am Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik der Fakultät für Informatik und Automatisierung unter Leitung von Prof. Horst-Michael Groß. In verschiedenen Projekten untersuchte sie, wie Assistenzroboter Menschen nach Erkrankungen oder Verletzungen beim selbstständigen Gehen unterstützen können. Wie sie sich dabei sicher bewegen und erkennen können, was der Mensch braucht, um angemessen mit ihm zusammenarbeiten, damit beschäftigt sich die Wissenschaftlerin auch künftig an der TU Ilmenau:
Mobilität und Interaktivität von Assistenzrobotern sind wichtige Voraussetzungen, um Patienten ein zielführendes Eigentraining in der Gangrehabilitation zu ermöglichen. Ich freue mich darauf, die gewonnenen Erkenntnisse sowohl in die weitere Forschung als auch in die Lehre unserer Universität einzubringen.
Die Zukunft von Wissenschaft und Technologie mitgestalten
Einen anderen Weg geht Dr. Sebastian Bohm. Für seine Doktorarbeit am Fachgebiet Theoretische Physik I unter der Leitung von Prof. Erich Runge entwickelte er eine winzige Pumpe, die Flüssigkeiten ohne mechanische Kolben oder Membranen mithilfe elektrischer Spannung bewegt. Die gemeinsam mit dem Ilmenauer Unternehmen 5microns entwickelte „E-PunCh“ könnte künftig dort zum Einsatz kommen, wo kleinste Flüssigkeitsmengen präzise bewegt werden müssen, beispielsweise in der Medizintechnik.
Für die wissenschaftliche Qualität seiner Arbeit, ihren Innovationsgrad sowie die intensive Nutzung der Forschungsinfrastruktur des Zentrums für Mikro- und Nanotechnologien (ZMN) an der TU Ilmenau erhielt Bohm im Rahmen der Absolventenfeier gleich zwei Preise: den mit 1.000 Euro dotierten ZMN-Promotionspreis und den mit 2.000 Euro dotierten Dagmar-Schipanski-Preis der „Universitätsgesellschaft Ilmenau – Freunde, Förderer, Alumni e. V.“ für herausragende wissenschaftliche Leistungen und Menschen, die mit ihrer Arbeit die Zukunft von Wissenschaft und Technologie mitgestalten. „Dr. Sebastian Bohm vereint hierfür wesentliche Eigenschaften: wissenschaftliche Exzellenz, methodische Kreativität, interdisziplinäres Denken und die Fähigkeit, Erkenntnisse in praktische Lösungen zu überführen“, so der Vorstandsvorsitzende der Universitätsgesellschaft, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Peter Scharff, in seiner Laudatio. Heute arbeitet Dr. Bohm als Postdoc an der Technischen Hochschule Chalmers im schwedischen Göteborg und forscht dort weiter auf dem Gebiet der Fluidik. Prof. Scharff:
Auch dieser nächste Schritt zeigt, dass seine bisherigen Arbeiten kein abgeschlossener Endpunkt sind, sondern eine Grundlage für weitere wissenschaftliche Entwicklungen.
Stellvertretend für alle Bachelor- und Master-Absolventinnen und Absolventen blickte Georg Markus Thüsing auf die Studienzeit zurück. Sein eigener Studienweg führte ihn ebenfalls über Ilmenau hinaus: Nach seinem Bachelorstudium der Mechatronik war er im Rahmen seiner Masterarbeit als Gastwissenschaftler an der University of Canterbury im neuseeländischen Christchurch tätig. In seiner mit 1,0 bewerteten, vom Fachgebiet Mechatronik betreuten Arbeit untersuchte er, wie sich etablierte regelungsbasierte Verfahren zur experimentellen Aufzeichnung von Messkurven nichtlinearer Systeme auf sogenannte parametererregte Systeme übertragen lassen. Für diese existierten im Vorfeld kaum angepasste Algorithmen.
Thüsing erinnerte in seinem Redebeitrag vor allem an die aus seiner Sicht „exzellenten Rahmenbedingungen am Fuße des Rennsteigs“. An keiner anderen Universität oder Hochschule seien zuletzt so viele Patente je Mitarbeiter angemeldet worden wie in Ilmenau. Bei den Drittmitteln pro Professur belege die TU auch in diesem Jahr wieder einen hervorragenden Platz innerhalb der Top 10 unter den 83 Universitäten in Deutschland und auch der Betreuungsschlüssel könne sich im Bundesvergleich sehen lassen:
Nicht zuletzt ist unsere Uni auch international ausgezeichnet vernetzt. Ich selbst hatte die unvergessliche Gelegenheit, einen Teil meines Studiums am anderen Ende der Welt zu verbringen. Möglich gemacht haben das die Kontakte des betreuenden Hochschullehrers meiner Abschlussarbeit, Herrn Prof. Thomas Sattel.
Seit Juli 2026 setzt Thüsing seine Forschungen als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Mechatronik der TU Ilmenau fort.
Technik für den Menschen
So unterschiedlich die Lebensläufe und Leistungen sind, die bei der Absolventenfeier gewürdigt wurden, so verbindet sie doch einen Gedanken Wissen soll nicht im Hörsaal oder im Labor bleiben. Es soll helfen, technische Herausforderungen zu lösen, Menschen in der Region und weltweit zu unterstützen und neue gesellschaftliche Perspektiven zu eröffnen. Und es geht mit Verantwortung einher.
Sie haben in einer Zeit studiert, in der Wissen nur einen Tastendruck entfernt ist […] Aber eine Antwort ist nicht gleich eine Einsicht. Ob ein Ergebnis plausibel ist, ob eine Quelle verlässlich ist, ob das, was technisch möglich ist, wirklich getan werden sollte: Die Antwort auf diese Frage kann Ihnen niemand abnehmen. Die Verantwortung haben Sie. Und das ist das, was man in einem Studium lernt […]: zu prüfen, zu hinterfragen, Zusammenhänge zu sehen. Das macht den Unterschied zwischen Ausbildung und Bildung.
Der Studierendenrat (StuRa) zeichnete zudem besonders ehrenamtlich engagierte Studierende aus, die während ihrer Studienzeit in Vereinen oder Verantwortung für ihre Gemeinschaft übernehmen.
Das würdigte auch Universitätspräsident Prof. Kai-Uwe Sattler in seiner Festrede: Viele der Absolventinnen und Absolventen hätten sich während ihrer Studienzeit in Vereinen, Initiativen und Gremien engagiert:
Engagieren Sie sich weiter! […] Sie haben Spuren hinterlassen – an der Universität, in der Stadt und in den Herzen Ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen. Sie haben Verbindungen und Netzwerke aufgebaut, die vielleicht ein Leben lang halten. Setzen Sie das fort – auch in Ihrem Job!
Ein Baum, der symbolisch für den weiteren Weg steht
Auch über das Studium hinaus soll dieses Engagement sichtbar bleiben: So pflanzt die Nachhaltigkeits-AG des Studierendenrats seit 2025 für ihre ausscheidenden Mitglieder einen Baum auf dem Campus. Die neue Tradition ist Teil des Weges der TU Ilmenau zu einer „Sustainable Community“ und gibt dem Engagement der Studierenden einen bleibenden Platz auf dem Campus – verbunden mit der Hoffnung, dass sie sich auch in Zukunft für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen werden, wie die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Anja Geigenmüller, zum Abschluss der Veranstaltung erklärte:
Der gemeinsam gepflanzte Baum wird Wurzeln schlagen, über sich hinaus wachsen und für die Natur und uns Gutes tun – Schatten spenden, Sauerstoff produzieren und dabei helfen, Wasser im Boden zu speichern. Möge dieser Baum symbolisch für Ihren weiteren Weg stehen und uns dauerhaft an Ihren wertvollen Beitrag für unsere Universität und eine nachhaltigere Zukunft erinnern.