Die Frage!

Was hat Sie zur Wissenschaft gebracht – und was möchten Sie weitergeben?

Hinter jeder Forschung stehen Menschen, Ideen und Geschichten. Zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft 2026 haben wir Promotionsstudentinnen, Postdocs und Professorinnen, die mit Neugier, Leidenschaft und Engagement forschen, gefragt: Woran forschen Sie? Was hat Sie zur Wissenschaft gebracht? Und welchen Rat würden Sie Mädchen und jungen Frauen in der Wissenschaft geben? 

Viktoria Mayr

Felipa Reinlein, Fachgebiet Innovationsmanagement

In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich mit der sektorübergreifenden Kreierung von Innovationen, insbesondere im Kontext gemeinwohlorientierter Innovationen. Parallel bin ich Teil des Ausgründungsprojektes "unparallabs", das hochintegrierte, software-definierte Messsysteme entwickelt. Diese Verbindung von Forschung und aktivem Forschungstransfer begeistert mich besonders. Ich habe in der Industrie gearbeitet, bevor ich meine Doktorarbeit angefangen habe. Das hat mich nicht gänzlich erfüllt. Als neugieriger, vielseitiger und wissbegieriger Mensch wollte ich tiefer gehen, Dinge wirklich verstehen, eigene Fragen stellen und fundiert beantworten dürfen. Meine Doktorarbeit und Forschung bedeuten für mich intellektuelle Freiheit, kritisches Hinterfragen und die Möglichkeit, aktiv an Themen zu arbeiten, die gesellschaftlich relevant sind und mir persönlich am Herzen liegen. Mein tägliches Arbeiten folgt dem Motto "failing forward": Jeder Fehltritt ist eine Chance für Wachstum, Innovation und Durchhaltevermögen. Mein Rat: Habt den Mut, euch selbst zu verwirklichen und neue Perspektiven zu erforschen!

TU Ilmenau/Mara Seupel

Katja Uhrhan, Fachgebiet Biomechatronik

Aktuell erforsche ich das Ermüdungsverhalten von Muskeln, wenn sie durch elektrische Stimulation (EMS) aktiviert werden. Mithilfe der Elektromyografie messe ich dabei die Muskelaktivität, um zu analysieren, wie stark ein Muskel tatsächlich beansprucht wird. So lässt sich besser abschätzen, wann ein Training sinnvoll intensiv ist – und wann es zu viel wird. Ziel ist es, Trainingsintensitäten objektiv einschätzen zu können und EMS in Therapie und Fitness sicherer und wirksamer zu machen. Zur Wissenschaft gebracht hat mich die Faszination für die Funktionsweise des menschlichen Körpers und der Wunsch, dieses Wissen für medizintechnische Lösungen nutzbar zu machen. Mein Rat: Lasst euch nicht entmutigen oder einschüchtern, wenn ihr bei einem Praktikum, im Studium, im Projektteam oder auf Kongressen die einzige oder eine der wenigen (jungen) Frauen seid. Steht zu euren Interessen, vertraut auf eure Fähigkeiten und geht euren Weg ganz selbstverständlich!

TU Ilmenau/Mara Seupel

Prof. Dr. Kathy Lüdge, Fachgebiet Theoretische Physik II

Meine Forschungsthemen kommen aus der Nichtlinearen Dynamik, Lasermodellierung und Photonik. Im interdisziplinären Feld des Neuromorphen Computings erforschen wir, mit welchen Systemen und Algorithmen effizientes analoges Computing optisch zu realisieren ist. Gesellschaftlich ist dies von Bedeutung, da aktuell enorme Energiemengen für Computing und künstliche Intelligent bereitgestellt werden müssen. Energieeffiziente Lösungen abseits der üblichen Rechnerarchitekturen sind daher von großem Interesse. Neugier und Wissensdurst waren für mich schon als Kind allgegenwärtig. Im Physikstudium konnte ich meinen Drag, den Dingen auf den Grund zu gehen, weiter ausleben und habe auch während der Promotion und Habilitation nicht damit aufgehört. Mein Rat: Macht, was Euch Freude bereitet! Forschung ist sehr erfüllend, führt manchmal zu durchgemachten Nächten, aber auch zu spannenden Erkenntnissen und Erfolgsgefühlen. Beharrlichkeit, Selbstvertrauen und ein verlässliches privates und berufliches Netzwerk sind wichtige Schlüssel, um Hürden zu meistern.

Stephan Riehmer

Ting Xie, Elektrochemische Biotechnologie

Ich arbeite an der Entwicklung eines mikroelektrochemischen Reaktorsystems. Dieses System ermöglicht es, elektroaktive Mikroorganismen parallel zu kultivieren und ihr Verhalten präzise zu analysieren. Langfristig möchte ich dazu beitragen, elektrische Energie effizient in Biomasse und wertvolle Produkte umzuwandeln und damit nachhaltige Technologien voranzubringen. Schon früh hat mich die Frage fasziniert, wie sich grundlegende wissenschaftliche Prinzipien in reale Anwendungen übersetzen lassen. Besonders spannend finde ich die Arbeit an der Schnittstelle von Elektrochemie, Biologie und Mikrofluidik. Im Labor bedeutet das oft, Schritt für Schritt Verbindungen zwischen diesen Bereichen zu finden. Dieser Weg ist nicht immer einfach, aber genau darin liegt für mich die größte Motivation: Herausforderungen zu verstehen und kreative Lösungen zu entwickeln. Mein Rat: Fortschritt entsteht nicht immer durch Schnelligkeit, sondern oft durch geduldiges und tiefes Nachdenken. Wissenschaft lebt von unterschiedlichen Perspektiven – und Frauen können hier eine entscheidende Rolle spielen.

Nicole Kalamarski, Fachgebiet Biotechnische Mikro- und Nanosysteme für die Lebenswissenschaften/Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

In meiner Doktorarbeit forsche ich an der infektiösen Endokarditis, einer lebensbedrohlichen Entzündung der innersten Schicht des Herzens. Um neue Behandlungsansätze zu entwickeln, etabliere ich ein polymikrobielles Biofilm-Modell, das eine bakteriell infizierte Herzklappe unter Laborbedingungen nachbildet und als Testplattform für antibiotikabeladene Nanopartikel dient, die gezielt in den Biofilm eindringen und die Bakterien dort bekämpfen sollen. Was mich zur Wissenschaft gebracht hat, ist Neugier und die Leidenschaft, Antworten zu finden. Von meinen Eltern habe ich gelernt, dass man ruhig Umwege gehen darf, Dinge ausprobieren sollte und die beste Lösung oft dort wartet, wo man zuerst nicht hingeschaut hat. Mein Rat: Tu das, was dir Spaß macht. Wenn dir etwas leichtfällt und dich begeistert, ist das kein Zufall, sondern ein Wegweiser. Wissenschaft ist kein Sprint, sondern ein langer Weg. Und auf einem langen Weg trägt dich nur das, was du wirklich liebst.

Elisabeth Wagner-Olfermann, International Risk, Crisis, and Science Communication Research Group

In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich damit, wie transnationale politische Führung während grenzüberschreitender Krisen in der Medienberichterstattung dargestellt und legitimiert wird. Gleichzeitig arbeite ich im MOVEwell-Projekt daran, die Mobilitätswende im ländlichen Thüringen voranzutreiben. Angesichts der Debatte um die Erhöhung der Wochenarbeitszeit interessiert mich als Wissenschaftlerin und Mutter zuletzt die Frage, wie unbezahlte Arbeit öffentlich und politisch thematisiert und verhandelt wird. Die Faszination für Wissenschaft ist nach meinem Bachelorstudium gewachsen, als ich in einer Kampagnenagentur gearbeitet und festgestellt habe, dass ich meist viel mehr recherchieren wollte als notwendig – und dank einer faszinierenden Professorin, die mir in meinem Masterstudium gezeigt hat, wie spannend ein kommunikationswissenschaftlicher Blickwinkel auf viele gesellschaftliche und politische Fragen ist. Mein Rat: Man sollte sich nicht ständig vergleichen und stattdessen, gerade als Frau, gern auch mal hörbar für seine eigenen Ziele und Bedürfnisse einstehen. Dafür gibt es inzwischen eine Menge toller Initiativen wie MOM@Science.

TU Ilmenau/Mara Seupel

Dr. Lina Jaurigue, CZS Nachwuchsgruppe für Interpretierbare Modelle für effiziente analoge Zeitserienvorhersage

Ich nutze die komplexe Dynamik physikalischer Systeme für Berechnungen und interessiere mich dafür, wie verschiedene Methoden des maschinellen Lernens diese Dynamiken beeinflussen. Das ist relevant für Anwendungen in der Sensorik, für Zeitreihenprognosen oder die Klimamodellierung. Ich mochte schon immer die Gewissheit. Formeln hatten eindeutige Lösungen. Antworten auf Fragen über die physikalische Welt waren weniger von der Interpretation meiner Lehrer und davon abhängig, wie eloquent sie formuliert waren. Heute sehe ich das etwas anders: In der Forschung gibt es definitiv nicht immer Gewissheit, und eine eloquente Ausdrucksweise spielt in der wissenschaftlichen Kommunikation eine große Rolle. Mein Rat: Wenn du das Gefühl hast, dass du als Frau anders behandelt wirst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das auch stimmt. Oft sind diese Unterschiede nicht offensichtlich und kommen von Menschen, die es gut meinen. Manchmal entstehen daraus auch Chancen, die sich auf individueller Ebene unfair anfühlen können, im größeren gesellschaftlichen Zusammenhang jedoch dazu beitragen, Ungleichgewichte auszugleichen, und genutzt werden sollten.

TU Ilmenau/Mara Seupel

Clara Stolzenberg, Theoretische Elektrotechnik

Ich möchte im Reinraum Sensoren – sogenannte SQUIDs – herstellen. SQUIDs (superconducting quantum interference devices) sind hochsensible Magnetfelddetektoren. Die Sensoren sollen Ressourcen in tiefen Erdbereichen als Inhomogenitäten im Magnetfeld messen. Mein Ziel ist es, die Suche nach tief liegenden Rohstoffen umweltfreundlicher zu gestalten, indem die Anzahl notwendiger Bohrungen reduziert wird. Im Master hatte ich die Möglichkeit ein Paper zu schreiben und ein wissenschaftliches Poster zu gestalten. So habe ich alle mir aufgekommenen Unbekannten am wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt. Die Forschung habe ich über mehrere Jahre als HiWi näher kennengelernt und konnte frühzeitig praktische Erfahrung im Reinraum sammeln. Als ich das Angebot bekam, die mich interessierenden Grundlagen im Rahmen einer Promotion weiter zu entdecken, musste ich nicht lang überlegen. Lebenswege sind nicht immer geradlinig. Die Begeisterung am Forschen, das Überwinden von eigenen und fremden Zweifeln und Resilienz sind langfristig entscheidender. Mein Rat? Geh‘ Deinen eigenen Weg!