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India Day: TU Ilmenau intensiviert Zusammenarbeit mit Indien

Beim India Day Thuringia, einer gemeinsamen Veranstaltung der TU Ilmenau und der LEG Thüringen, tauschten sich Industrie, Wissenschaft und Politik über einen weiteren Ausbau der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Indien aus. Im Fokus standen u.a. Kooperationen im Energie- und Technologiesektor, aber auch mit Blick auf den Fachkräftemangel. Gemeinsam mit dem indischen Generalkonsul erörterte die TU Ilmenau konkrete Möglichkeiten und Chancen für Kooperationen und die Studierendengewinnung.

TU Ilmenau/Eleonora Hamburg
PD Dr. Sukhdeep Singh, Mit-Initiator des India Days Thuringia, B. S. Mubarak, indischer Generalkonsul, Wolfgang Tiefensee, Thüringens Wirtschafts- und Wissenschaftsminister sowie Prof. Jens Müller, Vizepräsident für Internationale Beziehungen und Transfer TU Ilmenau, zeigten sich offen für eine Intensivierung der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Thüringen und Indien.

„India is always more than you think“ – diesen Satz zitiert Dr. Jürgen Nützel oft, wenn er über seine neuen Geschäftsbeziehungen im südasiatischen Kontinent spricht. Der Geschäftsführer des IT-Unternehmens 4FriendsOnly.com Internet Technologies AG und Privatdozent an der TU Ilmenau hat 2023 eine Firmenniederlassung in der Universitäts- und Industriestadt Vadodara eröffnet, drittgrößte Stadt im westindischen Bundesstaat Gujarat. Seine anfängliche Erwartung, dort Software günstiger als in Deutschland zu entwickeln, ist weit übertroffen worden. Vor Ort gelang es ihm, sich mit einer großen belgischen Softwarefirma zu vernetzen und so einen neuen Geschäftszweig aufzubauen.

Genau wie die Ilmenauer IT-Firma entdecken immer mehr Thüringer Unternehmer Indien als Partner. Sie wollen neue Absatzmärkte für den Export erschließen, sehen aber auch großes Potenzial in der Produktion und bei der Anwerbung von Fachkräften, erklärt Anita Spiegler, Projektleiterin Süd- und Südostasien bei der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG).

An der TU Ilmenau werden deutsch-indische Beziehungen bereits seit vielen Jahren erfolgreich gepflegt. Als einzige technische Universität Thüringens verzeichnet sie nicht nur einen hohen Anteil indischer Studierender, sondern unterhält auch Hochschulpartnerschaften mit mehreren Indian Institutes of Technologies − ingenieurwissenschaftlich-technologisch ausgerichtete universitäre Bildungseinrichtungen in Indien.

Mit dem Ziel, die Thüringer Unternehmen beim Geschäftsaufbau in Indien zu unterstützen sowie den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Austausch noch weiter zu vertiefen, haben die LEG und die TU Ilmenau erstmals einen India Day Thuringia an der TU Ilmenau organisiert. Teilnehmende aus der Industrie, Wissenschaft und Politik informierten sich einen Tag lang über die Möglichkeiten und Herausforderungen in Indien – vom erfolgreichen Markteintritt über das dortige Bildungssystem bis hin zum interkulturellen Verständnis in der Geschäftspraxis. Beim Wettbewerb „Indian Business Idol“ präsentierten indische Studierende innovative Ideen zur Förderung der Geschäftsbeziehungen zwischen Thüringer Unternehmen und Indien.

Der indische Generalkonsul, B. S. Mubarak, warb für sein Land als Partner in Bereichen wie Energie, Wirtschaft, Technologie und Innovation sowie Mobilität von Arbeitskräften. Etwa 1,5 Millionen Ingenieurinnen und Ingenieure in Indien schließen laut B. S. Mubarak jedes Jahr ihr Studium ab und könnten dazu beitragen, die im Zuge des demographischen Wandels entstandene Lücke auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu schließen.

Im anschließenden Gespräch mit dem Vizepräsidenten für Internationale Beziehungen und Transfer, Prof. Jens Müller, wurden konkrete Möglichkeiten und Chancen für Kooperationen und die Studierendengewinnung erörtert. Dabei wurde auch die Sprachbarriere als wesentliche Hürde für eine erfolgreiche Integration genannt: „Englisch ist zwar in vielen Unternehmen bereits üblich und etabliert, es gibt jedoch auch ein Leben neben dem Job“, führte Jens Müller aus. „Deutschsprachkenntnisse bilden die Grundlage für die Integration in die Gemeinschaft.“

Der Generalkonsul wies auf eine Initiative von indischen Hochschulen hin, die gezielt neben dem Fachstudium eine vertiefte Deutschausbildung anbieten, um den Studierenden im 4. Studienjahr die Möglichkeit zu bieten, an einer deutschen Hochschule das Studium abzuschließen.

Für eine Erlernung der deutschen Sprache bereits vor dem Studium in Deutschland – dafür spricht sich auch PD Dr. Sukhdeep Singh aus. Er ist 2008 aus der indischen Millionenmetropole Amritsar nach Ilmenau gezogen und leitet die Forschungsgruppe Bioorganische Chemie bioaktiver Oberflächen an der TU Ilmenau. Mit seinem interkulturellen Verständnis beider Kulturen engagiert er sich im German Indian Round Table der LEG, aus dem die Idee zum India Day an der TU Ilmenau hervorging, und steht Studierenden, Wissenschaftler*innen und der Thüringer Wirtschaft als Ansprechpartner zur Seite. Viele Studierende und Wissenschaftler*innen wie PD Dr. Sukhdeep Singh lernen, lehren und forschen an der TU Ilmenau – und gehören damit zu den hochqualifizierten Köpfen, die Thüringen voranbringen können, so der Wissenschaftler:

Die TU Ilmenau ist mit ihrer Spitzenforschung international ein Leuchtturm, der qualifizierte Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Ich sehe die Universität als Vermittler zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, um diese Menschen für Thüringer Unternehmen zu begeistern.

Zum Abschluss des Tages organisierten Studierende mit Unterstützung des KuKo e.V. und des International Office der TU Ilmenau das Diwali-Fest, das indische Lichterfest, das von B. S. Mubarak eröffnet wurde. Gemeinsam mit den Gästen feierten sie im Audimax der TU Ilmenau, dem größten Hörsaal der Universität, mit Musik, Tanz und traditionellem Essen.

Impressionen des India Day Thuringia an der TU Ilmenau

Kontakt

Prof. Jens Müller

Vizepräsident für Internationale Beziehungen und Transfer