Von der ersten Idee zum eigenen Start-up: Mit zwei neuen Gründungsberatern verstärkt der Ilmkubator, der Gründungsservice der TU Ilmenau, sein Team. Magnus Kraus und Stefan Schmitz unterstützen Studierende, Forschende und Absolventinnen und Absolventen auf dem Weg in die Selbstständigkeit – von der ersten Idee über die Entwicklung eines Geschäftsmodells bis zur konkreten Gründung.
Dabei geht es um weit mehr als Beratung: Der Ilmkubator vermittelt Kontakte zu Mentoren, Partnern und potenziellen Kunden, informiert über Fördermöglichkeiten, bietet Workshops und Vernetzungsveranstaltungen und schafft mit dem IlmkubatorLab Raum, um Ideen praktisch auszuprobieren und Prototypen zu entwickeln. Über das Thüringer Hochschulgründungsnetzwerk StarTH steht zudem ein hochschulübergreifendes Netzwerk mit vielfältigem Know-how zur Verfügung.
Im Interview erzählen die beiden Gründungsberater, was sie selbst am Gründen begeistert, mit welchen Fragen Gründungsinteressierte zu ihnen kommen können und warum für eine gute Gründung nicht nur eine gute Idee, sondern auch ein gutes Team entscheidend ist.
Herr Kraus, Herr Schmitz, wie sind Sie zum Thema Gründung gekommen?
Magnus Kraus: Ich komme ursprünglich aus München und habe Wirtschaftswissenschaften in Bayreuth und Mannheim studiert. Schon während des Studiums habe ich mich für Hochschulgründungen und Innovationen interessiert und mich in studentischen Netzwerken engagiert.
Stefan Schmitz: Ich komme aus Mainz und habe meinen Master, in dem Technologie- und Innovationsmanagement zentrale Elemente waren, an der TU Chemnitz gemacht. Währenddessen habe ich zweieinhalb Jahre am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik gearbeitet und mich in meiner Masterarbeit mit der Wirtschaftlichkeitsbewertung grüner Wasserstofftechnologien und entsprechender Wertschöpfungsketten beschäftigt.
Was hat Sie an die TU Ilmenau geführt?
Stefan Schmitz: Mich hat vor allem der Ruf der TU Ilmenau als Hidden Champion angesprochen. Das Umfeld ist unglaublich spannend: Was hier gemacht wird, ist fachlich sehr fundiert. Wenn man sich beispielsweise den Reinraum im Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien und die weitere Forschungsinfrastruktur anschaut, wird schnell deutlich, was die Universität zu bieten hat. Gerade im Bereich Deep Tech gibt es hier enormes Potenzial.
Was genau ist Ihre Aufgabe als Gründungsberater?
Magnus Kraus: Wir wollen Studierende und Forschende dafür begeistern, Gründung als mögliche Perspektive mitzudenken – während des Studiums, nach dem Studium oder während der Promotion. Forschungsergebnisse können auf diesem Weg in die Anwendung kommen und gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Nutzen entfalten.
Innerhalb des Thüringer Hochschulgründungsnetzwerkes StarTH spezialisieren wir uns im Rahmen der Gründungsunterstützung thematisch. Mein Schwerpunkt liegt vor allem auf dem Vertiefungsbereich “Künstliche Intelligenz (KI) und Digitale Geschäftsmodelle“. Stefan koordiniert die Vertiefung „Technology und Deep Tech“. Das sind Bereiche, in denen die TU Ilmenau besonders stark ist.
Vorteil der Kooperation im Rahmen von StarTH ist, dass wir nicht jedes Thema selbst abdecken müssen.
Über StarTH können wir Gründungsinteressierte mit Expertinnen und Experten anderer Thüringer Hochschulen zusammenbringen – etwa, wenn es um bestimmte Förderprogramme, Female Founders oder andere Spezialthemen geht. Wir verstehen uns deshalb ausdrücklich als Netzwerk und nicht als Einzelkämpfer.
Was passiert, wenn jemand mit einer ersten Idee zu Ihnen kommt?
Magnus Kraus: Zunächst vereinbaren wir ein Erstgespräch und schauen uns den aktuellen Stand an: Was ist schon passiert? Was ist das Ziel? Wo möchte sich die Person oder das Team hinentwickeln? Anschließend arbeiten wir gemeinsam mit dem Team heraus, welche Unterstützung sinnvoll ist – von Coachings, Kontakten oder Workshops bis hin zu konkreten Fördermöglichkeiten.
Stefan Schmitz: Eine wichtige Frage lautet dabei auch: Warum möchtest du eigentlich gründen? Geht es um ein möglichst schnell skalierbares Unternehmen? Soll eine Technologie in absehbarer Zeit auf den Markt oder verkauft werden? Oder soll daraus ein langfristiges Lebenswerk entstehen?
Je nachdem, wo jemand hinmöchte, sieht die Beratung ganz unterschiedlich aus. Unser Ziel ist, die richtigen nächsten Schritte und Kontakte zu finden.
Was unterscheidet dabei eine gute Idee von einem tragfähigen Gründungsvorhaben?
Stefan Schmitz: Eine Technologie oder Erfindung allein reicht nicht. Sie muss einen Anschluss an einen Markt finden, damit daraus eine Innovation werden kann. Dafür braucht es Zeit, Ressourcen und ein Team, das diese Entwicklung auch leisten kann.
Deshalb schauen wir nicht nur auf die technische Idee, sondern auch darauf, ob die notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten vorhanden sind – und was möglicherweise noch fehlt.
Welche Rolle spielt das Team?
Stefan Schmitz: Eine sehr große. Vor einer Gründung steht oft eine Art Selbstfindungsphase: Man muss herausfinden, wie man zusammenarbeitet, Entscheidungen trifft und gemeinsame Strukturen schafft.
Ich habe beispielsweise schon Teams beraten, die über Peru, Deutschland und Taiwan verteilt waren und trotzdem hervorragend funktioniert haben. Umgekehrt kann es sein, dass Menschen, die in derselben WG wohnen, schlecht zusammenarbeiten. Nähe allein ist also kein Erfolgsfaktor.
Magnus Kraus: Gerade deshalb versuchen wir auch, Menschen zusammenzubringen, die sich mit ihren Kompetenzen ergänzen. Über StarTH können wir Kontakte zu Personen auch aus anderen Hochschulen herstellen, die beispielsweise betriebswirtschaftliches Wissen oder Projektmanagement-Kompetenzen mitbringen.
Wie wichtig ist es, dass ein Gründungsteam unterschiedliche Kompetenzen vereint?
Stefan Schmitz: Sehr wichtig. Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine hervorragende Technologie entwickelt haben, bedeutet das noch nicht automatisch, dass sie auch ein Unternehmen aufbauen können. Dafür braucht es auch unternehmerische Kompetenzen. Oder es fehlen beispielsweise Kompetenzen im Produktdesign oder der Programmierung.
Wenn solche Kompetenzen im eigenen Umfeld fehlen, können wir über das StarTH-Netzwerk nach passenden Personen an anderen Hochschulen suchen. So entstehen im besten Fall neue Teams.
Das Netzwerk hilft auch dabei, Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen. Daraus können neue Kooperationen oder sogar Gründungsteams entstehen.
Sie sprechen viel über Netzwerke. Mit wem arbeiten Sie konkret zusammen?
Magnus Kraus: Innerhalb der TU Ilmenau gibt es zahlreiche Partner, beispielsweise das PATON, UNIKAT oder natürlich die verschiedenen Fachbereiche. Dazu kommen externe Partner wie das Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau, das Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum ThEx, die IHK oder verschiedene Forschungseinrichtungen. Auch das Gründerforum Ilmenau e.V., die Gründungsalumni der TU Ilmenau und die TU Ilmenau Transfer GmbH gehören zu unserem Netzwerk. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit anderen Hochschulen außerhalb Thüringens zusammen, etwa der TU Chemnitz und der TU Bergakademie Freiberg.
Stefan Schmitz: Wir haben kürzlich einmal visualisiert, mit wie vielen Partnern wir eigentlich verbunden sind – und kamen allein dabei auf rund 60 bis 70. Das zeigt, wie breit das Netzwerk ist.
Sie haben beide unterschiedliche Perspektiven auf das Gründen. Was fasziniert Sie persönlich daran?
Magnus Kraus: Mich begeistert die Möglichkeit, einer eigenen Idee und Begeisterung zu folgen – und vor allem der Machergeist. Genau diesen wollen wir auch in unserem IlmkubatorLab fördern. Dort gibt es beispielsweise 3D-Drucker und andere Maschinen, mit denen man Ideen direkt ausprobieren kann.
Man muss also nicht erst warten, bis alles perfekt vorbereitet ist. Man kann anfangen, etwas zu bauen, zu testen und daraus zu lernen.
Stefan Schmitz: Ich bin selbst eher risikoavers und sehe mich deshalb gern als Optimierer. Mich fasziniert, wenn Menschen den Mut haben, neue Wege auszuprobieren und bewusst ins Risiko zu gehen.
Meine Aufgabe ist dann, die Ideen kritisch zu hinterfragen: Sind die Ressourcen vorhanden? Ist das technisch machbar? Gibt es die notwendigen Kompetenzen? Diese Fragen können manchmal nerven – aber sie helfen dabei, aus einer guten Idee einen realistischen Plan zu machen.
Bremst kritisches Hinterfragen also den Gründergeist nicht aus?
Stefan Schmitz: Im Gegenteil. Es soll nicht ausbremsen, sondern helfen, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Wenn die Antwort lautet: Ja, wir haben das Know-how, die Ressourcen und die notwendigen Leute – umso besser. Wenn etwas fehlt, überlegen wir gemeinsam, wie wir diese Lücke schließen können.
Ich habe bereits mehrere Jahre nebenbei ehrenamtlich Start-ups beraten und dabei mit sehr unterschiedlichen Menschen und Technologien gearbeitet. Man lernt jedes Mal etwas Neues dazu.
Der Schwerpunkt in Ilmenau liegt auf Bereichen „KI und Digitale Geschäftsmodelle“ sowie „Technology und Deep Tech“. Was ist, wenn jemand mit einer ganz anderen Gründungsidee kommt?
Magnus Kraus: Auch dann sind wir die richtigen Ansprechpartner und unterstützen bei der Geschäftsmodellentwicklung. Beim Ilmkubator ist jede Gründungsidee von Angehörigen der TU Ilmenau willkommen! Über StarTH können wir beispielsweise Themen wie Female Founders, Social Impact oder Sustainability abdecken.
Welche Angebote gibt es für Studierende, die noch gar keine konkrete Gründungsidee haben?
Magnus Kraus: Wir bieten jedes Semester Veranstaltungen rund um das Thema Gründung an. Weitere niederschwellige Angebote wie zum Beispiel Hackathons oder Workshops gibt es durch unsere Partner im Rahmen der Europäischen Hochschulallianz SUNRISE. Bei der Finanzierung der Aufenthalte bei den Partneruniversitäten unterstützt das International Office.
Mit dem IlmkubatorLab haben wir einen Ort, an dem man ganz praktisch ausprobieren kann, was möglich ist. Man kann beispielsweise mit Maschinen arbeiten, Prototypen bauen oder einfach lernen, wie bestimmte Technologien funktionieren. Das sind bewusst niederschwellige Angebote. Man muss keine fertige Geschäftsidee mitbringen.
Was würden Sie jemandem sagen, der eine Idee hat, sich aber nicht traut, damit zu Ihnen zu kommen?
Magnus Kraus: Dass genau dafür unsere Beratung da ist. Ideen sind am Anfang meistens noch nicht ausgereift. Man muss also nicht mit einem fertigen Geschäftsmodell kommen. Wir schauen gemeinsam: Was ist die Idee? Was wäre ein sinnvoller nächster Schritt? Welche Methoden, Kontakte oder Angebote könnten helfen?
Was muss man also mitbringen, um gründen zu können?
Stefan Schmitz: Vor allem die Bereitschaft, sich auf das Thema einzulassen. Es gibt kein „Gründer-Gen“ und man muss auch nicht dem Klischee des genialen Einzelkämpfers entsprechen.
Wir freuen uns über jeden, der mit einer Idee zu uns kommt – egal, ob sie gerade erst entstanden ist oder schon weit entwickelt ist. Im Ilmkubator und unserem Netzwerk gibt es viele Menschen, die Lust haben, gemeinsam etwas aufzubauen.
Man muss nicht wie Steve Jobs in der eigenen Garage leben. Man kann einfach vorbeikommen, wenn man eine Idee hat. Den Rest schauen wir uns gemeinsam an.
Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit an der TU Ilmenau in den nächsten Jahren erreichen?
Magnus Kraus: An der TU Ilmenau konnten in diesem Jahr bereits zwei Teams erfolgreiche EXIST-Forschungstransfer-Projekte einwerben. Daran möchten wir anknüpfen und die Gründungsberatung an der TU Ilmenau weiter verstetigen. Hochschulen haben beim Thema Innovation und Gründung eine wichtige Rolle – gerade dort, wo neue Technologien entstehen.
Stefan Schmitz: Uns geht es um mehr als möglichst viele Start-ups. Wir möchten unternehmerisches Denken an der Universität fördern. Auch wer am Ende nicht gründet, kann davon profitieren: Wer gelernt hat, Chancen zu erkennen, Probleme strukturiert anzugehen und Ideen auszuprobieren, kann diese Fähigkeiten auch im Studium, in der Forschung oder im späteren Berufsleben einsetzen.
Zum Schluss: Wenn Sie selbst heute gründen würden – was wäre Ihr Vorhaben?
Magnus Kraus: Ich könnte mir vorstellen, einen Ort wie das IlmkubatorLab in meiner Heimatstadt aufzubauen. Ich finde es wichtig, Menschen früh an praktische Kompetenzen heranzuführen und ihnen einen Raum zu geben, in dem sie Dinge ausprobieren können. Genau das hat mir während meines Studiums ein Stück weit gefehlt.
Stefan Schmitz: Ich würde mich wahrscheinlich im Bereich grüner Wasserstoff und dessen Einsatz in der Industrie bewegen. Dort gibt es noch Lücken und spannende Geschäftsmöglichkeiten.
Und es müsste gar kein Unicorn werden. Ich könnte mir auch ein Unternehmen vorstellen, das langsam und nachhaltig wächst. Es muss nicht immer um maximale Skalierung gehen.
Innovative Gründungen aus Thüringer Hochschulen
Am 5. November 2026 bringt das Thüringer Hochschulgründungsnetzwerk StarTH im Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Ilmenau Gründungsteams, Gründungsinteressierte und Partner aus dem Technology- und Deep-Tech-Bereich zum StarTH Technology & Deep Tech Forum 2026 zusammen.
Im Mittelpunkt stehen innovative Gründungen aus Thüringer Hochschulen, persönliche Gründungsgeschichten und die Frage, was es neben einer starken Technologie braucht, um aus Forschung und Ideen erfolgreiche Gründungsvorhaben zu entwickeln.
Kontakt
Dr. Dörte Gerhardt
Leiterin Referat Forschungsservice und Technologietransfer (FuT)