Drei Tage lang stand Ilmenau im Zeichen des geistigen Eigentums: Vom 10. bis 12. Juni kamen auf Einladung des PATON | Landespatentzentrum Thüringen an der TU Ilmenau Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Informationsdienstleistung zur PATINFO2026 zusammen. Unter dem Motto „Zukunft sichern durch IP“ diskutierten sie über den Schutz von Intellectual Property in Zeiten von Künstlicher Intelligenz, geopolitischem Wandel und Innovationsdruck.
Im Mittelpunkt der größten Fachkonferenz ihrer Art in Deutschland standen neue Formen der IP-Intelligence – datengetriebene Methoden zur Analyse und strategischen Nutzung von Schutzrechtsinformationen. Zahlreiche Vorträge beleuchteten die Möglichkeiten und Herausforderungen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Innovations- und Schutzrechtsprozessen. Diskutiert wurden unter anderem aktuelle Aktivitäten internationaler Organisationen an der Schnittstelle von KI und geistigem Eigentum, die Weiterentwicklung des europäischen Patentsystems sowie neue Entwicklungen im Marken-, Design- und Urheberrecht.
„Patente müssen geistiges Eigentum wirksam schützen“, so die Thüringer Wirtschaftsministerin Colette Boos-John in ihrem Grußwort.
Wir verzeichnen eine hohe Patentaktivität an den Hochschulen, und das zeigt, dass vor allem auch der Transfer aus der Forschung in die Wirtschaft gut funktioniert. Unsere wirtschaftsnahen Forschungsinstitute und Universitäten haben daran einen sehr großen Anteil, aber ohne Zweifel auch der Gastgeber dieser Konferenz, das Landespatentzentrums Thüringen, das PATON.
Künstliche Intelligenz und der geopolitische Wandel seien prägende Themen, die unsere Gegenwart gestalten. Daher müsse vor allem die Resilienz in Deutschland gestärkt und Zukunftstechnologien wirksam geschützt werden:
Geistiges Eigentum und andere immaterielle Vermögenswerte gehören zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren eines so kleinen und agilen Landes. Vor allem für die sehr hohe Anzahl von kleinen und mittelständischen Unternehmen und Startups in Thüringen ist das Thema der Schutzrechte ein wichtiger Baustein, um Innovation wirtschaftlich und erfolgreich gestalten und sich im internationalen Wettbewerb behaupten zu können.
Auch die Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts in München, Eva Schewior, betonte die Bedeutung eines leistungsfähigen Schutzrechtssystems für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
Schutzrechte für eine souveräne und wettbewerbsfähige Wirtschaft und den Wohlstand der Menschen
Wir brauchen die Expertinnen und Experten, die zum Beispiel Ausgründungen aus den Unis unterstützen sowie Startups und traditionelle KMU begleiten, um den Wirtschaftsstandort Thüringen zu stärken und mit gewerblichen Schutzrechten abzusichern.
Die Krisen unserer Zeit legten sich mitunter bleiern auf die Stimmung, so Schewior:
Es fällt manchmal schwer, die guten Entwicklungen zu sehen. Daher ist es schön, dass wir hier in Ilmenau auf eine immer konstruktive und lebendige Fachwelt treffen, um zu diskutieren, wie sich die Schutzrechte des geistigen Eigentums noch besser nutzbar machen lassen – für eine souveräne und wettbewerbsfähige Wirtschaft, den Wohlstand der Menschen in unserer Gesellschaft, nicht nur hier in Deutschland.
Besonderes Interesse, so PATON-Leiter Dr. Christoph Hoock, fand die Podiumsdiskussion zur Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig als Innovationsmotor spielen kann und welche Rahmenbedingungen dafür im Bereich des geistigen Eigentums erforderlich sind:
KI-Tools beeinflussen schon jetzt die Arbeit der Information-Professionals in erheblichem Ausmaß. Es ist jedoch aktuell nicht abzusehen, dass sie den Beruf von professionellen Recherchierenden überflüssig machen würden. Das Aussortieren von Fakten und Halluzinationen sowie die Interpretation – das „Storytelling“ und die beratende Funktion, wie die Ergebnisse zu interpretieren sind – werden noch längere Zeit der HI, der human intelligence, vorbehalten sein.
Neben dem Fachprogramm bot die PATINFO2026 auch ein umfangreiches Weiterbildungsangebot. In Workshops und erstmals auch in speziellen Experten-Trainings konnten die Teilnehmenden ihr Wissen zu Patentinformation, Schutzrechtsrecherche und IP-Management vertiefen. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Fachausstellung mit rund 30 Unternehmen aus aller Welt, die aktuelle Entwicklungen bei Datenbanken, Softwarelösungen und Informationsdienstleistungen präsentierten.
Nächstes Jahr wird die PATINFO Reihe vom 9. bis 11. Juni 2027 fortgesetzt mit dem Thema „IP als Brücke oder Barriere – Schutzrechte in Kooperation, Wettbewerb und strategischer Positionierung“.
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Dr. Christoph Hoock
Leiter PATON | Landespatentzentrum Thüringen