Mit Freude bei den Organisatoren und großem Interesse bei den Studierenden ist an der Technischen Universität Ilmenau und der Université de Lorraine in Nancy, Frankfreich, das neue Doppelabschlussprogramm in den Masterstudiengängen „Master of Science in Communications and Signal Processing (CSP)“ und „Master Ingénierie des Systèmes Complexes“ gestartet. Das gemeinsame Programm markiert einen wichtigen Schritt in der internationalen akademischen Zusammenarbeit beider Universitäten. Es eröffnet Studierenden einzigartige Perspektiven in der Wissenschaft, in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen führender Unternehmen sowie zur Weiterentwicklung ihrer persönlichen und interkulturellen Kompetenzen. Entstanden ist ein einzigartiger Studiengang, der Schwerpunkte im Bereich Signalverarbeitung und Kommunikationssysteme mit dem Thema Künstliche Intelligenz verbindet.
Erfolgreicher Start des neuen Doppelabschlussprogramms der TU Ilmenau und der Université de Lorraine in Frankreich
Eintauchen in die Welt komplexer Daten
Wer heute beispielsweise ChatGPT nutzt, bedient sich komplexer Algorithmen, die auf Grundlage großer Sprachmodelle die wahrscheinlichsten Antworten herausfiltern. Es sind jeweils anspruchsvolle mathematische Strukturen, die hochkomplexe Daten analysieren und verarbeiten können. Dies ist nicht nur für Chatbots interessant, sondern zum Beispiel auch für die Medizin, die Robotik oder moderne Kommunikationssysteme.
Ein Schlüsselkonzept ist dabei der sogenannte „Tensor“. Dabei handelt es sich um eine Verallgemeinerung der aus dem Schulunterricht bekannten Matrix, erweitert auf drei oder mehr Dimensionen, in denen sich solche Daten beschreiben lassen. Beispielsweise können Mobilfunksignale, die an mehreren Antennen zu verschiedenen Zeitpunkten und auf verschiedenen Frequenzen empfangen werden, dreidimensional dargestellt werden, etwa in den Dimension Raum, Zeit und Frequenz – und mit tensorbasierten Methoden wesentlich effizienter ausgewertet und optimiert werden als mit herkömmlichen Verfahren. Damit werden Kommunikationssysteme leistungsfähiger, sei es in der Satellitenkommunikation oder im Bereich von Assistenzsystemen. Das Anwendungsspektrum der Algorithmen ist breit. Das zeigt sich an aktuellen Forschungsthemen, die von der Prognose von Pollenkonzentrationen bis zu Empfehlungssystemen reichen, beispielsweise für personalisierte Werbung, Musik-, Film- oder Reiseempfehlungen.
Beide Universitäten, die TU Ilmenau und die Université de Lorraine, arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam an wegweisender Forschung zur tensorbasierten Signalverarbeitung, um mehrdimensionale Daten, beispielsweise für drahtlose Kommunikationssysteme oder in der biomedizinischen Signalverarbeitung, effizienter verarbeiten zu können. Durch das Doppelabschlussprogramm werden Studierende aktiv in diese länderübergreifende Forschung eingebunden.
Auswahl der Studierenden
Das Doppelabschlussprogramm richtet sich an leistungsstarke und international orientierte Studierende, die ihr Fachwissen in der Signalverarbeitung vertiefen möchten. Das Besondere: Die Studierenden der TU Ilmenau verbringen ihr drittes Semester an der Université de Lorraine in Nancy, wo sie spezialisierte Lehrveranstaltungen, etwa zu Green IT, numerischer Optimierung und Data Science, Statistischer Datenverarbeitung und Big Data oder adaptiver Signalverarbeitung und einem fortgeschrittenen Forschungsprojekt, besuchen und in ein neues akademisches Umfeld eintauchen.
Das Doppelabschlussprogramm bietet ausgewählten Studierenden der TU Ilmenau die Chance auf ein Studium an der Université de Lorraine. Im Rahmen der Studieneinführungswoche sowie in weiteren Informationsveranstaltungen werden den Studierenden der TU Ilmenau regelmäßig Details zum Programm vorgestellt. Zielgruppen sind dabei insbesondere Studierende mit sehr guten Leistungen im ersten Semester des CSP-Studienganges. Darüber hinaus werden aber auch Studierende der Elektrotechnik und Informationstechnik, Ingenieurinformatik oder Medieningenieurwissenschaft aktiv angesprochen, die tiefer in die Welt der Signalverarbeitung eintauchen möchten und sich mit dem Gedanken tragen, nach Abschluss des Bachelorstudiums in diesem Doppelabschlussprogramm Erfahrung im internationalen Kontext zu sammeln. Für den ersten Durchlauf wurden bereits die ersten vier Studierenden aufgrund ihrer sehr guten Leistungen im Studium für eine Aufnahme in das Programm ausgewählt. Einer der Teilnehmenden beschreibt seine Motivation derart:
Ein Studium sowohl in Deutschland als auch in Frankreich wird mir die Möglichkeit bieten, unterschiedliche akademische Umgebungen und Kulturen kennenzulernen. Ich bin überzeugt, dass mir dies helfen wird, mich sowohl persönlich als auch beruflich weiterzuentwickeln, und mich auf die Arbeit in internationalen Teams vorbereiten wird.
Flexibilität bei der Masterarbeit
Die Studierenden können ihre Abschlussarbeit entweder in Nancy oder in Ilmenau anfertigen – je nach Forschungsschwerpunkt und persönlicher Präferenz. Für die Betreuung sind dabei Betreuende jeweils aus Ilmenau und Nancy vorgesehen. Diese Flexibilität stärkt die individuelle Profilbildung und erleichtert den Einstieg in internationale Forschungsprojekte.
Ein Studienmodell mit internationalem Mehrwert
Durch die Kombination zweier renommierter Studiengänge erwerben die Teilnehmenden nicht nur vertieftes technisches Wissen, sondern auch wertvolle interkulturelle und sprachliche Kompetenzen – Fähigkeiten, die in der global vernetzten Ingenieurwelt zunehmend gefragt sind. Die ausgewählten Studierenden werden Mitglieder der renommierten Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) und können dadurch von den umfangreichen wissenschaftlichen, finanziellen und kulturellen Förderungs- und Vernetzungsmöglichkeiten der DFH profitieren.
Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) ist eine internationale Einrichtung mit eigener Rechtsform, die 1997 von Deutschland und Frankreich zu gleichen Teilen gegründet wurde. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, deutsch-französische Studiengänge zu initiieren, zu evaluieren und finanziell zu fördern. Vertreten ist ein breites Spektrum an Fachbereichen, von Ingenieurwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften bis hin zu Naturwissenschaften, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und der Lehrerausbildung. Die Studiengänge werden von einem Netzwerk aus 210 Hochschulen und Grandes Écoles in fast 140 Städten in Deutschland, Frankreich und Drittländern angeboten. Derzeit nehmen fast 6.000 Studierende an den von der DFH geförderten Partnerschaften teil. Es gibt weltweit kein vergleichbares binationales Projekt.
Unterstützung durch die Universität
Aktuell werden die Studierenden intensiv von den Expertinnen und Experten der jeweiligen „International Offices“ beider Universitäten beraten. Durch persönliche Betreuung, administrative Unterstützung und die Vermittlung von Fördermöglichkeiten schaffen sie optimale Rahmenbedingungen für einen gelungenen Studienaufenthalt in Frankreich. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Unterstützung bei der Beantragung von Stipendien für Reise- und Aufenthaltskosten. Diese Förderung ermöglicht es den Studierenden, ihren Auslandsaufenthalt finanziell abgesichert zu planen und sich voll auf ihr Studium konzentrieren zu können.
Ein vielversprechender Auftakt
Der erfolgreiche Start des Doppelabschlussprogramms zeigt, wie fruchtbar internationale Kooperationen zwischen Universitäten sein können. Die Studierenden profitieren von einem innovativen Studienmodell, das akademische Exzellenz mit internationaler Erfahrung verbindet. Die Verantwortlichen beider Universitäten blicken optimistisch auf die kommenden Jahre und freuen sich darauf, das Programm gemeinsam weiterzuentwickeln und auszubauen.
Kontakt
Prof. Martin Haardt
Fachgebietsleiter Nachrichtentechnik und Koordinator des Doppelabschlussprogramms