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„Erfindergeist begleitet unsere Stadt seit jeher“: Ausstellung zeigt Innovationen aus Ilmenau und Thüringen

Was haben ein Kugellager, eine Diminished-Reality-Technologie und ein modernes Vermessungssystem für Kanalisationsschächte gemeinsam? Die Antwort darauf liefert die Ausstellung „130 Jahre PATENTE Ideen in Ilmenau“ an der Technischen Universität Ilmenau, die am 24. September mit einer Vernissage eröffnet wurde.

Mensch betrachtet Rollup Barbara Aichroth
Die Ausstellung in der Universitätsbibliothek der TU Ilmenau zeigt "130 Jahre PATENTE Ideen Ilmenau"

Von der Einrichtung der ersten Patentauslegestelle im Jahre 1895, ein Jahr nach Gründung des Thüringer Technikums, bis heute: Im Foyer der Universitätsbibliothek blickten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung zur Ausstellungseröffnung nicht nur auf die 130-jährige Geschichte des PATON | Landespatentzentrum Thüringen und seiner Vorgängerorganisationen zurück. Sie stellten auch die Bedeutung von Ideen, Schutzrechten und Innovationsgeist für die Region – und weit darüber hinaus – heraus. PATON-Direktor Dr. Christoph Hoock: 

Unser Ziel war und ist es, Unternehmen und Erfinder von der konkreten Idee bis hin zur Verwertung fachkompetent aus einer Hand zu unterstützen.

Ein Streifzug durch die Ausstellung, für die PATON-Mitarbeitende Archive durchstöbert, Interviews geführt und verschiedenste Exponate gestaltet haben, macht den Erfolg dieses Anspruchs sichtbar – vom Beitrag des Langewieseners Wilhelm Höpflingers zur Entwicklung des Kugellagers bis hin zur Modellarchitektur für die künstliche Photosynthese, entwickelt von einem Ilmenauer Forschungsteam um Physik-Professor Thomas Hannappel und in verschiedenen Ländern erfolgreich patentiert. Vitrinen zeigen die Geschichte bekannter Thüringer Markenprodukte, Roll-ups geben Einblicke in alle Schutzrechtsarten und eine Fotoschau dokumentiert die Entwicklung der Patentinformation. 

Mittendrin: ein Original Simson-Motorrad aus dem Jahr 1988, das als Symbol für Thüringer Gestaltungsfreude auch im Design steht. Aber auch für eine „besonders erfolgreiche Kooperation“ zwischen dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) in München und PATON, einem Forschungsprojekt zur Digitalisierung von Designschutzrechten und ihres Formenschatzes aus der früheren DDR, wie Katharina Mirbt, Leiterin der Hauptabteilung „Marken und Designs“ im DPMA, hervorhob. Das Ergebnis in Form einer Datenbank, das jetzt über DPMA-Register nutzbar ist, zeige, dass die langjährige Zusammenarbeit nicht nur historische Schätze gehoben hat, sondern auch heute sehr praxisrelevant ist: 

Das ist genau das, wofür PATON ganz klar steht: für praktische Hilfestellung und Unterstützung für alle Menschen, die ihr geistiges Eigentum schützen lassen und vermarkten möchten, was gerade in Zeiten von KI immer wichtiger wird.

Die Ausstellung mache zudem eindrucksvoll sichtbar, wie eng auch Marken wie VitaCola Born, Köstritzer oder Viba mit der Identität und Innovationskraft Thüringens verbunden seien: 

Sie stehen beispielhaft für die Kreativität und Kontinuität Thüringer Unternehmen über Generationen hinweg.

Auch Ilmenaus Bürgermeisterin Beate Misch würdigte die lange Innovationstradition der Region: „Erfindergeist begleitet unsere Stadt seit jeher“ –   von den Glasbläsern, die mit ihren Kathodenstrahlröhren aus hochreinem, gasdichtem Glas Röntgenröhren zum Durchbruch verhalfen, über die mehr als 250 Ausgründungen der TU Ilmenau bis hin zu „enormem Pioniergeist und Innovationen auch aus dem universitären Umfeld“ in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs oder der Coronapandemie, die die Region bis heute prägten. 

Prof. Stefan Sinzinger, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der TU Ilmenau, richtete den Blick indes in die Zukunft: 

Von Umweltproblemen bis hin zu politischen Krisen stehen wir auch heute vor großen Herausforderungen. Hier in dieser Ausstellung wird deutlich, welches Potenzial wir haben, uns kreativ und optimistisch diesen Aufgaben zu stellen. 

Einer, der bereits eine Lösung für ein Problem gefunden hat und dafür 2024 mit dem Thüringer Innovationspreises ausgezeichnet wurde, ist Mageeban Kuperan, ehemaliger Student der TU Ilmenau und Gründer des Unternehmens KupTec. Auch die Geschichte seiner Erfindung DiametriX® wird in der Ausstellung erzählt. Das System ermöglicht es, Kanalisationsschächte sicher und präzise zu vermessen, ohne dass Menschen in den Schacht hinabsteigen müssen. Die Erfindung, deren Entwicklung von der Idee bis zum marktreifen Produkt von PATON begleitet wurde, zeigt ebenso eindrucksvoll, wie eng Patente und Marken mit wirtschaftlicher Stärke verbunden sind, wie die erfolgreiche Ilmenauer Ausgründung fayteq. Das Unternehmen sorgte mit seiner patentierten Diminished Reality-Technologie, mit der sich Gegenstände aus Live-Videos in Echtzeit entfernen lassen, international für Aufsehen und wurde 2017 von Facebook (heute Meta) übernommen. 

130 Jahre PATENTE Ideen in Ilmenau“ ist noch bis zum 13. November 2025 im Foyer der Universitätsbibliothek Ilmenau zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung hat UNIonline mit dem Direktor des PATON | Landespatentzentrum Thüringen an der Technischen Universität Ilmenau, Dr. Christoph Hoock, gesprochen – über die Bedeutung von Schutzrechten, die Innovationskraft der Region und darüber, wie aus guten Ideen erfolgreiche Erfindungen werden. Zum Interview.

Kontakt

Dr. Christoph Hoock

Direktor PATON | Landespatentzentrum Thüringen