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Neue Wege in der Mikroelektronik: Fachtagung diskutiert Chancen und Herausforderungen der Schlüsseltechnologie

Mikroelektronik-Expertinnen und -experten aus Forschung und Industrie in ganz Deutschland und Japan kamen vom 11. bis 12. Februar 2025 an der Technischen Universität Ilmenau zusammen, um aktuelle Trends in der Halbleitertechnologie für die digitale und grüne Transformation in Europa zu diskutieren – vom KI Chip Design über Halbleiter-Leistungsbauelemente für Raumfahrt und Elektrofahrzeuge bis hin zu hochpräzisen Multi-Material-3D-Mikrodrucken für die Optik und einer neuromorphen supraleitenden „grünen“ Elektronik. Im Mittelpunkt des Treffens der Mitglieder im Verbund „Forschungslabore Mikroelektronik Deutschland (ForLab)“ stand die Vernetzung der Hochschulen untereinander sowie mit Partnernetzwerken wie Chipdesign Germany und allen Interessengruppen der Mikroelektronikbranche.

Bildschirm an Geländer Annika Mehlis

Mikroelektronik ist das Herzstück moderner Technologien – von Hochleistungsprozessoren und Sensoren bis hin zu Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) und des Quantencomputings. Mit ihrer Spitzeforschung an kleinsten elektronischen Bauteilen und Schaltungen treiben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen am Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien (ZMN) der TU Ilmenau Innovationen in diesem Bereich voran. Als von der DFG geförderte "Core Facility" stellt das ZMN seine exzellente Ausstattung in einem der größten universitären Reinräume Europas aber auch anderen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Verfügung. Gemeinsam mit 17 weiteren Hochschulen in Deutschland ist die TU Ilmenau zudem im ForLab-Verbund vernetzt. Ziel des Hochschulnetzwerks für Halbleitertechnologie und Mikroelektronik ist es, bundesweit Kooperationsstrukturen auszubauen und insbesondere KMU, Start-ups und Forschungsgruppen den Zugang zu Reinräumen zu vereinfachen.

Kompetenzen bündeln

In Workshops mit Industrievertretern ermittelten die ForLab-Partner bei der Fachtagung an der TU Ilmenau Bedarfe für künftige Entwicklungen, erörterten Möglichkeiten für einen beschleunigten Technologietransfer durch gemeinsam genutzte Infrastruktur und Bündelung von Kompetenzen und diskutierten gesellschaftliche Trends im Kontext der Chip-Industrie und in Zeiten des Umbruchs. Unter anderem stellen Doktorandinnen und Doktoranden der Ilmenau School of Green Electronics innovative Ansätze für eine Informationstechnologie vor, die nicht nur im Betrieb, sondern auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette und im gesamten Materialkreislauf nachhaltig und klimaneutral ist.

Weitere Workshops und Vorträge nahmen vor allem die Herausforderungen in der Nachwuchsförderung und Fachkräftesicherung für die Halbleiterindustrie in den Blick, denen sich das ForLab-NataliE-Projekt mit der TU Ilmenau als einem von drei Verbundpartnern neben der Technischen Universität Dresden als Verbundkoordinator und der Ruhr-Universität Bochum widmet. Diskutiert wurden unter anderem die Entwicklung eines „Kompetenzatlas‘“ als Informationsplattform zu verfügbaren Anlagen, Forschungs- und Technologieprofilen der Hochschulen. Uta Voigt vom Aus- und Weiterbildungsnetzwerk Hochtechnologie am Ferdinand-Braun-Institut in Berlin stellte mit dem BMBF-Leitprojekt skills4chips außerdem eines von vielen Practice-Beispielen zur Studierendengewinnung und Integration internationaler Studierender in den Arbeitsmarkt vor:

Wir müssen es schaffen, das Bewusstsein für die Branche auch in die Köpfe der Jugendlichen und der gesamten Gesellschaft zu tragen und die Karriereoptionen aufzuzeigen.

Zu den weiteren diskutierten Initiativen gehörten das Projekt „International Engineers for Thuringia“ und die Orientierungsangebote für Ingenieurstudierende der TU Ilmenau.

Gemeinsam den gesellschaftlichen Wandel gestalten

Wie letztendlich aus Top-Alumni auch Top-Fachkräfte werden, darüber diskutierten Vertreterinnen und -vertreter aus Industrie und Hochschule am zweiten Tag der Fachtagung. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion mit Felix Aßmann (Bosch Sensortec), Sven Beyer (GlobalFoundries), Uwe Gäbler (Infineon), Martin Hoffmann (Ruhr-Universität Bochum) und Joanna Pawlaczek (Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung, LEG Thüringen) standen Strategien zur besseren Abstimmung von Hochschulen und Industrie, um den Übergang von der Universität in die Unternehmen zu optimieren. Trotz unterschiedlicher Ansichten zu Themen wie praxisorientierter Ausbildung und Anpassung von Studieninhalten an industrielle Anforderungen wurde schnell ersichtlich: Eine enge Zusammenarbeit zwischen akademischen Einrichtungen und Unternehmen ist essenziell für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses in der Mikroelektronik.

Gefragt seien aber auch Visionen für ein zukunftsfähiges Deutschland in Europa, so Klaus Burmeister von foresightlab in seinem Abschlussvortrag. Dafür müssten alle gesellschaftlichen Lager bereit sein, neue Wege zu gehen: „Meine größte Hoffnung ist die Europäische Union.“ Der AI Actio Summit in Paris sei bereits ein gutes Zeichen.

„Wir müssen uns aus der Komfortzone herausbewegen“, resümierte auch Gastgeber Prof. Jens Müller, Vizepräsident für Internationale Beziehungen und Transfer der TU Ilmenau, zum Abschluss der Veranstaltung. Der offene Austausch von Standpunkten und Erwartungshaltungen bei der Fachtagung sei eine gute Basis, um sich künftig sowohl im ForLab-Verbund als auch mit nationalen und europäischen Ausbildungsinitiativen wie der Mikroelektronik-Akademie der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland (FMD) und der Industrie noch enger zu verzahnen:

Wir können alle nur voneinander lernen.

Neue Wege zu gehen, ohne andere zu verlassen, um den gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten: Dazu lud abschließend auch Prof. Martin Hofmann von der Ruhr-Universität Bochum ein – der Gastgeberuniversität der ForLab-Fachtagung 2026.

Kontakt

Prof. Jens Müller

Vizepräsident für Internationale Beziehungen und Transfer