„Ton läuft?“ „Läuft.“ „Kamera?“ „Läuft.“ „Dann sind wir auf Sendung in 3 … 2 … 1...“ Seit nunmehr drei Jahrzehnten gehören genau solche Momente für Generationen von Studierenden in Ilmenau zum Hochschulalltag. Wir werfen zum 30-jährigen Jubiläum von iSTUFF, dem Ilmenauer Fernsehen von Studierenden für Studierende, einen Blick hinter die Kulissen.
Was Ende 1996 ursprünglich als reines Praxisprojekt für Studierende der Medientechnologie an der Technischen Universität Ilmenau begann, entwickelte sich schnell zu einem der prägendsten studentischen Medienprojekte der Universität: dem Ilmenauer Studierendenfernsehfunk, kurz iSTUFF. Im Jubiläumsjahr 2026 gibt es gleich doppelt Grund zum Feiern: 30 Jahre iSTUFF und 20 Jahre als Ressort der Forschungsgemeinschaft elektronische Medien (FeM e.V.).
Die Anfänge von iSTUFF fielen in eine Zeit, in der die TU Ilmenau mit dem „Ilmenauer Modell“ neue Maßstäbe in der Medienausbildung setzte. Ausgehend vom Modellversuch „Elektronische Medientechnik“ 1993 entstanden gleich drei Medienstudiengänge, die technische, wirtschaftliche und kommunikationswissenschaftliche Inhalte mit praxisnaher Ausbildung verbanden. In diesem Umfeld entwickelte sich iSTUFF zu einem Ort, an dem Studierende ihr Wissen direkt in eigenen Projekten anwenden, sich mit Gleichgesinnten austauschen und gemeinsam wachsen konnten.
Vom Hörsaal direkt ins Studio
Schon kurz nach der Gründung zeigte sich, dass das Interesse weit über die Grenzen der Medienstudiengänge hinausging. Aus einem Praxisprojekt für Medientechnologie wurde schnell ein Treffpunkt für Studierende unterschiedlichster Studienrichtungen. Während tagsüber Vorlesungen besucht wurden, entstanden abends im Studio erste Beiträge, Moderationen und Sendungen. Viele lernten hier zum ersten Mal, wie man eine Kamera bedient, Ton mischt oder eine Livesendung organisiert. Genau dieser praxisnahe Ansatz machte iSTUFF früh zu einem festen Bestandteil der Ilmenauer Medienlandschaft.
Am 15. April 1997 nahm auch die Forschungsgemeinschaft elektronische Medien e.V. offiziell ihre Arbeit auf. Der Verein sollte in den kommenden Jahren zu einer zentralen Plattform für studentische Medienprojekte werden – und zu einer Heimat für iSTUFF.
„Als studentischer Verein an der TU Ilmenau schaffen wir seit vielen Jahren einen Rahmen, in dem Theorie und Praxis zusammenfinden“, so Finn Breiter, Student der Medieningenieurswissenschaften und stellvertretender Vorsitzender der FeM:
Studierende aller Fachrichtungen können sich bei uns in Projekten engagieren, neue Technologien ausprobieren und eigene Ideen verwirklichen. Damit fördern wir nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch kreatives Arbeiten und Teamgeist.
Zu sehen, wie hier Studierende aller Fachrichtungen zusammenkommen, als Team zusammenwachsen und aus einer verrückten Idee plötzlich ein echtes Großprojekt wird, ist einfach jedes Mal wieder schön.
Bereits während der International Student Week Ilmenau (ISWI) 2003 arbeiteten iSTUFF und die FeM eng zusammen. Als eines der größten von Studierenden organisierten internationalen Festivals Deutschlands wird die ISWI bis heute durch die Sondersendung „ISWIsion“ begleitet. Diese Zusammenarbeit zeigt, welches Potenzial in gemeinsamer studentischer Medienproduktion steckt. 2006 wurde iSTUFF schließlich offiziell zum Ressort der FeM e.V..
Technisches Knowhow und Experimentierfreude
Doch wer an iSTUFF denkt, denkt nicht nur an klassische Studiosendungen. Über die Jahre entwickelte sich der Verein immer wieder weiter und wagte Projekte, die weit über gewöhnliches Hochschulfernsehen hinausgingen.
Ein besonderer Meilenstein folgte 2010: Nach langer Vorbereitung startete das experimentelle Fernsehen via DVB-T vom Vogelherd aus, getragen von technischem Knowhow, Experimentierfreude und unzähligen Stunden ehrenamtlicher studentischer Arbeit. Stefan Dornheim erinnert sich an diese Zeit:
Das Projekt hat an sich immer viel Spaß gemacht – mit all seinen Herausforderungen von der Planung über die Finanzierung bis zur technischen Umsetzung. Besonders in Erinnerung bleiben da die Montageaktionen der diversen Antennen, um unser Signal in Ilmenau zu verteilen, oder es später per Richtfunk vom L-Dach zum Sender auf dem Vogelherd zu bekommen.
Medienpraxis mit Ü-Wagen „Betsy“
Mindestens genauso legendär ist bis heute „Betsy“ – der vereinseigene Übertragungswagen des Vereins. Betsy ist nicht nur ein Transportmittel, sondern auch wichtig für alle Live-Produktionen, die außerhalb des Studios stattfinden. Während das ehemalige Ausbauteam bereits in der Arbeits- und Medienwelt angekommen ist, werden weiterhin neue Projekte an Betsy vorgenommen. Informatik-Student Timo Kettenbach, der beim jüngsten Umbau mitgearbeitet hat, erinnert sich:
Mit unserem Ü-Wagen auf Events zu fahren oder daran Umbauten vorzunehmen ist jedes Mal eine tolle und einzigartige Herausforderung. Vor allem der große Umbau vor zwei Jahren war eine spannende Erfahrung, besonders weil wir alles selbst planen und umsetzen konnten.
Seitdem begleitet das Fahrzeug Außenproduktionen, Liveübertragungen und Veranstaltungen unterschiedlichster Art, beispielsweise auch das Open Flair, ein mehrtägiges Musikfestival in der hessischen Stadt Eschwege. Dort ist das Team der FeM für die Bespielung der LED-Leinwand an der Seebühne zuständig und bringt das Festivalgeschehen hautnah zu den Besuchern. Für viele Mitglieder steht „Betsy“ sinnbildlich für das, was iSTUFF seit Jahrzehnten ausmacht: ausprobieren, gemeinsam Lösungen finden und Freude am Schaffen haben – und dabei jede Menge Praxiserfahrung sammeln.
Vom TV-Studio zum Filmset
Mit dem Projekt „Ilmpressions“ rückten 2017 zunehmend kreative studentische Kurzfilm- und Filmproduktionen in den Vordergrund. Pünktlich zum Jubiläumsjahr arbeitet die Crew bereits an ihrer nächsten Produktion. Die Leitung von Ilmpressions besteht in diesem Jahr unter anderem aus aktiven iSTUFFlern, die seit 2024 gemeinsam Kurzfilme unter dem Projektnamen „InDieStudios“ produziert haben. Mit Projekten wie dem Kurzfilm „Screenmaxxing“ sammelten sie wertvolle Erfahrungen in der Entwicklung, Produktion und Postproduktion eigener Filme.
Nun ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen: ihren ersten abendfüllenden Krimi-Spielfilm. Um dieses ambitionierte Projekt zu verwirklichen, sammelt das Team aktuell über Plattformen wie StartNext und weitere Fördermöglichkeiten die notwendigen Mittel.
Heute gestalten 34 Aktive das Campusleben leidenschaftlich mit – sei es durch die Kurzfilmproduktion „Indiestudios“ oder das Newsformat „CampusBlick“. Immer wieder kommen neue Studierende dazu. Viele ehemalige Aktive arbeiten inzwischen in der Medienbranche, bei Fernsehsendern, Produktionsfirmen oder im Eventbereich. Trotzdem zieht es viele immer wieder zurück nach Ilmenau.
Am 2. und 3. Oktober 2026 feiert iSTUFF gemeinsam mit Ehemaligen und aktuellen Mitgliedern sein 30-jähriges Jubiläum. Direkt zuvor findet außerdem das Alumni-Symposium der Medientechnik und Medieningenieurwissenschaften statt, sodass zahlreiche Ehemalige gleich mehrere Tage auf dem Campus verbringen werden.
Der erste Veranstaltungstag steht ganz im Zeichen des Wiedersehens: mit gemeinsamer Feier in der Festhalle, Gesprächen über alte Produktionen und einer langen Afterparty in den Studentenclubs.
Sonderausgabe der neuen Late-Night-Show mit ehemaligen iSTUFFlern
Am zweiten Tag folgen Campus- und Studioführungen, sowie das Highlight: eine besondere Ausgabe der „TUNightShow“, der neue Late-Night-Show von iSTUFF. Normalerweise beleuchtet der Moderator hier mit wechselnden Gästen das studentische Leben und den Campus-Alltag. Für das Jubiläum wird die Show jedoch zu einem generationsübergreifenden Gemeinschaftsprojekt: Aktive und Alumni produzieren die Sendung gemeinsam live aus dem Medienlabor der Universität, das mit modernster Studiotechnik, kreativer Lehre und innovativer Forschung seit 25 Jahren das interdisziplinäre, forschungsnahe und praxisorientierte Lernen an der TU Ilmenau prägt.
Vielleicht ist genau das das Besondere an iSTUFF: Die Technik verändert sich stets.
Angefangen bei den ersten analogen Geräten über die Digitalisierung bis hin zu modernstem Produktionsstandard in Full HD. Geblieben ist jedoch der Gedanke dahinter: gemeinsam Medien machen, voneinander lernen und Dinge einfach mal ausprobieren. iSTUFF-Mitglied Marie König, Studentin der Angewandten Kommunikations- und Medienwissenschaft:
Was damals mit einer Vision startete, ist heute für viele von uns ein prägender Teil des Lebens geworden. Der ‚Studierendenfernsehfunk‘ war und ist für Generationen eine Kombination aus engen Freundschaften und dem ersten Sprungbrett in die Arbeitswelt.
Herzlichen Glückwunsch iSTUFF!
Hier geht es zur Anmeldung für das große Jubiliäumwochenende am 2. und 3. Oktober