NabuWer neulich nachmittags bei schönem Wetter auf dem Unigelände nahe dem Zusebau unterwegs war, wird sich vielleicht über die eifrig arbeitende Kinderschar gewundert haben, die einen kleinen Glasbau, welcher als Raucherhäuschen genutzt wird, mit weißer Farbe bemalte. Einige Vorbeikommende wunderten sich. „Da macht ihr es den Rauchern aber schön!“, kommentierten andere.
Die fröhlichen Kinder gehören der Naturschutzkindergruppe (NAJU) an und sind im NABU organisiert. Unser Anliegen ist eine umfassende Natur- und Umweltbildung. An diesem Donnerstag war unser Ziel, ein verglastes Gebäude vogelsicher zu gestalten. Frei wie ein Vogel zu fliegen ist beneidenswert, doch sind uns die Gefahren, denen Vögel ausgesetzt sind, kaum bewusst. Es sind Glasscheiben, die aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken sind und zu einem modernen „Lifestyle“ gehören. Glas hat jedoch auch Schattenseiten: Obwohl sich Vögel in erster Linie optisch orientieren, sind sie nicht in der Lage, Glas zu erkennen. Jährlich sterben allein in Deutschland über 100 Millionen Vögel an Kollisionen mit Glas. Womit der Tod an den Scheiben heute eines der größten Vogelschutzprobleme im Siedlungsraum ist. Mit der steten Ausdehnung des Siedlungsgebietes und der steigenden Beliebtheit von Glas wird das Problem immer akuter.
Dabei gibt es Lösungen: das Sichtbarmachen von Glas durch geprüfte Vogelschutzmarkierungen. Aufgeklebte Silhouetten von Greifvögeln nutzen dabei nichts. Am besten ist es natürlich, bei der Planung eines Gebäudes Schutzmaßnahmen von vornherein mitzudenken.
In Ilmenau hat der NABU sich des Themas Vogelschlag an Glas angenommen und eine AG gebildet. Die Gruppe hat bereits mit Unternehmen und Einrichtungen, auch auf politischer Ebene mit der Stadt und dem Landkreis, Kontakt aufgenommen und über Vorträge durchaus erfolgreich für das Thema sensibilisiert.
Auch die Kindergruppe wollte für den Vogelschutz aktiv werden. Der Kanzler der Uni Ilmenau wurde angefragt und so durften wir das vollverglaste Raucherhäuschen, auch hier gab es bereits tote Vögel, fit gegen Vogelschlag machen.
Zuerst mussten die 6 Scheiben geputzt werden. Die wasserfesten Farben werden für bessere Sichtbarkeit auf die Außenscheiben aufgebracht. Dann wurden stilistisch Bäume gemalt. Für die Kinder waren Schablonen für Blätter, Vögel u.a. vorbereitet, die von innen angeklebt wurden und von außen nachgemalt. Sehr emsig waren die Kinder und begannen bald fantasievoll und frei zu gestalten. Nach 2 Stunden war unser „Kunstwerk“ fertig, die Kinder zufrieden wie auch die mitwirkenden Erwachsenen. Die Kinder haben viel gelernt an diesem Nachmittag. Es wäre toll, wenn unsere Aktion Schule machen würde.
Übrigens werden bei den meisten Kollisionen mit Glas nur sogenannte Puderabdrücke oder unscheinbare Federn hinterlassen. Kleinere Vögel hinterlassen gar keine Spuren. Ihre Kadaver werden meist innerhalb kurzer Zeit entsorgt: nachts durch Füchse, Ratten, Katzen und Marder, tagsüber vor allem durch Krähen und Elstern. Das erklärt, dass die Dimension des Problems noch immer unterschätzt wird.
Infos zum Vogelschlag und detaillierte Handlungsempfehlungen unter: www.nabu.de/glastod
Ein Beitrag von Petra Szigarski - Betreuerin der NAJU-Gruppe Ilmenau