Anna | Genf, Schweiz

International Organisations and Crisis Management

Praktikum bei der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen in Genf

Tätigkeitsbereich und Einstieg
Ich absolvierte mein Praktikum bei der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen in Genf. Dort war ich hauptsächlich dem Team für humanitäre Hilfe zugeteilt, unterstützte jedoch auch das Team Menschenrechte. Während meiner Zeit in Genf hatte ich die Möglichkeit, den Menschenrechtsrat, das Allgemeine Regelmäßige Überprüfungsverfahren (Universal Periodic Review, UPR) sowie das Standing Committee des UN-Flüchtlingshilfswerks zu begleiten.
Zu Beginn meines Praktikums wurde mir ein Supervisor zugeteilt, der mir den Großteil meiner Aufgaben übertrug. Gleichzeitig erhielt ich die Gelegenheit, Einblicke in verschiedene weitere Arbeitsbereiche zu gewinnen. Anfangs verlief das Praktikum eher ruhig, sodass ich Zeit hatte, mich mithilfe von Texten meines Betreuers intensiv in die unterschiedlichen Themenfelder einzuarbeiten.


Einblicke in internationale Organisationen
Obwohl mir viele internationale Organisationen wie das UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) oder OCHA (Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten) bereits aus meinem Studium bekannt waren, ermöglichte mir das Praktikum Einblicke, die im universitären Kontext kaum vermittelt werden können – etwa durch die Teilnahme an informellen Gesprächen und Verhandlungen.
Darüber hinaus durfte ich eigenständig Recherchen durchführen, beispielsweise zu neuen finanziellen Umstrukturierungen im humanitären System, die infolge der Politik der neuen US-Regierung notwendig wurden.


Aufgaben während des UPR-Verfahrens
Während des Allgemeinen Regelmäßigen Überprüfungsverfahrens war ich eigenverantwortlich für mehrere Länder zuständig. Ich nahm an den entsprechenden Sitzungen teil, fertigte Mitschriften an und erstellte auf Grundlage meiner Notizen eigenständig Berichte, die anschließend nach Berlin übermittelt wurden.


Mitarbeit im Menschenrechtsrat
Auch während des Menschenrechtsrats übernahm ich eigene Aufgabenbereiche. Ich war für verschiedene Side Events verantwortlich, die überwiegend von NGOs zu spezifischen Themen organisiert wurden. Dort repräsentierte ich Deutschland und verfasste Berichte für meine Betreuer. Diese Phase war besonders intensiv und arbeitsreich, wodurch ich lernte, auch unter Zeitdruck effizient zu arbeiten.


Teilnahme an Verhandlungen
Zusätzlich nahm ich gemeinsam mit meinem Supervisor an zahlreichen Textverhandlungen teil, unter anderem im Rahmen des UNHCR Standing Committee. Dabei dokumentierte ich die Positionen und Wünsche der einzelnen Staaten, um diese später für weitere Verhandlungen nutzbar zu machen.


Persönliches Fazit
Rückblickend hätte ich mir gewünscht, noch mehr eigenständige Aufgaben übernehmen zu können. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass dies innerhalb eines dreimonatigen Praktikums nur eingeschränkt möglich ist. Besonders positiv in Erinnerung bleiben mir die ausgezeichnete Betreuung sowie die zahlreichen Einblicke in die Arbeit internationaler Organisationen.
Das Praktikum hat mir geholfen, die zuvor oft abstrakt wirkende „Blackbox“ internationaler Organisationen besser zu verstehen. Zudem konnte ich viele interessante Menschen kennenlernen und wertvolle Kontakte knüpfen, die mir möglicherweise auch in Zukunft weiterhelfen werden.

 
Leben und Freizeit während meines Auslandsaufenthalts in Genf

Wohnen in Genf
Mein Auslandsaufenthalt war wirklich wunderschön und ich habe meine Zeit in Genf auf jeden Fall intensiv genutzt. Ich hatte das Glück, direkt am Genfer See zu wohnen und war regelmäßig schwimmen.
Da es in Genf nur wenige klassische WGs gibt, wohnte ich zur Untermiete bei einer älteren Dame. Die Wohnung habe ich über eine Wohnungs-Liste der Ständigen Vertretung gefunden, die ich sehr empfehlen kann. Mit meiner Unterkunft hatte ich großes Glück: Ich zahlte lediglich 650 Franken im Monat, während die meisten anderen eher etwa 800 Franken zahlten. Diese hohen Mietkosten sollte man bei der Planung eines Aufenthalts in Genf unbedingt berücksichtigen.


Finanzierung des Aufenthalts
Die Botschaft zahlt nach Abschluss des Praktikums lediglich 450 Euro pro Monat, weshalb ich meinen Aufenthalt durch mein Erasmus+-Stipendium, die Förderung der Friedrich-Ebert-Stiftung sowie Kindergeld finanzierte. Generell sollte man sich frühzeitig Gedanken über die Finanzierung machen, bevor man in die Schweiz zieht, da das Leben dort insgesamt sehr teuer ist.


Freizeit und Ausflüge
In meiner Freizeit war ich viel wandern, zum Beispiel auf der Salève, dem Hausberg von Genf, in St. Cergue oder im Lauterbrunnental, das als Inspiration für Rivendell aus „Der Herr der Ringe“ gilt.
Außerdem unternahm ich regelmäßig Zugreisen innerhalb der Schweiz und nach Frankreich. Besonders empfehlen kann ich das Probe-Halbtax für etwa 30 Euro, mit dem man in allen Schweizer Zügen nur den halben Preis zahlt. So konnte ich unter anderem Lausanne, Annecy und Montreux besuchen.
Sehr gerne hielt ich mich außerdem in Plainpalais auf – sei es für den Flohmarkt oder die vielen kleinen Cafés. Besonders empfehlen kann ich die zahlreichen Bäckereien in Genf sowie die dortigen TooGoodToGo-Angebote. Vor allem das Pain Suisse sollte man unbedingt probieren.


Essen und Alltag
Essen gehen ist in Genf leider ziemlich teuer. Deshalb gingen wir nur gelegentlich auswärts essen, beispielsweise im Bain des Pâquis zum Käsefondue oder bei Parfums de Beyrouth für Falafel. Beide Orte kann ich sehr empfehlen.
Stattdessen haben wir häufig gemeinsam gekocht, was nicht nur günstiger war, sondern auch eine schöne Möglichkeit bot, Zeit miteinander zu verbringen.


Persönliche Highlights
Mein persönliches Highlight war ein Ausflug nach Chamonix zum Mont Blanc mit dem Panoramazug. Die Seilbahn auf den Berg kostet zwar etwa 80 Euro, lohnt sich bei gutem Wetter aber definitiv.
Sehr beliebt soll außerdem die Fährentour im Sommer nach Frankreich sein, teilweise sogar mit Weinverkostung. Leider fand diese während meiner Zeit in Genf noch nicht statt.
Die normalen gelben Fähren gehören in Genf hingegen zum regulären öffentlichen Nahverkehr. Besonders praktisch: Für Personen unter 24 Jahren ist der ÖPNV in Genf kostenlos.