28.01.2025

Ausstellung in der Universitätsbibliothek Ilmenau: Auf den Spuren einer Tragödie von Brasilienvertriebenen

Totale: Auswandererschiff auf MeerHans-Guenther Schneider
Die „Bremen“, das Segelschiff mit dem 152 Menschen im Jahr 1852 aus dem Dorf Böhlen nach Brasilien zwangsausgesiedelt wurden

Die Ausstellung „Nach Brasilien! Hintergründe und Spurensuche zu einer Dorftragödie von Böhlen 1852“ in der Universitätsbibliothek der TU Ilmenau zeichnet eine tragische Zwangsaussiedlung im 19. Jahrhundert nach. Texte und Bilder von Dieter Lange und Hans-Günther Schneider illustrieren die Geschichte der 1852 aus dem Thüringischen Dorf Böhlen nach Brasilien Vertriebenen bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist vom 4. Februar bis zum 27. März montags bis samstags geöffnet. Alle Interessierten sind zur Vernissage am 4. Februar und zur Ausstellung herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei. Zur Vernissage werden die Autoren der Ausstellung anwesend sein.

Die Zeit vor und nach der Deutschen Revolution1848/49 war in den zersplitterten deutschen Kleinstaaten von einschneidenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen geprägt – auch in dem Dorf Böhlen im Thüringer Wald. In den Wirren der Revolution und den Umwälzungen der Industrialisierung verloren zahlreiche Kleinhandwerker, gerade auch die vielen in Böhlen ansässigen Weber ihre Existenzgrundlage. Während sich auf der einen Seite eine neue Geldelite herausbildete, setzte im Volk eine dramatische Verarmung ein. Nach Missernten, die zu einer weiteren Verschlechterung der Lebensgrundlage vieler Menschen führten, kam es zu offenen Protesten – und als Folge zur Zwangsaussiedlung von 152 Bürgerinnen und Bürger von Böhlen nach Brasilien.

Seit 1997 arbeiten Hans-Günther Schneider und Dieter Lange die „Blutschande von Böhlen“ auf. Im Dorf selbst, in Archiven und Museen begaben sie sich auf Spurensuche, bevor sie 2002 zum ersten Mal nach Brasilien fuhren und die Nachfahren der einstigen Vertriebenen aufsuchten. Die Ausstellung zeichnet die Geschichte der Auswanderung nach: Durch Bilder und Texte erleben wir die Entdeckung der unbekannten neuen Welt, wir erhalten Einblicke in die ersten Annäherungsversuche der Auswanderer mit der brasilianischen Bevölkerung und erfahren von überraschenden Gemeinsamkeiten.

Zur Vernissage der Ausstellung am 4. Februar um 19 Uhr in der Universitätsbibliothek Ilmenau in Gegenwart der Autoren Dieter Lange und Hans-Günther Schneider sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Neben der Ausstellung werden brasilianische Musik und ein kleines kulinarisches Angebot geboten. Ab 21 Uhr zeigt der Hochschulfilmclub der TU Ilmenau im nahe gelegenen Helmholtz-Hörsaal den Film „Bei den Kaffeepflückern in Brasilien“. Der Dokumentarfilm begleitet die Heimatforscher Lange und Schneider auf einer ihrer Brasilienreisen im Jahr 2019. Der Filmautor Gerald Backhaus steht nach dem Film gern für Fragen zur Verfügung.

 

Ausstellung in der Universitätsbibliothek Ilmenau:

„Nach Brasilien! Hintergründe und Spurensuche zu einer Dorftragödie von Böhlen 1852“:

04.02.-27.03.2025 | Vernissage: 04.02.2024, 19:00 Uhr

Universitätsbibliothek Ilmenau, Langewiesener Str. 37, 98693 Ilmenau

 

Kontakt

Milena Pfafferott
Universitätsbibliothek Ilmenau

+49 3677 69-4605
milena.pfafferott@tu-ilmenau.de