07.10.2026

Publikationspreis der TU Ilmenau für Studie zu Protestnetzwerken auf Telegram

Wir freuen uns sehr über eine besondere Auszeichnung für unser Fachgebiet: Maximilian Zehring und Prof. Emese Domahidi wurden mit dem Publikationspreis der TU Ilmenau in der Kategorie „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ ausgezeichnet. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde am 6. Oktober 2026 verliehen und würdigt herausragende wissenschaftliche Publikationen, die durch internationale Sichtbarkeit, methodische Stärke sowie gesellschaftliche oder technologische Relevanz überzeugen.

Ausgezeichnet wurde die Studie „German Corona Protest Mobilizers on Telegram and Their Relations to the Far Right: A Network and Topic Analysis“, die in der Fachzeitschrift Social Media + Society veröffentlicht wurde. 

Wie funktionieren Protestnetzwerke auf Telegram?

Die ausgezeichnete Studie untersucht die Kommunikation der Querdenken-Bewegung, die eine zentrale Rolle bei den deutschen Corona-Protesten spielte, auf der Plattform Telegram. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Protestnetzwerke digital organisieren, welche Inhalte innerhalb dieser Netzwerke verbreitet werden und welche Verbindungen zu rechtsextremen und verschwörungstheoretischen Akteuren bestehen.

Dafür analysierten Maximilian Zehring und Prof. Emese Domahidi insgesamt 6.294.955 Nachrichten aus 578 öffentlichen Telegram-Kanälen. Mithilfe computergestützter Methoden untersuchten sie unter anderem, welche Inhalte besonders häufig weiterverbreitet werden, welche Akteure innerhalb des Netzwerks besonders einflussreich sind und welche Themen die Kommunikation im Zeitverlauf prägen.

„Damit gehörte unsere Studie zu den ersten systematischen Untersuchungen der Querdenken-Bewegung auf Telegram überhaupt“, erklärt Erstautor Maximilian Zehring anlässlich der Preisverleihung.

Die Ergebnisse zeigen, dass verschiedene Untergruppen der Querdenken-Bewegung insbesondere Inhalte aus rechtsextremen und QAnon-Communities weiterverbreiteten. Gleichzeitig fungierten rechtsextreme und verschwörungstheoretische alternative Medienkanäle als wichtige Verteiler von Inhalten innerhalb des Netzwerks.

Für Prof. Emese Domahidi unterstreicht die Studie damit auch die gesellschaftliche Relevanz der Forschung zu digitalen Öffentlichkeiten:

„Viele der untersuchten Akteure sind bis heute aktiv, auch auf politischer Ebene. Das macht die Studie natürlich nach wie vor relevant.“

 

Die Auszeichnung würdigt damit nicht nur eine wissenschaftlich und methodisch anspruchsvolle Untersuchung digitaler Protestkommunikation, sondern unterstreicht auch die Bedeutung computergestützter Kommunikationsforschung für das Verständnis dynamischer digitaler Öffentlichkeiten.

Wir gratulieren Maximilian Zehring und Prof. Emese Domahidi herzlich zu dieser Auszeichnung!

Zu den weiteren Preisträger:innen und der Universitätsnews: www.tu-ilmenau.de/unionline/forschung/details/wissenschaftliche-exzellenz-die-internationale-debatten-mitpraegt-1940