Jolene | Dublin, Irland

Erziehungswissenschaft - Sozialpädagogik / Sozialmanagement

Praktikum in der Sozialen Arbeit

In dem Projekt meiner Praktikumsstelle, in dem ich tätig war, geht es darum, Migrant*innen bei allen aufkommenden Fragen zu helfen, ihre Integration zu fördern sowie migrantische Communities und Gruppen zu unterstützen. In meinem dreimonatigen Praktikum in Irland habe ich erfolgreich die Sozialarbeiterin, die allein in dem Projekt arbeitet, unterstützen können. Wir haben gemeinsam Veranstaltungen und Workshops organisiert, sind zu Meetings gegangen und haben gut im Team zusammengearbeitet. Ich hatte viele Freiheiten, um auch meine eigenen Ideen und Pläne umzusetzen und neben dem Praktikum genug Flexibilität und Kapazitäten, um die Stadt und das Land näher kennenzulernen. 

Meine Sprachkenntnisse haben sich auf jeden Fall verbessert, da ich nicht nur im Praktikum, sondern auch in unserer Unterkunft mit 10 weiteren Mitbewohner*innen sehr viel auf Englisch kommuniziert habe. Außerdem habe ich eine ukrainische Gruppe im Rahmen der Praktikumstätigkeit einige Male zu einem Englischkurs begleitet und konnte dort selbst sprachlich noch weitere Dinge lernen. Auch vorher war mein Englisch bereits sehr gut, aber was sich auf jeden Fall geändert hat, ist, dass ich viel mehr Selbstvertrauen und Routine im Sprechen bekommen habe und das jetzt in Deutschland bei meiner Arbeit mit internationalen Klient*innen sehr gut einsetzen kann. 

Fachlich habe ich mich ebenfalls weiterentwickeln können. Ich habe zwei Workshops organisiert und selbst geleitet und dadurch teils völlig neue Erfahrungen gemacht. Auch in Deutschland leite ich regelmäßig Workshops, aber diese beiden Workshops hier waren anders, weil ich mit Menschengruppen in Kontakt gekommen bin, mit denen ich sonst nie zusammengearbeitet hätte und die eine völlig neue Herangehensweise und Gesprächsführung benötigt haben. 

Wie so häufig im sozialen Bereich hat auch meine Praktikumsstelle mit Unterfinanzierung und einem Mangel an Mitarbeitenden zu kämpfen. Durch meine Erfahrung in Dublin weiß ich jetzt Strukturiertheit, Finanzierungsmöglichkeiten, Teambuilding und Supervision sowie Dienstberatungen zu schätzen. Durch die offene und wertschätzende Art meiner Praktikumsbetreuerin, die regelmäßigen Reflexionsgespräche mit ihr und die vielfältigen Veranstaltungen im Projekt konnte ich trotz der Hindernisse viel lernen. Außerdem hatte ich die Chance an mehreren Fortbildungen und Workshops teilzunehmen und Zertifikate zu erlangen. Das Praktikum hat mir gezeigt, dass ich in der Sozialen Arbeit gut aufgehoben bin, dass ich in der Lage bin, professionelle Distanz aufrecht zu erhalten und trotzdem Emotionen zu zeigen und dass ich mir gut vorstellen kann, im Bereich Migration zu arbeiten. Auch wenn ich einiges kritisch betrachte, bin ich sehr zufrieden mit meiner Praktikumsstelle und dankbar, dass ich dort für drei Monate arbeiten konnte.

 

Vorbereitung

Ich empfehle Zeit und Geduld für die Vorbereitung mitzubringen. Insgesamt habe ich mich ein Jahr lang auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereitet und hatte mit Hürden zu kämpfen. Ich habe mehr als 40 unterschiedliche Einrichtungen in den verschiedensten Ländern angeschrieben und habe tatsächlich nur von meiner Praktikumsstelle eine positive Rückmeldung bekommen.

Auch die Wohnungssuche gestaltete sich schwierig. Vor allem muss man seine Erwartungen nach unten und die zu erwartende Miete nach oben schrauben. Am Ende haben wir in einem Haus mit 12 Personen, geteilter Küche und geteiltem Bad für fast 1400€ pro Monat gewohnt. Trotzdem bin ich sehr froh über dieses Haus, weil die Gemeinschaft hier super ist! Wir unternehmen jede Woche mehrmals etwas gemeinsam, grillen, backen, brunchen, machen Spielenachmittage, …

Mir hat in der Planung und Vorbereitung sehr geholfen, alles in Listen festzuhalten, was schon organisiert wurde und was noch organisiert werden muss: Untervermietung der Wohnung, Versicherung, Unterkunft in Irland, Flug, ... So hatten wir eigentlich eine ziemlich gute Übersicht. Für die Versicherung hat sich die DAAD-Versicherung sehr gut angeboten. Ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob ich nicht vielleicht sowieso schon mit meiner aktuellen Versicherung für alles abgesichert gewesen wäre, aber es ist sehr vorteilhaft, in der DAAD-Versicherung alles in einem Paket zu haben und genau zu wissen, dass diese Versicherung für Erasmus-Auslandsaufenthalte und Praktika ausgelegt ist. 

 

Wichtig ist zu wissen, dass das Erasmus+ Stipendium, gerade in einer Großstadt wie Dublin, nicht alle Kosten deckt. Weitere finanzielle Mittel sind in jedem Fall notwendig.

 

Chronische Erkrankung

Außerdem habe ich eine Angststörung und hätte nicht allein ins Ausland gehen wollen. Deswegen gab es für uns den zusätzlichen Koordinationsaufwand, dass auch mein Freund ein Erasmus-Praktikum für sich geplant hat. Wir hatten Glück, dass wir beide in derselben Stadt und im selben Land eine Stelle gefunden haben, aber selbst zwei Monate vor unserer Abreise war ich mir nicht sicher, ob wirklich alles funktionieren wird. Außerdem habe ich mir vor dem Abflug ein kleines Notfall-Angst-Kit für meine Bauchtasche zusammengestellt, unter anderem mit starken Gerüchen und Fidget-Ringen. Auch, wenn ich diese Dinge nur selten gebraucht habe, fühlt es sich gut an, so ein Sicherheitsnetz für Panikmomente zu haben. Und wenn mein Freund in Angstmomenten mal nicht vor Ort war, bin ich auch jedes Mal durchgekommen. Besonders, weil man nie alleine ist – ich habe sowohl von meiner Praktikumsbetreuerin als auch von unseren Freund*innen im Haus viel Unterstützung erfahren und eine unserer Mitbewohner*innen hatte sogar selbst eine Angststörung, wodurch wir uns austauschen und gegenseitig helfen konnten.

 

Leben in Irland

Überrascht hat mich Irland dahingehend, dass Dublinnicht so gepflegt ist wie ich es von anderen europäischen Orten gewohnt bin. Die Menschen hier sind herzlich und sind uns sehr schnell ans Herz gewachsen. Genauso wie Irland - mit all seinen Ecken und Kanten, aber gleichzeitig der wunderschönen Natur, dem angenehmen Wetter (gestern waren es in Deutschland 38°C, hier 19°C) und dem Meer! 

Es ist schön, mit meinem Freund hier zu sein und diese besondere Zeit gemeinsam zu erleben. Wir machen jedes zweite Wochenende einen Wochenendtrip in eine andere Stadt in Irland und mieten ab und zu ein Auto, um zum Beispiel zu den Cliffs of Moher oder in Nationalparks zu kommen. Tatsächlich ist aber auch viel mit dem Zug zu erreichen. Einerseits ist es schön, bald wieder in unser strukturiertes, sauberes Zuhause zu kommen. Andererseits würden wir gern noch viel länger hierbleiben, um alles zu sehen und mehr Zeit mit unseren Freund*innen hier zu verbringen. 

In Dublin lohnt sich auf jeden Fall die Leap Card für den ÖPNV, aber ehrlich gesagt fahren wir lieber mit Zug und S-Bahn als mit den Doppeldecker-Bussen, die oft überfüllt sind und sich im hektischen Verkehr der Stadt verspäten.  

 

Positives Fazit

Ansonsten ist mein Tipp nur, die Chance, mit Erasmus ins Ausland zu gehen, nicht zu verpassen. Mir hat es sehr geholfen, zu zweit zu fahren - so kann man sich die Kosten teilen und hat weniger Angst. Und ich habe für mich persönlich gelernt, dass selbst, wenn meine Ängste wahr werden, mir nichts passiert und ich stark und stabil genug bin, um zu reisen. Ein längerer Auslandsaufenthalt ist mit viel Planungsaufwand verbunden, teuer und ein Sprung ins Ungewisse. Aber er lohnt sich auf jeden Fall und ich würde es jedes Mal wieder genauso machen. Ich bin sehr dankbar, dass es durch Erasmus die Möglichkeit gibt, dabei finanzielle Unterstützung zu bekommen.